Gelber Unimog

Von Kanada bis Feuerland in 365 Tagen

Leerkabine 8. Januar 2014

Bei der Wahl der Materialien und der Konstruktionsweise einer Leerkabine führen bekanntlich unzählige Wege zum erträumten Wohnklo.

Unser altes Fahrzeug war auch ein Eigenbau (nicht von uns) und bestand aus einem Rohrgerüst mit Blechbeplankung. Der Aufbau war über 20 Jahre alt, als wir ihn wieder weiterverkauft haben.  Die Beplankung und das darunter liegende Rohrgerüst waren selbst nach dieser langen Zeit und unzähligen Reisen noch so gut wie am ersten Tag. Es lag also nahe, die neue Kabine auch in dieser bewährten Weise zu bauen.

Allerdings gab es ein paar Punkte, die mich bei der Bauweise unseres alten Mogs störten: das verwendete Stahlblech war sehr dick und damit schwer und außerdem war es feuerverzinkt. Dadurch war es zwar extrem haltbar, aber Lack haftet nur sehr unwillig auf einer Feuerverzinkung. Zusätzlich waren die Bleche vernietet, was die Gefahr von Undichtigkeiten  erhöht und auf den abgedichteten Nieten hielt der Lack auch nur mäßig.

Nietennieten2

Alternativ eine GFK Kabine zu bauen, schied von vornherein aus. Zum einen konnte ich solche großen Teile nicht selbst verarbeiten und mit dem Werkstoff GFK fehlte mir auch jegliche Erfahrung. Zum anderen wäre der seitliche Knick nur schwer realisierbar gewesen und ein integrierter Grundrahmen wäre auch nicht möglich, da dieser dafür in die Bodenplatte hätte eingeschäumt werden müssen. In Eigenregie kaum oder nur sehr schwer umsetzbar.

Dazu kam, dass der Planungsstand der zukünftigen Kabine 10 Fenster, 4 Klappen, 3 Dachluken, eine Tür und einen Durchstieg vorsah. Die Kabine sollte also eher ein schweizer Käse, als eine stabile Box werden. Risse in den Ecken und Ausschnitten des GFK wären durch die späteren Spannungsspitzen bei Belastung wahrscheinlich die Folge gewesen. Durch diese Risse dringt Wasser in die Konstruktion ein und der nächste Frost erledigt dann den Rest. Das Ergebnis kann man in Form von hübschen Beulen an zahlreichen GFK Aufbauten bewundern.  Außerdem bilde ich mir ein, dass eine Stahlkabine bei einem Crash oder Umfaller im Gelände deutlich bessere Überlebenschancen hat, als eine reine Schaumkiste.

Viele Hersteller argumentieren mit der hervorragenden Isolierung für einen GFK Koffer, aber dabei wird gerne vergessen, dass eine gute Isolierung Hitze und Kälte zwar eine Weile draussen hält, aber ist die dicke Isolierschicht erst einmal richtig durchgeheizt – und das lässt sich in der prallen Sonne gar nicht vermeiden – gibt sie diese Wärme eben auch nur sehr langsam wieder ab. Und das heisst Nachts schwitzen, bis das Ding endlich wieder abgekühlt ist. (Ich sehe jetzt schon die ganzen Beschwerde-Mails in meinem Postfach von GFK-Kabinenbestitzern , die meckern, dass das alles gar nicht stimmt) 🙂

Deshalb reicht in meinen Augen eine mittelstarke, kältebrückenfreie Isolierung völlig aus, dafür wird die Heizung lieber etwas kräftiger ausgelegt und das wichtigste überhaupt: viele, viele Fenster zum Querlüften. Sollte jemand ausschließlich Winterurlaube oder Antarktisexpeditionen planen, dann sieht die Sache sicher etwas anders aus, aber die meisten Menschen wollen ja in die Sonne – und wir auch.

riss gfkgfk riss2

Also ein Rohrgerüst, aber mit einer anderen Beplankung – kein verzinktes Stahlblech mehr. Da  fällt einem natürlich zuerst Aluminium ein. Aber Alu hat auch einige Nachteile:

– Es hat einen wesentlich höheren Ausdehnungkoeffzienten als Stahl, was bei Temperaturschwankungen starke Verspannungen zwischen Rohrgerüst und Beplankung zur Folge haben kann.

– Alu rostet unter ungünstigen Bedingungen, wenn auch wesentlich langsamer als Stahl.

– Zwischen Stahl und Aluverbindungen entsteht Elektrokorrosion, was zur Folge hat, dass jede Schraube und Berührung zwischen Alu und Rohrgerüst innerhalb kürzester Zeit das Alu aufblühen lässt.

– Und zuletzt ist das Kleben von Alu wegen seiner Oxidschicht nicht ganz Ohne denn die Bleche müssten vor dem Kleben lackiert werden, um eine optimale Klebeverbindung herzustellen. (auch mit MS-Polymerkleber)

Und eine optimale Klebeverbindung war notwendig, da ich auf das Nieten vollständig verzichten wollte.

Ich will nicht sagen, dass diese Bauform mit Alublechen auf Stahl nicht funktioniert, es fahren eine Menge technisch einwandfreier und gelungener Aufbauten herum, die das Gegenteil beweisen, aber es gab da noch eine reizvolle Alternative: dünnes Edelstahlblech.

Da die Beplankung später von innen flächig mit Hartschaum verklebt werden sollte und dadurch selbst allerdünnstes Blech sehr beul- und schlagfest wird, hatte Alu in meinen Augen somit auch seinen letzten Vorteil verloren: das Gewicht. 1.5mm Alublech entspricht vom Gewicht rund  0.6mm V2A Blech. Das ist ordentlich stabil, lässt sich noch einigermassen gut verarbeiten und ist völlig rostfrei. Das sollte somit unser Werkstoff werden.

Es  folgte eine endlose Recherche, um den richtigen Kleber und die passende Verarbeitungsweise zu finden. Aber nach einigen gedrehten Schleifen und Loopings landete ich praktisch wieder vor der Haustür: ein gängiger PU-Konstruktionskleber mit entsprechender Untergrundvorbehandlung und Primern war die optimale Lösung.

Umriss UnimogkabineDachluke

Auf den fertigen Grundrahmen schweisste ich nun das Rohrgerüst aus 1.5mm Stahlrohr. Für den Seitenknick wurden die Rohre geschlitzt und dann in einer zuvor gefertigten Schablone wieder verschweisst, so wurde sichergestellt, dass alle Rohre den gleichen Knickwinkel haben.

An der Kabinenfront wurde der obere Teil um 12° angeschrägt, die Heckwand erhielt mit 6.5° den gleichen Winkel wie der Seitenknick. Durch die beiden Schrägen vorne und hinten verkürzt sich die Dachlinie und dadurch wirkt der Koffer kürzer und kompakter. Platzverlust hat man dadurch praktische keinen, da sich die Verkürzung nur im Kopfbereich befindet, das gleiche gilt für den Seitenknick. Und durch die schräge Heckwand, kann ein Fahrrad oder Motorrad dicht an die Wand gestellt werden, da mehr Platz für den Lenker da ist. Die Rückwand wurde für einen solchen Träger entsprechend verstärkt. 

Durch das so verkleinerte Dach, verringert sich das Trägheitsmoment der Kabine, die Durchfahrtsbreite an den oberen Ecken wird reduziert (für schmale Tunnel und Überhänge) und auch optisch wirkt das gesamte Fahrzeug stimmiger. 

fenster3Klappenprofil

Fenster-, Tür- und Klappenprofile wurden direkt, als statische Elemente in die Rohrkonstruktion integriert. Alle Ecken und stark belasteten Winkel wurden mit Knotenblechen verstärkt. Auf Höhe des Seitenknicks wurde ein C-Profil mit 6.5° eingesetzt, so dass die Bleche eine gute Auflagefläche haben.

Vor dem Kleben der Bleche wurde das gesamte Rohrgerüst mit 2K Epoxylack grundiert um eine optimale Basis für den Kleber zu bekommen. Fenster und Klappenausschnitte wurden aus dem Blech geflext und dann die Bleche schrittweise aufgeklebt. Die Dachbleche wurden an den Seiten abgekantet und als letztes aufgesetzt, so das diese Bleche an den Seiten überlappen.

Alle Ecken wurden zum Schluss mit Winkelblechen aus dem gleichen Material abgedeckt.

aufbau lackiertkoffer blech

Die Ausfachungen im Innenraum wurden mit 30mm XPS Schaum und Körapur flächig verklebt. Da das Blech hierfür mit 60er Schleifpapier von Hand angeschliffen werden musste, war das eine der schweisstreibensten Arbeiten und das Isolieren hat deutlich mehr Zeit in Anspruch genommen, als ich zuvor dachte.

Quer zu den Stahlrohren wurde dann eine 15mm Konterlattung aufgeschraubt, dort wo später Möbel und Wände andocken sollten. Die neu enstandenen 15mm tiefen Ausfachungen wurden wiederum mit Isolierung aufgefüllt, so dass eine nun kältebrückenfreie und ebene Fläche entstand, mit einer Isolationsdicke von 45mm.

Nach der „Hochzeit“ von Fahrgestell und Leerkabine ging es natürlich  gleich  auf die Waage: 800kg wog die komplette Kabine inklusive Unterkonstruktion, Klappen- und Fensterrahmen, dem Holzfußboden, Kellerfächern , der Isolierung und zwei Dachluken. Das war ein zufriedenstellender Wert und nun konnte es mit den Klappen und Türen weiter gehen…

fachwerk innendachreling nah

mog hintenisolierung

Weiterlesen: Klappen und Türen

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3 Responses to “Leerkabine”

  1. Ich würde mich freuen, wenn die Dokumentation des Fahrzeugaufbaus weiter geführt würde – Innenausbau…. intereressantes Gefährt. Die Basis ist auch meine Vorstellung. Auch Hintergründe zur Person + vorherige Reisen wären erwähnenswert – wie kommt man dazu soetwas zu bauen. Würde mich freuen über weitere Datails.

    Grüße

    Michel

    P.S. Jemand, der von einem Mog dieser Kategorie träumt – bzw. überlegt soetwas zu realisieren 🙂

  2. Evan Siegel Says:

    Beautuiful Mog! Nice work! Schone! If you ever think of selling her please email me!

    Gruß


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