Gelber Unimog

Von Kanada bis Feuerland in 365 Tagen

Von Nashville/USA bis Acapulco/Mexiko 1. Mai 2014

Filed under: Allgemein — tichyx @ 22:40

Wir lassen Nashville hinter uns und fahren weiter Richtung Süden. Da wir Florida und die gesamte Küste rund um New Orleans bis Miami und hoch bis Charleston bereits von vergangenen Reisen kennen, fahren wir diagonal durchs Landesinnere, um südlich von Houston/Texas wieder auf die Küste zu treffen.

Nach dem extremen Wetterwechsel in den Appalachen, verändert sich nun auch die Vegetation. Es wird zunehmend grüner, das Klima wärmer und feuchter, weitläufige Sumpfgebiete durchziehen die Gegend rund um Lake Charles und wir übernachten mitten in den Sümpfen des Lake Charles State Park. Es gibt Stellplätze für Wohnmobile, die perfekt in die Landschaft integriert sind. Obwohl alle Plätze „Full Hook Up Service“ haben, also Wasserversorgung, Strom und Abwasseranschluss, kommt keinerlei Campingplatzfeeling auf. Wir stehen mitten in der Natur und können unzählige Tiere beobachten. Unter anderem auch Gürteltiere und die ersten Stinktiere.

sumpfkröte

GürtelviechStink

 

Monomedia und Mondgestein

Anders als in Deutschland, sind in den USA die Grenzen der verschiedenen Bundesstaaten durchaus spürbar: es herrschen zum Teil andere Gesetze und die Bevölkerung setzt sich völlig anders zusammen. Während in Louisiana und Mississippi ein Großteil der Bevölkerung schwarz ist, ist er in Texas hauptsächlich weiß. Aber vor allem markieren diese Grenzen in manchen Regionen ein extremes Wohlstandsgefälle. Als wir die Staatsgrenze von Louisiana nach Texas überfahren, erkennen wir das nicht nur am Willkommenschild der Texaner sondern auch am perfekten und nagelneuen Straßenbelag, der den Highway exakt auf Grenzlinie teilt. Und während es in Louisiana eine kleine und bescheidene Touristeninfomation gibt, die reichlich heruntergekommen und eher verlassen wirkt, so steht auf texanischer Seite des Highways ein Megablockhaus-Designprunkbau mit verspiegelten Scheiben, Profiberatern in Texasoutfit, 10m Massivholztresen und Kartenmaterial in allen erdenklichen Farben und Formen – natürlich Gratis, genau wie Kaffee und Wifi. Da sollen erst gar keine Zweifel aufkommen. Wir decken uns mit dem Luxusmaterial ein und sind nun erwartungsvoll, was uns in Texas so erwartet…

Regen. Nachdem wir in Galveston endlich wieder die Küste erreichen und die Sonne genießen, regnet es am nächsten Tag. Ein gute Gelegenheit, um das NASA Space Center in Houston zu besuchen. Die Ausstellung ist ganz nett, aber kein Vergleich zum Kennedy Space Center am Cape Canaveral. Während man sich (im krassen Gegensatz zur gepfefferten Touri-Info) in Houston mit diversen Schaukästen voller Mondgestein und Multi Monomedia Shows begnügt, wird man im Vergleich dazu in Cape Canaveral förmlich weggeblasen. Beim simulierten Start der Apollo 13 Rakete hebt es einen aus den Sitzen und auch die diversen Startrampen und der gigantische Space Shuttle Shelter lassen Houston dagegen etwas blass wirken. Trotzdem lohnt sich ein Besuch in Houston, da man ins Cockpit eines Space Shuttles krabbeln kann. Und im weiß gepolsterten original „Space Lab“ kommt man sich vor, wie in Stanley Kubriks „Space Odyssee“, aber wenn man sieht, wie viel „Storage“ die unzähligen Urinpacks eingenommen haben, ist man auch schnell wieder zurück in der Realität.

Später suchen wir uns einen Statepark, der auf unserem Weg Richtung Westen liegt und landen im Summerville Lake State Park. Was wir hier erleben, ist weitaus interessanter, als jedes Space Center.

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XL Klischees

Das Gute an Klischees ist ja, dass sie zwar meist maßlos übertrieben sind, aber in der Regel einen wahren Kern haben. In seltenen Fällen allerdings kommt es vor, dass die Wirklichkeit die Übertreibungen des Klischees um Längen abhängt. In einem Film würde man das dann als völlig unglaubwürdig abtun. So auch die Begegnung im Summerville State Park, der sich übrigens wieder wunderbar in die Landschaft einfügt, in diesem Fall eher durch Ödness. Aber entgegen der bisherigen State Parks, sind hier einige texanische Camper anwesend.

Als wir in Deutschland unseren Mog verschifft haben, dachten wir, wir wären mit einem großen Auto unterwegs. Auf dem Weg über den Atlantik und runter bis nach Texas muss der Mog aber irgendwie geschrumpft sein. Denn verglichen mit dem US-amerikanischen „Standard Motorhome“, ist unser Mog geradezu mickrig. Die Teile sind schlicht doppelt so lang, einen Meter höher und verfügen über mindestens zwei bis vier Slideouts, welche die Wohnfläche im Stand erheblich vergrößern. Und als wäre das nicht genug fahrende Schrankwand, hängt an der Deichsel des Hecks noch ein Geländewagen im Schlepp – oder noch besser ein Pickup, auf dem wiederum ein Golfkart parkt. Man muss ja schließlich vor Ort mobil sein. Und mal eben frische Brötchen holen, scheidet mit dem Slideout-Monster definitiv aus. Hier in den USA passt das, denn hier ist Platz. In Europa würde die erste Ortsdurchfahrt mit Kreisverkehr das Gespann zum unfreiwilligen Dauercamper machen.

Wir haben im State Park noch gar nicht richtig eingeparkt, da kommt schon der erste Slide-out Commander im besten Ruhestandsalter zu uns geschlendert und stellt sich freundlich vor. In der Hand ein großes Glas Apfelsaft mit reichlich Eiswürfeln. Denn inzwischen scheint die Sonne wieder und es ist Mittag. Nachdem wir die Grundinfos ausgetauscht haben, kommt auch seine Gattin zu uns rüber, in der Hand einen XL-Apfelsaft mit XL-Portion Eiswürfeln. Etwas mitleidig fragen sie uns, ob unser kleines Fahrzeug denn gar keine Slideouts hätte, aber nachdem wir diese Hürde mit einer kleinen Mogführung gemeistert haben, und das „wie und warum“ unseres „Miniwohnraumes“ auf dicken Reifen erklärt haben, kommt auch noch das befreundete Pärchen unserer Nachbarn dazu. Es entwickelt sich ein sehr interessantes Gespräch über unsere gegenseitigen Ansichten von den USA und Europa.

Sie machen erst gar kein Geheimnis daraus, dass sie sich selbst als konservative Texaner einstufen. Und sie sorgen sich darüber, ob wir in Europa Obama als Schlappschwanz betrachten. Wir erwidern, dass wir ihn als guten Diplomaten mit Charisma, und im Vergleich zu George Dabbeljuh, als wenig aggressiv empfinden und sind uns plötzlich alle einig. Sie erzählen uns, dass sie auch schon mal Urlaub in Deutschland und Italien gemacht haben. Sogar eine Reise nach Russland haben sie unternommen, wofür sie extra etwas russisch gelernt haben. Das sei aber noch in den Zeiten des „guten“ Putin gewesen. Wir müssen eingestehen, dass wir selbst noch nicht dort waren, obwohl es für uns einiges näher wäre.

Wir erfahren auch viel über die Geschichte von Texas und dem Selbstverständnis vieler Texaner (eine der Damen ist pensionierte Lehrerin). So ist Texas z.B. der einzige Bundesstaat in den USA, der seine Flagge auf gleicher Höhe mit der Nationalflagge hissen darf, da Texas mal unabhängig war und sich eigentlich auch immer noch so fühlt. Uns kommt dabei unweigerlich Bayern in den Sinn. Und so fern ist der Vergleich gar nicht. Denn in den USA gibt es zwar keinen Länderfinanzausgleich, so wie in der Bundesrepublik, aber in Texas hat man Angst, dass die ärmeren Staaten den reichen Texanern irgendwann ans pralle Konto wollen, und dagegen wäre eine völlige Unabhängigkeit zur USA aus ihrer Sicht sehr hilfreich.

Wir bekommen von den erfahrenen Campern im Laufe des Gesprächs auch einige Reisetipps und Empfehlungen für Texas und je länger wir uns mit den beiden Renterpärchen unterhalten um so weniger konservativ erscheinen sie uns und wir werden uns immer sympathischer. Amerikaner, die Europa bereisen und sogar nach Russland fahren, um sich ein eigenes Bild zu machen, sind ganz sicher nicht nur erzkonservativ und vor allem eine Ausnahme. In den meisten Fällen bleibt der US-Bürger während seines Urlaubs im eigenen Land. Von der vielzitierten Oberflächlichkeit gibt es zumindest bei dieser Begegnung keine Spur. Die Direktheit, mit der Sie die Dinge beim Namen nennen, ihr ehrliches Interesse und ihre offene Kritik (auch am eigenen Land) überraschen uns eher.

Aber nun schnell zurück zu den Klischees. Da der Apfelsaft inzwischen ausgetrunken ist und die Eiswürfel im Glas klappern, werden wir zu einer kleinen Führung in ihre fahrenden Wohnhallen eingeladen. Juhu! Wir sind natürlich total neugierig.

Wie in allen Flughäfen, Restaurants oder Behörden, wird auch hier ein dicker Teppich als Bodenbelag bevorzugt. Eine amerikanische Eigenart, die uns schon seit Jahren auffällt. Ansonsten ist alles sehr rustikal, mit riesigen Sofas, Fernseher und Klimaanlage. Viel Platz, aber gar nicht so spektakulär, wie wir heimlich gehofft hatten.

Interessanter wird es, als sich beim nachfüllen des Apfelsaftes herausstellt, dass es sich in Wahrheit um Whiskey handelt. Standesgemäß aus der Camperfreundlichen 1.5L Plastikflasche. Wir staunen nicht schlecht und fühlen uns kurz an J.R Ewig erinnert, der sich und seinen Kollegen bei jedem Frühstücksmeeting erst mal einen Wachmacher genehmigte. Aber waschechte Texaner trinken das Zeug offensichtlich wie Apfelsaft, jedenfalls machten sie auf uns einen völlig nüchternen Eindruck. Und genauso nüchtern werden wir dann auch gefragt, ob wir auf unserem Weg ins gefährliche Mexiko wenigstens Waffen dabei hätten? Hier in Texas hätte jeder mindestens eine Pistole und ein Gewehr und auch jetzt seien sie selbstverständlich bewaffnet unterwegs. Wir versuchen zu erklären, dass in Deutschland Waffenbesitz für Normalbürger illegal sei und fragen vorsichtig, was er denn mit seiner Waffe ausrichten wolle, wenn jetzt ein bewaffneter Räuber aus dem Gebüsch gesprungen käme? „Shoot’em first!“ Das war nicht nur ein Spruch.

Zurück bleibt ein Gefühl, nach einer Begegnung mit wirklich offenen und angenehmen Menschen, das uns sagt, dass wir in vielen Dingen den Amerikanern ähnlich sind, aber eben nicht in allen. Und noch etwas fällt uns auf: wir empfinden uns selbst inzwischen oftmals als Europäer, und nicht nur als Deutsche. Ob das an der großen Distanz zur Heimat liegt oder daran, dass wir sehr viel in Europa gereist sind und uns an vielen Plätzen zu Hause gefühlt haben, ist für uns selbst noch unklar.

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Hola mit nassen Füssen

Wir biegen ab Richtung Südwesten. Big Bend heißt die große Empfehlung unserer texanischen Campernachbarn. Ein gigantischer National Park am Rio Grande, der Fluss, der die Grenze zwischen Texas und Mexiko bildet. Die ganze Region liegt auf einem Hochplateau auf ca. 1500m Höhe, das wie eine große Ausbuchtung nach Mexiko herein ragt und auf dem praktisch jeder zweite Western gedreht wurde.

Unterwegs machen wir Station in Fredericksberg. Eine von deutschen Einwanderern dominierte Ortschaft, mit Biergarten, deutschen Straßenschildern und vielen Touristen. Wir übernachten hinter der öffentlichen Bibliothek und haben ein tolles, ruhiges Plätzchen, mitten im Zentrum der Stadt. Aus Neugierde testen wir den deutschen Biergarten. (Zähes) Snitzel mit (ungenießbar saurem) Sauerkraut und importiertem Hofbräuhausbier. Würde man in einem bayerischen Biergarten dieses Essen servieren, würde man als Gastwirt geteert und gefedert… ok, wir sind wohl doch Deutsche… 🙂

Als wir am nächsten Tag Fredericksberg verlassen, fahren wir durch endlos weite Pfirsichplantagen. Alte, große Bäume, wunderschön, aber leider alle tot. Fast 100 Meilen fahren wir durch einen Geisterwald aus abgestorbenen Bäumen. Als wir näher hinsehen, fällt uns eine art Flechte auf, die offensichtlich alle Bäume befallen hat. Ob das der tatsächliche Grund für das Massensterben ist, können wir leider nicht in Erfahrung bringen.

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Zwischendurch ist an dieser Stelle vielleicht ein guter Moment mitzuteilen, dass der Zugang zu unserer interaktiven Karte mogreise lautet. Damit kann man uns weiterhin in Echtzeit folgen.

Auf dem Weg zum Rio Grande wird das Grün in der Landschaft wieder weniger. Mit dem Mog geht es auf das Hochplateau und wir fahren hunderte Meilen gerade aus, durch langweilige Wüste, mal mit Büschen mal ohne, mit Gras oder ohne. Als wir den Rio Grande erreichen, erwarten wir einen großen, wasserreichen Fluss, der die unüberwindbare Grenze zu Mexiko bilden soll. Oder aber eine aufwändig gesicherte Grenzanlage mit Zäunen und Wachen, die „illegale“ Einwanderer aus Mexiko abhalten sollen. Aber nichts von beidem ist der Fall. Da es seit drei Jahren nicht mehr geregnet hat, ist der Rio Grande nur noch ein Rinnsal Grande, durch das man bequem zu Fuß waten kann und dabei nicht mal nasse Hosenbeine bekommt. Es gibt aber auch keinen Zaun oder sonstige Sicherungsanlagen welche die „amerikanische Freiheit“ beschützen sollen – nichts. Man könnte scheinbar ungesehen, als Fußgänger einfach über die Grenze schlendern und dem Mexikaner mit nassen Füßen „Hallo“ oder besser „Hola“ sagen. Das trauen wir uns dann aber doch nicht.

Wir wundern uns kurz über diese scheinbar lockere Haltung der Amis, aber wenn man sich einmal im Kreis dreht und dabei den Horizont betrachtet, wird schnell klar, warum die Grenze so ungesichert ist: auf amerikanischer Seite sind es in alle Richtungen hunderte Meilen bis zur nächsten kleineren Ortschaft – die gesamte Region ist völlig verlassen und besteht ausschließlich aus meist flacher Wüste, brütend heiß, kein Wasser. Wer hier versucht, ausgestattet mit ein paar Litern Wasser und etwas Nahrung, die Grenze nach Amerika zu Fuß zu überqueren, ist verloren. Ohne Hilfe mit einem PKW auf amerikanischer Seite, ist hier ein Grenzübertritt hoffnungslos. Aus diesem Grund beschränkt sich die Borderpatrol der USA wohl auf die Kontrolle von Fahrzeugen, die dieses riesige Gebiet über die wenigen Strassen verlassen wollen.

So lebensfeindlich wie diese Landschaft ist, so schön ist sie auch. Hier wachsen bereits die ersten Kakteen und das Panorama ist spektakulär. Wir machen einen Ausflug in einen alten Vulkankrater auf 2000m Höhe, der einen fantastischen Ausblick durch das „Window“ erlaubt, eine Felsschlucht, die wie ein großes Fenster den Blick über den Horizont einrahmt. Von verschiedenen Leuten werden wir angesprochen, dass ein baugleiches Fahrzeug wie unser Mog, hier in der Gegend unterwegs sein soll, aber jedes mal verpassen wir es knapp. Auf einem kleinen Campground am Kraterrand machen wir uns noch mal auf die Suche und finden einen umgebauten MAN, mit emsländischen Kennzeichen. Wir nehmen an, dass es sich um dieses Fahrzeug handeln soll, aber im Gespräch mit den Besitzern stellt sich heraus, dass der andere Mog gerade vor uns wieder den Platz verlassen hat. Von den Emsländern bekommen wir noch ein paar gute Tipps für die Weiterreise, dann machen wir uns zum Tagesabschluß auf den Weg zu den heißen Quellen des Rio Grande. Und da steht er dann plötzlich, der andere Mog. Ein 1300er mit San-Kabine und Dacherhöhung. Ein Kanadier und seine polnische Frau haben ihn in Deutschland gekauft und fahren damit im Süden der USA herum. Sie lassen den Mog vorübergehend hier stehen und fliegen zurück nach Kanada. Wenn sie wieder Urlaub haben, geht die Tour einfach weiter. Am Fahrzeug sind immer noch die deutschen Zollkennzeichen montiert.

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Killer Kaninchen

Wir haben uns, auf Empfehlung der Emsländer, dazu entschieden die Grenze zu Mexiko am winzigen Grenzübergang „Sonoyta“ zu überqueren. Da sich dort praktisch Klapperschlange und Stinktier gute Nacht sagen, soll der Grenzübertritt hier sehr entspannt von Statten gehen. Unterwegs machen wir noch in Tucson halt. Dort gibt es das „Desert Museum“ Ein beeindruckender Zoo, der in die Landschaft integriert wurde und die Tiere und Pflanzen in ihrer natürlichen Umgebung zeigt, inklusive großer, begehbarer Vogelvolieren in denen wir Kolibris aus nächster Nähe beim Brüten und Nektartrinken beobachten können. Das Desert Museum gilt als einer der schönsten Zoo´s der Welt. Zu Recht, wie wir finden.

Auf dem Weg dorthin steht noch Cattleman´s Ranch auf unserem Plan, da gibt’s angeblich das beste Steak in Texas. Eine kleine Ranch mit Restaurant und Streichelzoo im absoluten Nirgendwo, der Ort hat unzähligen Filmen als Kulisse gedient, unter anderem auch in Emmerichs „Independence Day“. Das Steak ist in der Tat absolute Spitze, aber ob es das beste in Texas ist, können wir nicht beurteilen, da es das Einzige war. Noch viel mehr als das Steak, haben uns allerdings die höchst gefährlichen Killerkaninchen des Streichelzoos beeindruckt. Hierbei muss es sich wohl um die mörderische Kaninchenart aus Monty Phyton´s „Ritter der Kokosnuss“ handeln, die innerhalb von Sekunden mehrere Menschleben auslöschen kann… anders lassen sich die Warnschilder am Kaninchenstall mit ca. 20 Killerkaninchen jedenfalls kaum deuten… Auf dem Bild erkennt man, wie sie gerade eine unvorsichtige Passantin verspeisen. Wir wagen es trotzdem, streicheln einige der Tiere und überleben nur knapp.

Mit diesen Eindrücken verlassen wir das überraschend schöne, abwechslungsreiche und vermögende Texas, weiter Richtung Westen und uns haut es die Plomben aus den Zähnen, als der teure, texanische Asphalt exakt auf Höhe der Staatsgrenze abrupt endet und wir von New Mexiko, einem offensichtlich weniger begüterten Bundesstaat, mit einem fetten Schlagloch, quer über den gesamten Highway und löchrigem Asphalt, begrüßt werden. Die letzte Nacht in den USA verbringen wir zwischen riesigen Kakteen, direkt an der Grenze zu Mexiko. Und so sind es am nächsten Morgen nur ein paar Minuten zur Grenzstation. Der Grenzübertritt nach Mexiko, in dem winzigen Ort Sonoyta, erweist sich tatsächlich als eine Angelegenheit von ein paar Minuten. Alles ist ausgestorben und wir sind das einzige Fahrzeug, das nach Mexiko einreisen möchte. Eine flüchtige Kontrolle des Mogs, ein bisschen Papierkram, ein paar Euro Gebühr und gegenseitige Andenkenfotos, das war’s.

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Endzeitstimmung

Wir fahren auf mexikanischer Seite parallel zur Grenze, bis wir die Baja California erreichen und biegen dann an der Ostseite Richtung Süden ab. Da wir das Grenzgebiet möglichst schnell verlassen möchten und es in dieser Gegend keine Campgrounds gibt, wird es eine lange Tagesetappe. Wir möchten nicht gleich am ersten Tag wild, im Grenzgebiet eines uns unbekannten Landes, irgendwo am Straßenrand übernachten. Uns fehlt noch jedes Gefühl für Land und Leute und unzählige Warnungen vor der Grenzregion sitzen uns im Nacken.

Es dauert nicht lange und wir kommen in die erste Militärkontrolle. Die Strasse ist komplett gesperrt und jedes Fahrzeug muss erst mal anhalten. Während manche einheimischen Fahrzeuge einfach durchgewunken werden, sind wir jedes Mal dran. An diesem Tag sind es vier Militärkontrollen, bei allen wird der Mog ausgiebig von innen inspiziert. Und obwohl wir gut sichtbar riesige Stauraumklappen am Heck haben, hinter denen wir problemlos eine vierköpfige Familie verstecken könnten, wird lediglich der Wohnraum inspiziert. Dort aber wird bei jeder Kontrolle gewissenhaft unsere 12mm dünne Badezimmertür auf versteckte Hohlräume abgeklopft… uns drängt sich der Gedanke auf, dass wir offensichtlich eine willkommene Abwechslung sind und mehr aus Neugierde, als aus Misstrauen kontrolliert werden. Aber alle Kontrollen verlaufen total freundlich und korrekt. Wir werden nach unserer Route gefragt und jedes Mal mit Handschlag im Land willkommen geheißen. Dass wir keine Amerikaner sind, scheint uns nach einiger Zeit ein Vorteil. Und auch der Unimog wirft in Mexiko nicht mehr die große Frage: „wahtthefuckinghellisit?“ auf, sondern der Einsatzzweck ist hier jedem sofort klar: schlechte oder gar ohne Strassen fahren und drin wohnen.

Die Baja California, die ja eigentlich bei den amerikanischen „Winterbirds“ sehr beliebt sein soll, ist erschreckend ausgestorben. Ganze Ortschaften, Campingplätze und selbst Häfen sind verfallen und aufgegeben, als sei in den letzten Jahren irgendetwas passiert. Unheimlich. Ortschaften, die selbst in groben Landkarten eingetragen sind, entpuppen sich als eine einzelne Wellblechbude an einer Straßenkreuzung. Keine Möglichkeit irgendwo stehen zu bleiben. Erst in San Felipe gibt es überhaupt etwas Leben und so finden wir sprichwörtlich mit den letzten Sonnenstrahlen des Tages und auf den allerletzten Drücker noch einen Campground in der Stadt, der nicht verlassen ist und wo wir unsere erste Nacht in Mexiko verbringen können. Wir stehen direkt am Wasser und der Platz ist richtig nett, damit haben wir gar nicht mehr gerechnet.

Am nächsten Tag ergeht es uns schlechter: hunderte Kilometer Wüste, nur verlassene Ortschaften und verfallene Hotels, die nie richtig eröffnet haben. Mehrere Militärkontrollen und keine Chance irgendwo zu bleiben. Als der Abend anbricht, sind wir gezwungen am Straßenrand zu campieren. Wir fahren ein Stück in die Wüste und stellen uns hinter einen Hügel. Das war eigentlich nicht unser Plan, dennoch wir fühlen uns nicht unsicher.

Am nächsten Tag kreuzen wir die Baja und versuchen unser Glück an der Westseite. Aber auch dort die gleiche Endzeitstimmung. Erst auf der Höhe von Guyamas ändert sich die Lage und die Gegend wird belebter, die Dörfer sind auch als solche zu bezeichnen und sogar ein paar Touristen (hauptsächlich Mexikaner) sind an den zugänglicheren Stränden unterwegs. Wir fahren viel Sandpiste und Gelände und kommen an traumhafte Strände. Manchmal schaffen wir an einem Tag, auf übelster Wellblechpiste, nur 60km. Wir Campieren immer wild, direkt am Wasser, grillen und liegen in der Sonne und haben den Strand fast für uns alleine. Die nächsten Tage tingeln wir so von Traumstrand zu Traumstrand und machen etwas Urlaub von der letzten Zeit, in der wir zuviel fahren mussten.

 

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Deutscher Depp

Nach ein paar Tagen erreichen wir die größte Stadt auf der Baja California: La Paz. Von hier geht die Autofähre auf das Festland. Uns gefällt es aber so gut, dass wir erst mal bleiben. Es tut gut, endlich mal wieder in einer belebten Stadt unterwegs zu sein. Mexiko gefällt uns immer besser, die Menschen sind ausnahmslos gastfreundlich und nett, wir fühlen uns bisher überall willkommen und sicher.

Unsere unangenehmste Begegnung ist ausgerechnet mit einem Deutschen, den wir mit seinem Iveco Wohnmobil in La Paz treffen. Er ist schon seit zwei Jahren in der Stadt und lebt im Auto. Bei seiner Abfahrt in Europa hat er aber zu unserem Leidwesen offensichtlich sämtliche Sozialkompetenzen zu Hause gelassen, falls er denn jemals welche hatte. Wir hören uns den halben Abend an, wie mies wir sind (Wir sind aus Berlin, nicht aus Franken, wie er. Wir bestellen das falsche Essen, fahren das falsche Auto, nehmen die falsche Route, trinken das falsche Bier, usw. )Wir merken schnell, dass er eigentlich Saufkumpanen sucht, um sich aus Frust die Kante zu geben. Um ihn wieder los zu werden, müssen wir regelrecht unhöflich werden. Dabei haben wir ihn gar nicht eingeladen, sondern er setzt sich einfach Gruß- und Kommentarlos zu uns an den Tisch (während wir essen), bestellt sich eine Margarita und aus seinen viel zu lauten Erzählungen reimen wir uns zusammen, dass seine Frau einen Vollhorst wie ihn nicht mehr ertragen konnte, ihn deshalb hochkant aus dem Haus geworfen und zum Teufel gewünscht hat, dass seine Frau zu Hause in Europa ist, ihn aber aus völlig unerfindlichen Gründen leider nie hier, im dem von ihm auserwählten Tequila-Paradies, besuchen kommt.

Nachdem wir das überstanden haben, fahren wir die nächsten Tage um die Südspitze der Baja und finden unzählige, wunderschöne Strände. Es ist die Woche vor Ostern, in der die Mexikaner selbst Urlaub machen. Entsprechend viel Trubel ist überall. Aus diesem Grund bekommen wir auch am Donnerstag vor Karfreitag nur mit viel Mühe noch einen Not-Platz auf der Fähre zum Festland. 18 Stunden Überfahrt, ohne Kabine ohne Zugang zum Fahrzeug und ohne Anspruch auf einen Sitzplatz! Als wir den Kahn im Hafen sehen, wird uns etwas mulmig.

An Board treffen wir in der Schiffskantine eine Gruppe von 40 Holländern, die als organisierte Motorrad/PKW-Tour von New York nach Rio fahren, um dort das Länderspiel Holland gegen Spanien als Abschluss zu besuchen. Als wir das Tourbuch sehen, staunen wir nicht schlecht: durchweg Tagesetappen von 350-600km, kaum Ruhetage und das mit dem Motorrad bei 35° Grad. Und wir dachten, wir würden viel fahren… Der älteste Teilnehmer ist 74 Jahre alt, der jüngste 21. Die Truppe macht die komplette Tour in weniger als drei Monaten und jeder Teilnehmer blättert dafür immerhin über 20.000€ hin – um mit dem eigenen Fahrzeug mitzufahren und ohne Verpflegung! Es wird ein lustiger Abend mit Dosenbier und wir erfahren vieles über die unterschiedlichsten Beweggründe der einzelnen Teilnehmer, bei dieser Tour mitzumachen. In der Nacht finden wir mit Glück noch eine Ecke, in der wir schlafen können. Die See ist ruhig und so kommen wir halbwegs ausgeruht am nächsten Morgen in Mazatlan an.

Einige Kilometer weiter finden wir in Chacala eine schöne Bucht und campieren direkt am Wasser, zwischen unzähligen, mexikanischen Großfamilien, die in zeltstadtartigen Lagern hier ihre Osterferien verbringen. Die Stimmung ist wunderbar, wir freunden uns mit unseren Nachbarn an (ein mexikanischer Offroadclub aus Monterrey) und bekommen einen Einblick in das mexikanische Camping und Familienleben. Die Lebensfreude, das Familienleben, kochen und essen den ganzen Tag, der Humor und der riesige Aufwand für ein paar Tage am Strand – alles das erinnert uns stark an Italien – und ist uns im höchsten Maße symphatisch. Mexiko gefällt uns jeden Tag besser, auch wenn die Sicherheit durchaus mal ein Problem sein kann. Wir hatten zwar bisher zu keinem Zeitpunkt ein ungutes Gefühl oder Probleme, wurden aber auch von Mexikanern gewarnt und vom Offroadclub haben wir als Abschiedsgeschenk eine Dose Pfefferspray bekommen, die sie zu ihrem eigenen Schutz dabei hatten. Selbst in kleinen Supermärkten stehen mancherorts Polizisten mit automatischen Waffen neben der Kasse und überall ist schwer bewaffnetes Militär oder Polizei präsent.

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Mumifizierter Mog

Bevor wir weiter die Festlandküste auf den Weg Richtung Süden abgrasen, fahren wir ins Landesinnere nach Guanajuato. Diese kleine Stadt in den Bergen ist wegen ihrer alten Silberminen und ihrer Architektur ein Unesco Weltkulturerbe und ausserdem soll es ein Musem mit mumifizierten Leichen geben. Man brauchte Platz für neue Gräber und da hat man den alten Friedhof umgegraben, um Raum zu schaffen. Dabei stellte man überrascht fest, dass die uralten Leichen nicht verschwunden, sondern ganz hervorragend mumifiziert waren. Und da sie nun irgendwie im Weg herumstanden und keiner so recht wusste, wohin mit den Alten, hat man sie in ein Museum gepackt, wo sie nun begutachtet werden können.

Das alles wollen wir uns natürlich nicht entgehen lassen und machen uns auf den Weg. Ein großer Fehler. Denn um Haaresbreite wären ebenso mumifiziert in den Katakomben der Stadt geendet, wie die Ahnen der Guanajuatolesen:

Der Ort liegt auf ca. 2000m Höhe in einem Bergkessel. An den Hängen liegen die bunten Häuser und unten in den Kessel führt die relativ breite Mex 100 direkt in das Zentrum hinein. In unserem Reiseführer wird die Durchfahrt über die Hauptstrasse beschrieben, wie eine ganz normale Hauptstrasse eben so ist und auch bei der Einfahrt in den Ort gibt es keinerlei Hinweisschilder oder Warnungen, welche die Einfahrtsgröße für Fahrzeuge begrenzen oder sonst wie auf das hinweisen, was einen dort erwartet.

Zuerst führt die Hauptstrasse ganz normal in den Ort und wir halten sofort Ausschau nach einer Parkmöglichkeit, um den Rest zu Fuß zu erkunden. Bevor wir überhaupt reagieren können, führt die Hauptstrasse zwischen den Häusern plötzlich in den Boden hinein, in einem winzigen Tunnel – natürlich eine schmale Einbahnstrasse zwischen Häuserschluchten – keine Chance zu wenden, hinter uns Verkehr ohne Ende, zu unserer Erleichterung auch einheimische Busse. Ok, also nur ein kurzer Tunnel, das passt schon, schnell durch und dann ist alles wieder gut – denken wir. Aber nö.

Wir befinden uns nun einem verzweigten Tunnelsystem aus Kreuzungen, Einbahnstrassen, Abzweigungen, usw., das die gesamte Stadt durchzieht – kein Tageslicht und keine Höhenangaben. Zum Teil sind die Tunnel einfach grob in den Fels geschlagen, zum Teil echt hübsch, aber verdammt eng gemauert. Die Busse hinter uns sind leider einheimische Stadtbusse und nicht zufällig einen halben Meter niedriger, als unser Mog. Je weiter wir ins Elend fahren (müssen!), um so enger und unübersichtlicher wird es. Wir sind ratlos, denn wir sind der Hauptstrasse in den Ort gefolgt, es gab nur diese eine Möglichkeit… Nun geht es unterirdisch steil bergauf, dann wieder Streckenweise bergab, überall kleine Tunnelkreuzungen und die Einheimischen flitzen mit ihren Autos kreuz und quer durch das Tunnelsystem. Wir passen gerade so durch, aber nur im Schritttempo und hinter uns bildet sich ein Stau. Die unzähligen Abzweigungen haben zum Teil nur Platz für einen Kleinwagen. Irgendwann ist Schluss. Auf einer unterirdischen Kreuzung bleiben wir verzweifelt stehen, und trauen uns nicht in eines der winzigen Löcher abzubiegen, die irgendwo bergauf in den Fels führen, es ist kein Licht am Ende der Röhren zu sehen und alle sind zu klein für den Mog. Wir sind hunderte Meter weit in dieser Hölle und ein Zurück gibt es nicht, weiter geht es aber auch nicht. Es herrscht chaotischer Verkehr in den winzigen Tunneln, wir stehen zum Glück an einer unterirdischen Bushaltestelle (!), so dass andere Fahrzeuge und die Stadtbusse haarscharf vorbei kommen.Umringt von neugierigen Fahrgästen und Fußgängern, die uns natürlich alle nicht weiterhelfen können, fragen wir mehrere Busfahrer, welcher Minitunnel der passende für uns sein könnte? Wir entscheiden dann nach Statistik: zwei sagen nach links, einer nach rechts und einer sagt, wir passen nirgends durch. Also links. Mit Herzklopfen zwängen wir uns durch das Moggroße Loch und nach ein paar Kurven sehen wir endlich wieder Tageslicht. Wir kommen irgendwo an einem der Hänge, in einem der winzigen Zentren des Ortes heraus, durch das sich der Mog wie ein fahrender Turm quetscht und die Fußgänger in die Hauseingänge springen lässt. Diese machen dabei ein Gesicht, als sei es das normalste der Welt, dass gerade ein Öltanker durch ihren Vorgarten schrammt. Wir haben schon Hoffnung, dass wir es nun überstanden haben, aber nein, die Einbahnstrasse führt direkt wieder in den Berg, hinein, in das nächste Loch mit ungewissem Inhalt. Keine Chance zu entkommen Drinnen dann das gleiche Spiel: winzige Tunnel, die wir gerade so in der Mitte befahren können, bergauf, bergab, links und rechts kein Meter Platz, kein Licht, keine Luft und unzählige immer kleiner werdende Abzweigungen. Der absolute Albtraum. Irgendwann treffen wir auf einen der flachen Stadtbusse und beschließen, wo der durch passt, kommen wir ab jetzt auch durch und fahren ihm einfach immer hinterher.

Nach insgesamt rund einer Stunde unter Tage, erreichen wir schweißgebadet und unbeschadet, endlich wieder den Ausgangspunkt unserer Tunneltour. Zu unserem Schrecken aber leider ca. 400m (!) höher in den Bergen, inmitten eines weiteren, winzigen Zentrums der Stadt. Auf einem Parkplatz vor uns entdecken wir einige große Reisebusse und das ist für uns endlich das erlösende Zeichen der Freiheit: wo die durch passen, kommen wir schon lange hin, es muss also von hier einen passenden Weg nach draußen geben und so entschließen wir uns den Mog abzustellen, und die Nacht auf diesem Parkplatz zu verbringen. Für diese Horrorfahrt werden wir mit dem besten Panorama vor dem Mogbett entschädigt, das man hier nur haben kann.

Wir verbringen einen schönen Abend in dieser sehenswerten Stadt, Grüßen unsere mumifizierten Kollegen hinter Glas und ziehen durch das bunte Nachtleben, die wunderschönen Plätze, Restaurants und Bars.

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Pause

Die nächsten Tage führt uns der Weg (ohne Tunnel) zuerst hinaus aus Guanajuato und dann weiter, zurück an die Küste bis nach Acapulco. Wir finden einen kleinen Campingplatz auf einer 17km langen Sandbank vor der Stadt und stehen nur ein paar Meter vom Wasser entfernt. Eine Brandung, wie wir sie beide noch nicht erlebt haben schlägt direkt vor uns ein und die Luft ist durchsetzt mit Salzwasser. Der Einschlag der meterhohen Wellen in die wabbelige Sandbank ist so stark, dass bei jedem Brecher der Mog wackelt! Leider haben wir keinen brauchbaren Weg gefunden um die Größenrelationen der Brandung vernünftig ins Bild zu bekommen. (uns dabei in Lebensgefahr zu bringen). Aber diesem brachialen Naturschauspiel gucken wir jetzt erst mal ein paar Tage zu, bevor wir uns dann auf den Weg zur Halbinsel Yucatan machen…

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Halifax/Kanada bis Mississippi/USA 16. März 2014

Filed under: Allgemein — tichyx @ 01:13

Nachdem wir entspannt in Halifax gelandet sind und uns im Hotel an der Waterfront, gleich in der Nähe des Hafens einquartiert haben, checken wir im Internet per Tracking die Route des Schiffes, auf dem der Mog unterwegs ist. Die ersten zwei Tage sieht alles ganz normal aus: das Schiff legt in Liverpool ab und verschwindet dann hinter Irland irgendwo auf dem Atlantik… Wir vertreiben uns inzwischen die Zeit und erkunden die nähere Umgebung. Gleich neben dem Hotel gibt es den „Farmers Market“ und als wir die Hallen betreten, haben wir plötzlich das Gefühl, wieder zurück in Berlin am Kollwitzplatz zu sein. Das gesamte Lebensmittelangebot ist „Organic“, alle Menschen  auf gewohnte Art hip, haben bunte Kinder und große Brillen. Alles ist sehr europäisch, fast Skandinavisch und an Freundlichkeit kaum zu überbieten (O.k., also doch nicht ganz wie in Berlin).

Auch der kanadische Autofahrer entpuppt sich schnell als eine der selbstlosesten Spezies, die uns bisher über den Weg gefahren ist. Bleibt man als Fußgänger irgendwo an einer Strasse stehen – egal ob 4-spurig Downtown im stressigen Berufsverkehr oder auf freier Strecke  – und guckt man nur eine Sekunde schief in Richtung der anderen Strassenseite, bleiben alle Fahrzeuge schlagartig stehen. LKW, PKW Bus, alle –  und zwar sofort. Der gesamte Verkehr kommt zum erliegen und dann steht man da, beobachtet von lauter wartenden Autofahrern, obwohl man gar nicht rüber wollte. Um nicht 20 mal am Tag ungewollt die Strassenseite wechseln zu müssen, werden wir etwas vorsichtiger mit unseren Faxen am Strassenrand…

 

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Unser Mog auf den Spuren der Titanic

Nachdem wir Halifax ausgiebig beguckt haben, checken wir wieder das Tracking unseres Schiffes und machen eine beunruhigende Entdeckung. Das Schiff kreuzt im Zickzackkurs wieder vor der britischen Küste. Ein Anruf bei der Agentur bestätigt unsere Beführchtungen: das Schiff hat technische Probleme und ist auf halber Strecke umgekehrt. Wir sollen mit etwa 10 Tagen Verspätung rechnen. Die anschließende Recherche zum ACL Seelenverkäufer Atlantic Cartier entlockt uns noch ein kurzes, verzweifeltes Lachen, aber da wir sowieso nichts an der Situation ändern können, setzen wir uns bei -15°C in unseren Mietwagen und erkunden die nächsten Tage Nova Scotia. Wir fahren nach Norden zum Cap Breton und dort den Cabot Trail in einem wunderschönen Nationalpark an der Küste mit unberührter Natur. Wir quartieren uns in skurilen und entlegenen Hotels ein, wo wir zu der Jahreszeit die einzigen Gäste sind. Und wir vertreiben uns die Zeit mit… dem kältesten und längsten Winter seit Jahren in dieser Region.

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Von Hambug nach Halifax sind es exakt 3100 Meter.

Am Tag der Ankunft unseres Schiffes fahren wir auf gut Glück zum Hafen in Halifax, in der Hoffnung, dass wir den Mog vielleicht irgendwo stehen sehen – und wie es der Zufall will, kommen wir genau in dem Moment an, als er durch die riesige Ladebordwand des Schiffes gefahren wird. Nur 100m von uns entfernt, getrennt durch einem Zaun, wird er geparkt und wir können sogar beobachten, wie der Fahrer noch mal alles kontrolliert und ihn dann ordentlich abschließt. Aus der Distanz sieht alles heil aus und wir können es nun kaum noch erwarten. Das Zeitfenster zur Abholung am nächsten Tag ist denkbar knapp. Bis 12:00 Uhr muss das Auto vom Hafengelände sein. Wir checken also um 8:00 Uhr aus dem Hotel aus und klopfen um 8:29 Uhr bei der Spedition an, die um 8:30 Uhr öffnet. Dort lässt man uns bis 10:45 Uhr warten, bis die Papiere endlich fertig sind. Zum Hafen sind es rund 15 Minuten mit dem Taxi, vorher aber müssen wir noch zum Zoll. Angeblich dauert das nur 10 Minuten, also kein Problem, nix wie hin. Nach 5 Minuten Fussweg stehen wir vor der angegeben Adresse: ein Bauzaun. Eine Truppe kanadischer Bauarbeiter ist gerade dabei, mit schwerem Gerät, das Zollgebäude ABZUREIßEN. Nicht wahr? Doch! Also Telefon raus, Spedition anrufen, neue Hausnummer bekommen. 20 Minuten gebraucht, um festzustellen, dass es diese Hausnummer gar nicht gibt. Concierge in irgendeinem Hotel nebenan gefragt – nur verwirrende Auskünfte bekommen – inzwischen ist es 11:10 Uhr. Noch mal bei der Spedition anrufen, noch mal andere Hausnummer bekommen. Es ist das Gebäude genau neben dem Abbruchhaus, kein Schild, kein Hinweis, nix – da ist jetzt vorübergehend der Zoll drin. Schnell rein, Papierkram erledigen, alle Fragen nach Waffen, terroristischen Absichten und sonstigem Blödsinn freundlich aber leicht hektisch mit „Nein“ beantworten und fertig. Den verwirrten Concierge ein Taxi rufen lassen und dann zum Hafen heizen, mit einem indischen Taxifahrer der den übelsten Mundgeruch von Nordamerika hat, aber gerne laute Geschichten nach hinten zur Rückbank spuckt. Um 11:40 Uhr im Hafen aus dem Taxi stolpern und wieder einatmen, knapp aber geschafft! Noch 20 Minunten! Ins Hafenbüro hetzen und auf unsere Anfrage, ob wir bitte unser gelbes Wohnmobil da hinten abholen können, die Antwort bekommen, die man nicht hören will: „Nö, zu spät, es ist schon geschlossen.“ Wuahhh, was? Es sind doch noch 19 Minuten! Wir reden mit Engelszungen auf den Menschen ein, bis er endlich das Telefon bemüht und nachfragt: ok, na gut geht doch noch. Ein paar Unterschriften später und nachdem wir den Mog inspiziert und als unbeschädigt bestätigt haben, können wir dann endlich auf eigenen 4 Rädern losfahren. Der Tacho des Mogs zeigt exakt 3100 Meter mehr an, als zum Zeitpunkt der Abgabe im Hamburger Hafen. Weder in Hamburg noch in Kanada wurde der Innenraum des Fahrzeugs kontrolliert. Laut unserer Agentur hätten wir auf kanadischer Seite, an den verschiedenen Stationen insgesamt 350$ Gebühren bezahlen müssen. Wir haben aber bisher nur 100$ bezahlt und sitzen bereits im Mog. Wir entscheiden uns, ähm…“irgendwann später“ mal nachzufragen, welcher Behörde wir noch was schuldig sind…  😉

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Da muss was faul sein

Nachdem wir unsere Sachen verstaut und den Mog reisefertig gemacht haben, verabschieden wir uns nun nicht nur von Nova Scotia, sondern auch vom „schönen“ Wetter. Die letzten zwei Wochen war es zwar extrem kalt, aber der Himmel war blau und die Sonne schien. Damit ist es während der ersten Nacht im Mog vorbei. Die Temperatur steigt in den Plusbereich und es schüttet. Als wir am nächsten Morgen losfahren, fällt das Thermometer wieder schlagartig unter Null und der Regen der Nacht gefriert zu Blitzeis. Alle Strassen sind mit einer geschlossen Eisschicht bedeckt und wir mitten auf dem Highway. Im Schneckentempo und mit Allrad geht es auf den nächsten Parkplatz, um erst mal den Wetterbericht zu checken. Laufen ist auf der Strasse nicht mehr möglich! Die einheimischen LKW interessiert das allerdings wenig, sie donnern mit 110 Km/h den Highway entlang, als wäre nichts… Da keine Wetterbesserung in Aussicht ist, trauen auch wir uns langsam wieder zurück auf die Strasse und zockeln erst über Eis und später dann über eine geschlossene Schneedecke weiter, denn inzwischen schneit es. Je weiter wir kommen, um so schlimmer wird das Wetter. In Moncton wachsen die Schneeberge am Strassenrand auf mehrere Meter Höhe an und wir suchen Schutz für die Nacht im Windschatten eines Supermarktes, um nicht völlig einzuschneien. Auf dem Rückweg von einem (sehr) kurzen Abendspaziergang, entdecken wir dann aus der Distanz eine Truppe Polizisten, die misstrauisch um unser Fahrzeug schleichen. Mit jedem Schritt den wir näher kommen, werden es mehr Polizisten. Und als wir endlich bei ihnen eintreffen, ist die halbe Polizeimannschaft Monctons um unseren Mog versammelt, die mit Taschenlampen und Einsatzfahrzeugen den „Einsatzort“ sichert. Wir geben uns sofort als die Besitzer zu erkennen und dürfen dann auch schnell die logische Schlußfolgerungskette der kanadischen Polizei erfahren: 1. Die Nummernschilder sehen komisch aus. 2. Das ganze Auto sieht komisch aus. 3. Auf dem Auto steht „Germany“. 4. Von Germany kann man nicht mit dem Auto nach Kanada fahren. 5. Es muss also etwas faul sein! Nachdem wir die freundliche Truppe um 6. Wir sind aber mit dem Schiff gekommen – bereichert haben, entspannt sich die Lage und endet mit neugierigen Fragen, Mogwohnraumbesichtigung und guten Wünschen für eine sichere Reise.

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Da wir von der Kälte langsam die Schnauze voll haben und endlich Frühling wollen, ziehen wir die nächsten Tage flott Richtung Süden weiter. Der Grenzübergang in die USA ist kein Problem und so pendelt es sich ein, dass wir etwa um 10 Uhr morgens losfahren, gegen Mittag irgendwo einkaufen gehen oder eine kleine Wanderung unternehmen und dann gegen 16 -17 Uhr irgendwo für die Nacht stehen bleiben. Das Wetter bessert sich leider kaum, so dass wir selten Lust haben irgendwo länger stehen zu bleiben oder ausgiebige Stadtbesichtigungen zu machen. Aber das Fahren mit dem Mog in den USA ist für uns extrem enstpannt, da wir mit unserer gewohnten Reisegeschwindigkeit von ca. 90 km/h die Langsamsten sind! LKW dürfen hier 110km/h fahren und so können wir die SCC (Suicide Cruise Control – Mogfahrer wissen, was das ist) einlegen und stundenlang ohne Gas oder Bremse zu berühren mit 2000U/min dahintuckern und durch die Fenster in die Kälte glotzen. Positiv überrascht sind wir auch vom Spritverbrauch. Obwohl der Mog vor der Abreise noch mal eine Leistungssteigerung von 40 PS auf 280PS bekommen hat und voll bepackt für ein Jahr so schwer ist, wie noch nie, liegt unser Durchschnittsverbrauch für die letzten 4000km nur bei 19 Litern. Wir haben mit deutlich über 20 Litern gerechnet.

 

What the hell is it??“

Das allgemeine Thema Nr. 1 in den USA: der kälteste und längste Winter seit Jahrzehnten, wird nun von einer anderen, offensichtlich noch spektakuläreren Angelegenheit aus den Gesprächen der Menschen verdrängt: der MOG. Jeder, aber wirklich JEDER spricht uns an, fotografiert das Auto und behauptet das Fahrzeug aus der Sendung „Monster R.V´s“ auf Discoverychannel zu kennen – Widerspruch ist zwecklos. Ein Boxenstop um einen Donut zu kaufen oder das Öl zu checken ist nur zu zweit möglich: einer checkt das Auto der andere schirmt ihn ab und beantwortet die Fragen. Irgend etwas am Mog trifft offensichtlich einen Nerv bei den Amis – egal ob Mann oder Frau: sie sind absolut aus dem Häuschen! Manche kriegen sich gar nicht mehr ein und fahren uns hinterher, verursachen Staus oder filmen uns, während sie uns mit der anderen Hand am Steuer überholen. Fazit: Mercedes hat hier ganz offensichtlich einen großen Markt für den Unimog verpasst… Und während man uns in Europa skeptisch beäugt und fragt, wo wir denn damit wohl hin reisen wollen, lautet hier die erste Frage immer: „What the hell is it??“ Da man in diesem Land selbst Friedhöfe mit dem PKW befahren und drive thru Hochzeiten feiern kann, ist hier Offroad und Geländetauglichkeit bei einem Wohnmobil völlig unbekannt. Hier die Top 5 Zitate, beim Anblick unseres Mogs:

5. Oh, look at this, it´s a Transfomer!

4. This car looks like a Hummer on steroids.

3. Is this a pet-transporter?   (Nein, wir wissen auch nicht, wie man ausgerechnet darauf kommen kann)

2. Is this a tank? How did you bring it here, does it swim?

Bemerkenswert ist auch, dass die Fragen nach der urbanen Umgebung und den Lebensumständen der Bevökerung variieren. In den Vororten von Memphis zum Beispiel, in denen eine extrem hohe Kriminalitätsrate herrscht, lautete die erste Frage einer Gruppe zwielichtiger Gestalten:

1. „How fast does it go and is it bulletproof?“

YES! 🙂

Ganz egal wo wir bisher unser Lager aufgeschlagen haben oder herumgekurvt sind – wir sind ausschließlich netten und aufgeschlossenen Menschen begegnet, die uns alle herzlich empfangen haben und uns zum Abschied eine angenehme Reise gewünscht haben! Die Amerikaner sind absolut begeisterungsfähig und zeigen das auch, eine durchweg positive Eigenschaft, die uns sehr leicht mit den Menschen in Kontakt kommen lässt.

 

 

Endlich zu warm angezogen

Nach 7 Tagen fahrt, bei Frost, Nebel und Schnee erreichen wir hinter Boston die Appalachen, ein Gebirge, das an der Ostküste entlang von Kanada bis in den Süden der USA verläuft. Die Fahrt in den Bergen geht nur mühsam voran, da neben dem Schnee nun auch noch extremer Nebel dazu kommt. Und als wir schon glauben, dass wir unsere Fahrt wegen zu geringer Sicht besser unterbrechen sollten, reißt der Nebel plötzlich auf, der Schnee verschwindet und die Temperaturen steigen um 20 (!) Grad an. Innerhalb von 2 Stunden sind wir vom tiefsten Winter in eine völlig andere Landschaft, mit fast sommerlichen Temperaturen gefahren. Die Gebirgskette bildet eine natürliche Wettergrenze, die wir nun passiert haben. Bei einer kurzen Pause können wir es kaum glauben und fangen erst mal an, unsere viel zu warme Kleidung los zu werden. Wir sind endlich im Frühling angekommen! Jetzt lohnt es sich auch schönere Stellplätze in der Natur anzusteuern, wir fahren viele Meilen auf National Parkways, Parallelrouten die durch unberührte Natur verlaufen, ohne Städte zu kreuzen. In Nashville machen wir Station und geniessen das Nachtleben auf den Strassen und wir können auch endlich mal in der Natur unser Lager aufschlagen, draussen kochen und in der Sonne sitzen.

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Unter „Reiseroute“ gibt es einen Link, unter dem man unsere zurückgelegte Strecke und unseren aktuellen Standort sehen kann. Der Link aktualisiert sich automatisch, nur die angegebenen Fahrzeiten sind nicht die tatsächlichen Lenkzeiten, sondern geben die Zeit wieder, die das Trackinggerät an dem Tag eingeschaltet war. Deshalb sieht es z.B. in Nashville so aus, als wären wir die ganze Nacht auf dem Parkplatz im Kreis gefahren, dabei war nur das Gerät über Nacht eingeschaltet, während wir bei Bier und Barbecue den Frühling gefeiert haben.

 

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Geliefert. 20. Februar 2014

Filed under: Allgemein — tichyx @ 10:34

Nachdem wir letzte Woche bereits mit gepacktem Unimog in den Startlöchern standen, erreichte uns zwei Tage vor dem Verschiffungstermin nach Kanada die Email, dass sich das Schiff um eine Woche verspätet. Durch die Schlechtwetterlage im Norden wurde die Reihenfolge geändert, in der die europäischen Häfen angelaufen werden. Die Ankunft in Kanada/Halifax allerdings verschiebt sich nur um zwei Tage, so dass sich für uns eigentlich nicht viel ändert. Der Vorteil ist, dass unser Fahrzeug so ein paar Tage kürzer auf dem Schiff steht.

Gestern war es dann soweit und wir haben uns bei Nieselregen auf den Weg nach Hamburg gemacht. Die Unterlagen von der Agentur Seabridge sind wirklich sehr ausführlich und dank der perfekten Wegbeschreibung haben wir den Verladehafen auch direkt gefunden. Vor der Einfahrt sind wir unsere Checkliste für die letzten Handgriffe durchgegangen: elektronische Geräte ausbauen, Durchstieg verschliessen, Wodka und Kippen ins Handschuhfach legen, etc 😀

Anschließend Wartenummer gezogen, sofort drangekommen, Zettelchen entgegengenommen und dann mit dem Mog durch die Schranke, in den gesicherten Bereich. Da nur eine Person durch die Absperrungen darf, hat Carina vor dem Tor gewartet.

Auf der anderen Seite der Schranke wurde das Fahrzeug von außen inspiziert und penibel jeder noch so kleine Kratzer in einem Protokoll vermerkt. Eigentlich ist unser Mog im Neuzustand, aber laut des Abnahmeprotokolls könnte es sich auch um ein Schrottfahrzeug handeln Die Liste mit mikroskopisch kleinen Schrammen, Abschürfungen und Kratzern war endlos und ich fragte mich beim Unterschreiben, wie man im Falle eines eventuellen Verladeschadens später nachweisen soll, dass vorher eigentlich alles noch intakt war? Denn Fotos von der tatsächlichen Größe der Schrammen wurden keine gemacht. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. 😉

Hafen

In das Fahrzeug wurde dafür gar nicht geguckt. Noch ein letzter Blick von mir, einmal im Kreis drumherum und dann zum Bürocontainer, wo der Schlüssel abgeliefert werden soll. Denn auf das Schiff selbst wird der Mog erst zwei Tage später von einem mehr oder weniger gut gelaunten Hafenarbeiter gefahren. Hoffentlich mag er Schnaps und Zigaretten – und hoffentlich trinkt er den Schnaps erst nach dem Verladen.

Im Container reiche ich etwas widerwillig dem Mann hinter dem Tresen den Zündschlüssel, mit den Worten, dass es mir doch recht schwer fällt, nach jahrelanger Bauzeit, unser fahrbares zu Hause nun in völlig fremde Hände zu geben. Er schnappt sich den Schlüssel, grinst mich an und sagt „Ich bin Herr Schulz, jetzt kennen wir uns“.  Ok – Thema erledigt: Auto geliefert.

Insgesamt verlasse ich den gesicherten Bereich mit einem positiven Gefühl, alle sehr nett und recht entspannt.

Auf dem Heimweg von Hamburg nach Berlin sind wir beide tot müde. Im Bahnsessel kommen dann die üblichen Gedanken, wenn man sein Haus auf Rädern für längere Zeit alleine lässt: habe ich alles abgeschlossen? Sind die Fenster alle zu? Brennt noch Licht im Keller? Ist das Bügeleisen abgeschaltet? Habe ich den Herd ausgeschaltet? Läuft die Waschmaschine noch? Kümmert sich wer um die Post? Sind Hunde, Katzen und sonstige Haustiere versorgt? Habe ich versehentlich den Hausmeister eingeschlossen und gießt er dann wenigstens die Blumen..? Hilfe! Als der Zug in Berlin bremst, wachen wir beide aus diesen ungemütlichen Träumen auf…wir haben die ganze Fahrt verpennt.

In den nächsten Tagen, bis zum Abflug, gibt es noch viel zu tun. Hoffentlich läuft alles so reibungslos, wie der heutige Tag.

Olli

 

Der Countdown läuft… 7. Januar 2014

Filed under: Allgemein — tichyx @ 19:03
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Und hier kommt auch schon der erste Eintrag in unserem Reiseblog 🙂

Die Schiffspassage und die Flüge sind gebucht. Nach 2 Jahren Bauzeit am Unimog und einer langen Reiseplanung wird es langsam ernst: im Februar bringen wir unser Fahrzeug nach Hamburg. Dort wird der Unimog RoRo auf ein Containerschiff verladen und tritt dann die Reise nach Kanada (Halifax) an. Wir fliegen ca. 2 Wochen später hinterher und werden ihn dann dort -hoffentlich- unbeschadet wieder in Empfang nehmen.

Kanada und die USA werden wir eher zügig durchfahren, so dass wir etwa im April in Mexiko sind. Ab da geht´s dann etwas ruhiger weiter Richtung Panama. Dort wird es spannend, ob es die RoRo Fähre (noch) gibt oder ob wir den Unimog noch mal per Spedition verschiffen müssen, denn zwischen Mittel- und Südamerika gibt es keine durchgehende Strasse. Ab Kolumbien verläuft unsere Route voraussichtlich  an der Westküste entlang bis nach Patagonien und von dort dann wieder hoch nach Argentinien. 2015 verschiffen wir dann von dort zurück nach D.

Soweit die Theorie.

Bis zum Start gibt es noch viel zu tun, z.B. diesen Blog vernünftig einrichten. Das werde ich jetzt mal tun und deshalb gibt´s die nächsten Updates hier erst, wenn wir gestartet sind.