Gelber Unimog

Von Kanada bis Feuerland in 365 Tagen

Belize 29. Juni 2014

Filed under: Allgemein — tichyx @ 19:49

Da geografisch betrachtet erstmal kein großer Unterschied zwischen Belize und dem Süden Mexikos besteht, sollte man annehmen, dass so eine von Menschen gezogene Grenzlinie nicht viel ändert. Irrtum. Belize ist größtenteils bergig, undurchdringlicher Regenwald, mehrheitlich schwarz, ex-britisch und deutlich ärmer – kurz: in vielen Punkten ganz anders als Mexiko.

Die Amtssprache ist englisch und somit für uns eine Erleichterung, nachdem wir uns nun zwei Monate mit Spanisch herumgeschlagen haben. Allerdings ist der karibische Einschlag nicht zu überhören. Maximale Coolness ist angesagt und viele wirken ein wenig „druff“ – wie der Berliner sagen würde. Wir sind während des gesamten Aufenthaltes nicht wirklich dahinter gekommen, ob das einfach nur die landesübliche „heymyfriend, betta no litta“ Attitüde ist oder ob hier tatsächlich jeder Zweite zum Frühstück ein Stück belizianischen Rasen inhaliert. Diverse Lachflashs aus heiterem Himmel in Alltagssituationen und der Geruch nach brennender Wiese hier und da, lassen uns eher auf das zweite schließen.

Die Menschen sind offen und gastfreundlich, überall wird gegrüßt, wir kommen schnell ins Gespräch und fühlen uns willkommen. In der ersten Nacht stehen wir frei, auf einer kleinen Grünfläche am Wasser, mitten in dem Ort Corosal. Es herscht eine entspannte Atmosphäre und ab und zu kommt jemand zum plaudern vorbei.

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Weiße Riesen

In Belize treffen wir nun regelmäßig auf die weißen, blonden Riesen mit Strohhut und blauer Latzhose. In dieser Umgebung wirken sie noch unwirklicher als in Mexiko. Ähnlich wie die Amishpeople, sind sie mit altertümlichen Pferdegespannen unterwegs, haben sich der Landwirtschaft verschrieben und leben nach alten Traditionen und das streng pazifistisch. Es handelt sich um Mennoniten, eine Sekte aus dem 16 Jahrhundert, die ursprünglich in den Niederlanden heimisch waren. Nach andauernder Verfolgung und Vertreibung durch die halbe Welt, sind sie in Belize gelandet, wo sie nach ihren Regeln leben dürfen und mittlerweile Hauptlieferant vieler Agrarprodukte sind. Wie bei den Amish, gibt es auch bei den Mennoniten zwei Lager. Die eine Seite, die streng nach den alten Traditionen lebt und jeglichen technischen Fortschritt ablehnt und die andere Seite, die zur Ertragssteigerung auf Technik setzt und hochgerüstet, mit modernen Verfahren Landwirtschaft betreibt. Hauptsitz der Mennoniten ist die Gegend um Orange Walk im Norden von Belize.

Wir fahren weiter bis nach Bermudian Landing, ins „Baboon Sanctuary“. Dort unternehmen wir mit dem Giude Robert eine Tour durch den Regenwald und erfahren viel über die Pflanzen und Tierwelt. Uns sind zuvor bereits die flächenddeckend vorkommenden Mimosen aufgefallen, die sich blitzartig zusammenrollen, wenn man auf sie tritt. Von Robert erfahren wir, dass Mimosen ursprünglich nicht in Belzie vorkamen, sondern dass sie von den Siedlern eingeführt wurden, um mit ihrer Hilfe fliehende Sklaven aufzuspüren, die auf sie getreten sind.

Er zeigt uns auch, wie man mit Ameisenköpfen Kleidung zusammennäht und welche Früchte man essen kann. Der Höhepunkt ist eine Begegnung mit freilebenden Brüllaffen, die uns aus der Hand fressen. Die Nacht verbringen wir auf dem Baboon Gelände.

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Chinesisches Dosenfleisch

Je länger wir in Belize unterwegs sind, um so mehr fällt uns auf, dass es keine größeren Supermärkte gibt. Selbst in Belize City gibt es nur die kleinen Märkte, die ausnahmslos in chinesischer Hand sind. Fleisch gibt es dort nur in Dosen oder tiefgefroren. Gemüse und Obst gibt es nur in sehr geringer Auswahl. Brot gibt es nur abgepakt in Form von Hot Dog Brötchen oder Toast und wir müssen eine Weile suchen, bis wir einen vernünftigen Einkauf zusammen  bekommen. Anhand des Warenangebotes, wird deutlich: es fehlt einfach an Kaufkraft obwohl es immer mehr Kanadier und Amerikaner ins Land zieht. Die größeren Resorts und Hotels sind fast alle in der Hand von Ausländern. Wir hoffen, dass die Einwohner selbst mehr vom langsam zunehmenden Tourismus profitieren werden.

In der Nähe von Belize City besuchen wir den „Belize Zoo“. Er entstand mit Tieren, die nach Dreharbeiten für einen Dokumentarfilm ein neues zu Hause suchten. Wir machen die Runde durch den kleinen Privatzoo und man kommt den Tieren viel näher, als es bei uns möglich wäre. Jedenfalls könnte man sich vom Jaguar problemlos die Hand abschlecken lassen, wenn man lebensmüde genug ist.

Überhaupt gibt es hier diese übervorsichtige Fremdbestimung durch unzählige Verbote oder Sicherheitsmaßnahmen nicht, wie es in den USA und auch inzwischen bei uns üblich ist. Beim Besuch der „Hermans Cave“ beispielsweise, bekommen wir zwei Taschenlampen in die Hand gedrückt und den Hinweis vom Ranger, nicht zuuu weit in die Höhle zu gehen, da sie mehrere Meilen lang ist und man sich schnell verlaufen kann. Danach bekommt er einen der Lachflash´s und kriegt sich gar nicht wieder ein. Wir stiefeln los und als wir nach 15 Minuten Marsch durch den Regenwald an der Höhle ankommen, trauen wir uns kaum die ersten Stufen runter….die Höhle ist ein stockfinsteres Loch, liegt einsam im Regenwald, ist glitschig und wirkt wie der Eingang ins Totenreich. Nach den ersten paar Stufen ist die Höhle praktisch unerschlossen. Wir sind ganz alleine und es kostet uns viel Überwindung, in die Finsternis hinab zu steigen und in der Höhle herum zu klettern. Unsere Sicht ist gerade mal ein Einquadratmeter großer Lichtfleck. Dem Echo nach zu urteilen, erheben sich rundherum meterhohe Wände und Seitenarme, Irgendwo unter uns fließt Wasser und es geht steil bergab. Das ist ein eindeutiger Appell an die Selbstverantortung. Wir haben einen Riesenspaß daran, uns zu überwinden und uns Schritt für Schritt immer weiter in die Dunkelheit zu tasten. Bei uns in Europa, wäre so etwas offiziell absolut UNDENKBAR, zu gefährlich, verboten, und überhaupt einfach gar nicht gut für den Bürger. Weiter als ca. 100m Meter trauen wir uns nicht rein, ab da müssten wir auch durch fließendes Wasser waten. Aus Spass machen wir die Lampen aus und lassen die absolute Schwärze auf uns wirken. Allein unsere Fantasie, was in einer rabenschwarzen, meilenlangen Höhle, mitten im tropischen Regenwald alles so leben und existieren könnte, treibt uns zügig zurück zum Ausgang. Aber mit Tunneln und Höhlen haben wir´s ja irgendwie… J

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Coppolas Nachbarn

Auf dem Weg nach Süden fahren wir Richtung Touristenhochburg Placencia. Auf der kilometerlangen Halbinsel stehen eine Ferienvilla und ein Luxusresort neben dem anderen. Durch Landgewinnung wird die Lagunenseite bereits weiter ausgebaut und die ersten Residencials befinden sich bereits im Bau. Hier ist alles fest in amerikanischer und kanadischer Hand. Der Ort selbst hat ausser einer echten italienischen Eisdiele, mit erstklassigem Eis, nicht viel zu bieten und wir versuchen unser Glück bei einem der vielen Resorts und fragen nach einem Stellplatz. Wir haben Glück und landen im „Mariposa“, einer echten Oase mit tollem Strand. Die Maddisons, ein kanadisches Pärchen hat die Anlage gekauft und gerade renoviert, jetzt sollen die ersten Gäste kommen. Wir dürfen umsonst direkt am Strand stehen und da uns der Platz, das Essen und die Gesellschaft so gut gefallen, bleiben wir noch einen Tag länger. Falls mal jemand einen Geheimtipp in Belize sucht: www.mariposabelizebeach.com können wir empfehlen! Prominente Nachbarschaft gibt es inklusive, denn das Resort „Turtle Inn“ nebenan, gehört Franzis Ford Coppola.

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Beamtenkarussell

Wir machen uns auf den Weg nach Süden. Auf unserer Karte ist eine Fähre eingezeichnet, die von Belize nach Guatemala führt. Da wir nicht in Erfahrung bringen können, ob es sich nur um eine Personenfähre oder auch um eine Autofähre handelt, versuchen wir unser Glück – und haben Pech. Autos werden keine mitgenommen und so müssen wir die 150km bis nach Mayflower wieder zurück fahren. Wir verbringen die letzte Nacht wieder in einem der zahlreichen Nationalparks. Ein Kabel am Mog ist durchgescheuert und das Lämpchen vom Nebenabtrieb leuchetet sinnlos vor sich hin. So gibt’s zum Feierabend noch eine kleine Reparatur.

Am nächsten Morgen brechen wir wieder früh auf, um die Grenze nach Guatemala zeitig zu überqueren. Guatemela gilt als das unsicherste Land auf unserer gesamten Reise und wir wollen genug Tageslicht, um uns dort zu orientieren. An der Grenze verzichten wir auf einen Porter. Die Prozedur an den Grenzen ist mehr oder weniger immer die selbe. Die größte Hürde sind die diversen Fotokopien vom Fahrzeugschein und vom Reisepass, natürlich mit aktuellem Stempel, so dass man sie nicht vorab machen kann. Und einen Kopierer stellen sich die Behörden selbstverständlich auch nicht hin…. das wäre zu einfach. Also muß man nach dem Abstempeln immer erst mal in irgendwelche Buden um Kopien zu machen. Und an unserem Einreisetag nach Guatemala bekamen wir noch eine schöne Demonstration zum Beamtentum: als wir unseren deutschen Fahrzeugschein (den int. Fahrzeugschein haben wir leider im Auto vergessen) an der Grenze vorlegen, verdreht der Zuständige Beamte nur die Augen, denn es ist recht nervig, die ganzen wichtigen Daten aus so einem fremden Fahrzeugschein herauszufiltern und ins Formular zu übertragen, vor allem, wenn man kein Deutsch kann. Huch! Ganz plötzlich ist sein Computer kaputt und er muss das Problem an seinen Sitznachbarn weitergeben, der offensichtlich in der Hirachie unter ihm ist. Der verdreht nicht weniger die Augen und zögert den Auftrag so lange heraus, bis er Mittagspause hat und der jüngste Kollege vom Essen zurück kommt. Da er anscheindend der Letzte in der Kette ist, hat er nun das Problem. Da dieses Spiel höchst erheiternd ist und wir den Ausgang des Ganzen gerne sehen wollen, verzichten wir ausnahmsweise darauf, den internationalen Fahrzeugschein aus dem Auto zu holen. Aber natürlich sind wir gerne beim übersetzen behilflich und passen auf, dass alles ordentlich ins Formular eingetragen wird. Und just in dem Moment, als dieser unangenehme Part erledigt ist, funktioniert auch der Computer vom Chef wieder. Na, so ein Zufall… jetzt übernimmt er uns wieder und keine 5 Minuten später haben wir die Grenze nach Guatemala passiert.

Wir verlassen nach einer Woche das kleine Belize mit sehr guten Eindrücken. Ein wirklich schönes Land, mit beeindruckender Natur. Wir haben uns zu keinem Zeitpunkt unsicher gefühlt (wobei man auf eine freie Übernachtung in Belize City besser verzichten sollte). Belize setzt stark auf Naturschutz und den damit verbundenen Tourismus. Es gibt unzählige Naturschutzgebiete, Nationalparks und Reservate. Ein guter Weg, wie wir finden und ein Land, das den Tourismus braucht. Eine Reise lohnt sich deshalb in jedem Fall.

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One Response to “Belize”

  1. Klaus Says:

    Glückwunsch, Ihr Beiden. Wirklich llesenswerter Bericht. Ich bin wirklich gespannt auf die nächsten ErFahrungen. Falls möglich, würde mich auch Eure Erfahrungen mit dem Mog interessieren, nach dem Motto: was hat sich bewährt, was nicht und was wäre vielleicht wie zu verbessern. Solche Erfahrungen finde ich Gold wert, da man sie nur durch Reisen bekommt. Also viel Glück und wunderschöne Erlebnisse wünscht Euch Klaus aus Oldenburg (leider immer noch ohne Mog)


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