Gelber Unimog

Von Kanada bis Feuerland in 365 Tagen

Peru 17. Februar 2015

Filed under: Allgemein — tichyx @ 15:19

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Willkommen bei Monty Python. Am Grenzübergang nach Peru werden wir nach Erledigung der üblichen Formalitäten zu einem barrakenähnlichen Imbissrestaurant geschickt. Dort soll es angeblich die obligatorische Haftpflichtversicherung für unseren Unimog geben. Wir steigen über einen Hund und eine Horde Hühner in den Verschlag mit Lehmboden. Drinnen ist es düster, und zwischen Türmen aus Pappkartons, Holz und halblebendigen Lebensmitteln köcheln auf kleinen Feuern undefinierbare Suppen. Aus einem Schatten springt uns eine Omi an und scheucht uns in einer unverständlichen Sprache zurück zum Ausgang. Wir sind unsicher, ob wir hier überhaupt richtig sind und rufen: „Seguro, Seguro!“ (Versicherung). Da lächelt sie uns plötzlich zahnlos an und verschwindet in einem Hinterzimmer voll mit Sofas und Katzen. Sie poppt hinter einem deplatziert wirkenden Verkaufsstand aus buntem Plastik irgendeiner Versicherung hoch, der mitten im Katzenzimmer steht, und wedelt mit Formularen, als wären wir nun in einer offiziellen Behörde. Eigentlich hat unsere Verständigung auf Spanisch bisher in allen Ländern gut funktioniert, aber mit jedem Satz den wir sagen, wird sie immer aufgeregter und redet auf uns ein – wir sind sicher, es ist Spanisch, aber wir verstehen trotzdem kaum ein Wort. Die Konversation endet, als sie uns irgendwann nur noch anschreit und wir es mit der Angst zu tun bekommen. Fluchtartig verlassen wir den Imbiss und beschließen, dass es auch ohne Versicherung gehen muss. Man kann nicht behaupten, dass wir es nicht versucht hätten.

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Störrische Soldaten in der Müllwüste

Noch irritiert von dieser Begegnung, kehren wir zum Mog zurück. Dort werden wir von zwei Soldaten erwartet, die eine Fotokamera zücken und ein Foto von uns vor unserem Mog machen wollen. Aus pawlowschem Reflex schnappen wir uns nach geglücktem Foto seinen Fotoapparat und schieben den Soldaten vor den Unimog, um ein Foto von ihm zu machen, denn so lief das bisher immer ab. Aber irgendwie sträubt er sich und ist nur schwer vor den Mog zu bekommen, außerdem lässt er die Kamera nur widerwillig los. Nach erzwungenem Foto kommt uns später der Gedanke, dass das Foto von uns und dem Auto wohl offizielle Gründe hatte und nicht für sein privates Fotoalbum gedacht war…deshalb war der Kerl auch so störrisch. Wie peinlich, schnell weg hier….

In vielen europäischen Köpfen lebt der Mythos vom aufgeräumten, spirituellen Peru voll indigenen Ureinwohnern, die in bunten Ponchos panflötespielend die Götter anrufen und in einer Bilderbuchlandschaft mit Alpakazucht und Käseherstellung leben. Und durch ihren direkten Draht zu den Urahnen und das Wissen um Schicksal und Vorsehung uns allen in weltlichen Belangen irgendwie überlegen sind und einige Zentimeter über dem Boden schweben. Das mag vielleicht das Bild sein, das sich dem Berlintouristen vermitteln soll, wenn er einen Panflöte spielenden CD-Verkäufer auf dem Ku Damm betrachtet – die Realität unserer ersten Tage in Peru ist leider das totale Gegenteil. Der Norden Perus gehört zu den verunstaltetsten Orten, an denen wir in 15 Jahren Reisen gewesen sind. Die Landschaft ist eine beispiellose Müllwüste, aus der sich traurige Häuser ohne Fenster, erbaut aus Sand und Abfall erheben. Es stinkt erbärmlich und es gibt kein Entkommen. Ganze Landstriche sind für die Ewigkeit verwüstet, bestehen aus Resten nicht verrotteter Plastikabfälle und der Anblick könnte kaum trauriger sein. Die Aktion einiger Frauen, die den Wüstensand vor ihren Hütten „fegen“, wirkt im Angesicht des Ausmaßes, fast wie eine irrationale Übersprungshandlung ohne Hoffnung. Die Straßen sind überfüllt mit Tuk Tuk´s, es herrscht geschäftiges Treiben, überall. Aber für uns ist der Gestank des verwesenden Abfalls nicht auszuhalten. Wir fliehen an die Küste, aber dort wird es eher schlimmer als besser, denn dort häufen sich zusätzlich in der Landschaft entsorgte Fischabfälle der Fischerei-Industrie zwischen dem Plastik. Es ist einfach nur deprimierend. Am Strand von Colan, hinter einigen nur halbfertig errichteten und inzwischen längst wieder verfallenen Betonmauern, finden wir ein brauchbares Plätzchen für die Nacht und müssen erst mal mit den ersten Eindrücken Perus und dem extremen Kontrast zu Ecuador fertig werden…

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Schildkrötenfutter mit top Optik 

Wir fahren weiter Richtung Süden, in die „Desierto de Sechula“, 200km Sand und Dünen, versuchen dem Dreck zu entfliehen. Aber als wir den Ort Santa Rosa erreichen, finden wir auch hier Abfall bis zum Horizont. Wir ziehen weiter bis zum Ort Reque. In einem kleinen Hinterhof mit Pool verbringen wir die Nacht. Am Unimog müssen die Bremsbeläge gewechselt werden und hier ist ein guter Ort dafür. Wie verbringen den Tag mit Schrauben und zwischendurch gibt es eine kleine Abkühlung im Pool. Beim Einsammeln des Werkszeugs zahlt es sich aus, dass wir es uns seit unserer Afrikareisen angewöhnt haben, Steine oder Dinge, die am Boden liegen, niemals einfach aufzuheben, sondern vorher immer erst mit dem Fuß umzudrehen. Beim Aufheben von einigen Holzklötzen sitzt unter einen Klotz ein Skorpion. Er ist winzig und bei Skorpionen gilt: je kleiner, desto giftiger! Das hätte böse enden können. Genauso sollte man niemals seine Schuhe über Nacht draußen stehen lassen, denn Skorpione sind nachtaktiv und mögen dieses Versteck.

Mit Huanchaco erreichen wir den ersten Ort in Peru, in dem wir uns wohl fühlen. Hier gibt es etwas Tourismus, was offensichtlich dafür sorgt, dass Landschaft und Straßen verschont bleiben. Wir campieren im Garten eines Hostels und haben wieder einen kleinen Pool neben dem Mog und zwei riesige Schildkröten kommen zu Besuch. Beim Einkaufen haben wir ein unbekanntes Gemüse entdeckt: Es sieht aus wie eine Minikartoffeln, ist innen rot und riecht nach Rübe. Abends braten wir die Knollen wie Bratkartoffeln: Optik 100 Punkte – Geschmack… äh… Schildkrötenfutter. In der Pfanne braten ist ganz offensichtlich nicht der Weg zum Erfolg. Aber den Tieren scheint unsere Zubereitungsart zu gefallen, da sie gar nicht genug von dem Zeug bekommen können, obwohl sie es in rohem Zustand nicht angerührt haben.

Da wir hier seit Langem mal wieder Internet haben, checken wir unser Bankkonto und müssen leider feststellen, dass unsere Visacard gehackt wurde. 4000 Euro fehlen. Eigentlich haben wir schon viel früher mit solchen Problemen gerechnet und ein Anruf bei unserer Bank genügt um das Problem zu lösen. Da alle Abhebungen in den USA getätigt wurden, obwohl wir nachweislich nicht dort sind, bekommen wir anstandslos unser Geld zurück. Wir vermuten, dass der Hack irgendwo in Ecuador stattgefunden hat, da wir dort nur schwer Bargeld am Automaten bekommen haben und immer mehrere Automaten aufsuchen mussten. Das ist ärgerlich, denn nun ist unsere Visacard gesperrt und eine neue zuschicken lassen geht schlecht mit unserer der aktuellen Adresse: Gelber Unimog.

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Kann man essen: Ratte ohne Schwanz

Wir folgen der Piste am Rio Santa, der sich tief in den Fels gegraben hat. Eine abenteuerliche Fahrt entlang von völlig ungesicherten Felsüberhängen, durch winzige Tunnel und tiefe Schluchten. Immer wieder müssen wir Felsbrocken auf der Straße ausweichen oder aussteigen, um die Höhe der Tunnel zu kontrollieren. Die Landschaft um uns ist atemberaubend schön, Felsen in den verschiedensten Farben und Formationen und wir begegnen den ganzen Tag keinem anderen Fahrzeug. Unser Ziel ist der Nationalpark Huascaran auf 4000m Höhe. Langsam aber stetig geht es bergauf und wir wollen uns in den nächsten Tagen wieder an die Höhe gewöhnen. Auf dem Weg dorthin campieren wir auf dem Gelände eines Ausflugsrestaurants und hier ist es endlich soweit: Es gibt zum Abendessen das peruanische Traditionsgericht: Meerschweinchen! Leider ist es trocken und ziemlich mickrig, das haben wir anderenorts schon besser gesehen. Schade, war aber trotzdem eine interessante Erfahrung.

Auf 3800m Höhe erreichen wir die Laguna Chinancocha im Nationalpark. Die Farbe des Wassers ist einfach unglaublich. Umringt von schneebedeckten Gipfeln liegt die türkisblaue Lagune vor uns. Wir lassen uns mit einem Paddelboot über das Wasser fahren und halten immer wieder die Hände in den See und überprüfen das Wasser, da die Farbe so unnatürlich intensiv ist.  Wir kommen uns vor wie in einer Märchenwelt. Die anschließende Wanderung führt uns über unberührte Bachläufe, durch mystische Farnwälder und vorbei an düsteren Felshöhlen. An der Lagune kommen zwischenzeitlich im Minutentakt Busladungen mit Schulkindern an, und es herrscht Trubel am Wasser– offensichtlich ist die Lagune ein äußerst beliebtes Ausflugsziel oder sie steht sogar auf dem Lehrplan.

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Klingonen-Tango im Dauernebel

Zurück zum Meer, zurück zum Müll. Leider. An der Küste geht es weiter Richtung Süden. Nach einem ewigen Fahrtag ohne vernünftige Möglichkeit zum Stehenbleiben landen wir in dem seltsamen Ort Baccaran. Völlig „lost“ und unheimlich. Die Strassen sind menschenleer, Hunderudel ziehen um die leeren Häuser und wir können nicht mit Sicherheit feststellen, ob ein Großteil der Restaurants und Wohnungen verlassen ist oder ob einfach nur gerade keine Saison ist. Im letzten Restaurant des Ortes tanzt ein einsames Pärchen auf der verfallenen Terrasse Tango, er in Klingonenlederjacke, sie im roten Jogginganzug. Die beiden sind die einzigen Gäste, die wir im ganzen Ort sehen und nach unserer Ankunft verschwinden sie sofort auf einem winzigen Mofa. Auf dem Parkplatz vor dem Restaurant richten wir uns für die Nacht ein. Es zieht Nebel auf und am Strand neben uns liegt ein toter Hund. Nach einiger Zeit schleicht der scheinbar letzte Einwohner des Ortes schielend um unser Auto und beginnt den Unimog mit einem Taschentuch zu putzen. Kurz darauf reißt ein älterer Mann im Nachbarhaus seine Haustür auf und fängt an, den Kerl mit Steinen zu bewerfen. Im ersten Moment denken wir, dass er uns meint, aber offensichtlich hat er was gegen den Mogputzer. Wenigstens lassen uns die zwei Dobermänner des Restaurantbesitzers in Ruhe essen. Skurriler Abend.

Wir fahren stundenlang vorbei an unzähligen Hühnchenzuchtanlagen die aus schwarzer Plastikfolie in die Wüste gebaut sind, immer an der Küste entlang. Kein Grün, keine Pflanze, nur Sand und Staub und Hühnerhaltung, so weit das Auge reicht. Über uns der ewige Hochnebel, der die Landschaft in diffuses, trübes Licht hüllt, eine Auswirkung des kühlen Humboldtstromes. Einige Kilometer weiter sorgt dieser Dauernebel für ein kleines Naturwunder: Die Hügel des Reserva National de Lachay. Die Hügel sind nur wenige hundert Meter hoch, aber es reicht, um sie in den ewigen Nebel zu heben, der vom Meer aus über das Land zieht. Der kondensierende Nebel hat aus dem unfruchtbaren Sand eine kleine farbenfrohe und fruchtbare Welt, ohne direktes Sonnenlicht geschaffen, die wie ein surrealistischer Traum inmitten der Ödnis wirkt. Wir machen eine ausgiebige Wanderung durch diese fremdartige Welt aus saftigem Gras, knorrigen, alten Baumstümpfen und Vogelgezwitscher, das irgendwo aus den tiefen des Nebels zu uns getragen wird. Gegen Abend wird der Nebel so dicht, dass wir nur noch wenige Meter weit sehen können und wir machen es uns für die Nacht im Mog gemütlich.

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Dünensurfen mit dem Wohnklo

Wir kämpfen uns durch Perus Hauptstadt Lima, eine Stadt ohne besonderen Charakter, umgeben von Ödland. Endlich erreichen wir die Oase Huachchina, die, wie eine kleine Perle aus dem Orient, zwischen riesigen Dünen in der Wüste liegt. In der Mitte der Oase gibt es eine kleine Thermalquelle, die die Oase mit Wasser versorgt. Der Ort ist ein beliebtes Touristenziel und alle Häuser sind entweder Hostels oder Restaurants. Auf den Parkplätzen stehen Sandbuggys mit 8-10 Sitzplätzen, um die Touristen durch die Dünen zu schippern. Von den hohen Dünenkämmen hat man einen fantastischen Ausblick über das Sandmeer und da wir unseren eigenen „Sandbuggy“ mit nur zwei Sitzplätzen, dafür aber mit Bett und Dusche dabei haben, machen wie eine Tour durch den Sand. Die Dünen reichen bis an die Küste und wir fahren den ganzen Tag querfeldein bis ans Wasser. Dünensurfen mit dem Mog ist immer noch einer der schönsten Beschäftigungen die es gibt. Nach einer kurzen Pause am Meer zieht es uns zurück in den Mog und wir surfen zurück in die Oase, wo wir am Abend gut essen gehen können.

Touristisch erschlossene Orte die für Urlauber hergerichtet und aufgehübscht sind, sind nicht unbedingt das, was wir suchen. Aber es scheint, dass die Anwesenheit von Touristen der einzige Grund ist, einen akzeptablen Umgang mit der Müllentsorgung zu finden. Am Geld, bzw. der Not der Gemeinden und Menschen außerhalb solcher Regionen kann es alleine jedenfalls nicht liegen, denn wir waren in weitaus ärmeren Regionen ohne jegliche touristische Infrastruktur unterwegs, die einen anderen Umgang mit diesem Thema gefunden haben.

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Kaligraphie und Klischeekäse

Vorbei an den berühmten Nascalinien führt die endlose Strecke durch die Wüste Richtung Cusco. Direkt am Straßenrand gibt es einen kleinen Aussichtsturm, von dem aus man einige der berühmten Linien sehen kann. Will man mehr als das, bietet sich ein Rundflug mit einer kleinen Chartermaschine an oder das Besteigen eines der umliegenden Hügel. Uns reicht der Blick vom Turm. Bemerkenswert ist, dass das Freilegen und Erforschen dieser geheimnisvollen und fast verschwundenen Linien das Lebenswerk der deutschen  Mathematikerin Maria Reiche ist, die dafür mit der höchsten Auszeichnung Perus, dem „Sonnenorden“ ausgezeichnet wurde.

Wir schaffen einen neuen Höhenrekord und der Mog hustet sich hoch bis auf 4600m Höhe. Hier oben wird selbst das schälen einer Mandarine zur Anstrengung. Um uns herum liegt eine wunderschöne Graslandschaft mit großen Vikunjaherden. Wir passieren viele kleine Ortschaften, in denen die Menschen tatsächlich von Viehzucht und Käseverkauf leben und in bunte Ponchos gekleidet sind. Das Bild, das sich uns hier bietet, entspricht nun so stark dem Klischee, das wir es fast nicht für wahr halten. Die Bewohner bleiben auf Distanz und was in den Köpfen der Menschen vorgeht ist für uns nur schwer zu erahnen. Zu groß ist die Kluft zwischen reisenden Europäern und der indigen Landbevölkerung hier oben in den Anden. Der Kontakt ist mühsam, viele sprechen kein spanisch und zu stark wiegt die Vergangenheit der Kolonialisierung und Vertreibung der Ureinwohner aus dem eigenen Land. Die Region um Cusco ist das Gebiet, in dem das am stärksten zu spüren ist. Und vom Übernachten auf freier Strecke wird hier abgeraten. Uns gegenüber sind die Menschen zurückhaltend, aber nicht unfreundlich. Neugierig werden wir beobachtet, ab und zu auch mal gegrüßt, aber die meisten bleiben auf Abstand. Am einfachsten gelingt uns der Kontakt mit Kindern, die ihr Schulenglisch testen wollen, aber auch das bleibt eine sehr seltene Ausnahme. Wir versorgen uns bei einem Bauern mit einem großen Käse und bleiben an einem der Quellflüsse des Amazonas stehen, der hier als kleine Thermalquelle entspringt und ein beliebtes Ausflugsziel ist.

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 Polizeieskorte für trottelige Europäer

Da wir lieber selbst mit Landkarten navigieren, als stupide einer Stimme aus einem Navi zu folgen, haben wir keine Straßennavigation an Board, die in der Lage ist, uns durch die Großstädte auf unserer Reise zu lotsen. Und das ist wohl der Grund, weshalb wir uns praktisch in jeder größeren Stadt verfahren und diese so mehr oder weniger unfreiwillig, dafür aber besonders intensiv, kennenlernen. So auch in Cusco. Wer schon mal in Cusco war, weiß, dass es da eng zugeht. Und wenn auch noch umfangreiche Straßensperrungen wegen einer Veranstaltung dazu kommen, wird’s haarig. Vor allem, wenn man zwar die Koordinaten eines Campingplatzes hat – ihn praktisch schon am Hang sehen kann – aber keinen Plan hat, wie man durch die Stadt da hinkommen soll. Ja, dann wird’s unter Umständen auch mal richtig lustig – zumindest für die Zuschauer. Es dauert jedenfalls nicht sehr lange, bis wir in irgendeiner Cuscoer Kopfsteinpflaster-Minisupereng-und-Uraltstrasse feststecken, da Einbahnstrasse und Sackgasse in einem. Ja, so was gibt’s in Cusco! Und es dauert auch nicht lange, bis ein Polizist vorbei kommt, uns ansieht – kurz nachdenkt – und dann einen Lachanfall bekommt. Hähä….huhu…. Herr Polizist… Los, einfach freundlich winken…und dann….äh…am besten verstecken. Oder so.

Nach einem kurzen Gespräch mit uns und über unser Ziel, brabbelt der Polizist etwas in sein Funkgerät, setzt sich auf sein Motorrad, schmeißt das Blaulicht an und gibt uns zu verstehen, dass er uns nun eskortieren wird. Und so geht es durch sämtliche Einbahnstrassen der Cuscoer Innenstadt in verkehrter Richtung (!), mit dem Mog quer über den Kirchplatz (!) und durch die Fußgängerzone (!), vorbei an anderen salutierenden Polizisten (!), immer dem Blaulicht hinterher, bis wir irgendwann am Campingplatz ausgespuckt werden. Diesen Weg hätte kein Navi der Welt finden können… Dankedankedanke! Der Campingplatz in Cusco ist ein bekannter Treffpunkt für Reisende, die mit dem eigenen Fahrzeug unterwegs durch Südamerika sind, und so verbringen wir einige Tage in netter Gesellschaft, tauschen Informationen aus und schließen Freundschaften.

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Geheimnis gelüftet: Richard Clyderman ist Peruaner!

Der Besuch von Machu Picchu ist ein Muss für einen Perureisenden. Das wissen auch die Peruaner und so ist der Preis für die Zugfahrt und den Eintritt auch eine echte Hausnummer: Etwa 200€ pro Person muss man für Bahnfahrt, Bus und Eintritt rechnen, da man nicht direkt mit dem Auto vor die Tür fahren kann. Zu viele Einzelheiten sparen wir uns jetzt hier, da es unzählige Möglichkeiten gibt, auf den berühmten Berg zu gelangen, billig ist aber keine davon. Am günstigsten wird es, wenn man mit dem eigenen Auto bis Hydro Elektrika fährt, dort übernachtet und die Tour von dort aus mit der Bahn startet.

Als wir den kleinen Bahnhof erreichen, steht in der Ecke der Bahnhofshalle tatsächlich ein Panflötenspieler im bunten Poncho, der mit Elektrohall verschönerte peruanische Traditionsmelodien von Richard Clayderman zum Besten gibt. Wir wussten ja gar nicht, dass Richard Clyderman Peruaner ist! Die selbstgebrannten CDs gibts für 10U$ direkt aus dem Panflötenkoffer. Nach der Bahnfahrt steigen wir in Aquas Calientes noch mal in den Bus um (alternativ wären es ca. 2 Stunden Fußmarsch steil bergauf) und nach 15 Minuten Fahrt sind wir auf dem wahrscheinlich berühmtesten Hügel der Welt. Ohne Zweifel: es lohnt sich! Der Besuch dieser alten Mauern ist schon umwerfend. Dabei sind es weniger die einzelnen Bauwerke die so spektakulär sind, sondern es ist vor allem die unglaubliche Lage und Atmosphäre dieses Ortes! Wir finden es an diesem Tag auch nicht zu voll und schaffen es sogar einige Fotos zu schießen, auf denen keine anderen Touris zu sehen sind. Besonders erwähnenswert sind auch die wahren Herrscher des Machu Picchu: Die Lamas. Völlig unbeeindruckt von dem ganzen Trubel wandern sie durch die Touristenströme, zupfen sich irgendwo ein frisches Grasbüschel und schieben sich dann kauend in die Portraitaufnahmen ahnungsloser Touristen.

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Auf nach Bolivien!

Wir kehren zurück zum Campingplatz nach Cusco (diesmal schaffen wir es ohne Polizeieskorte) und bleiben noch einige Tage hier. Die Stimmung auf dem Platz ist gut, die meisten Reisenden kommen nach dem Besuch des Machu Picchu noch mal hier her zurück, so dass es eine Menge zum diskutieren gibt. Abends wird ein schönes Lagerfeuer angezündet und etwas Fleisch auf den Grill geworfen, und dann summen wir gemeinsam bis zum schlafengehen andächtig die „Ballade pour Adeline“…

Auf nach Bolivien! Wir machen uns auf den Weg zum Titicacasee Richtung bolivianischer Grenze. Unsere letzte Station in Peru ist der Ort Puno und hinter einem kleinen Hotel stehen wir am Wasser des Titicacasees. Angeln ist hier zwecklos, denn es gibt wegen der starken Wasserverschmutzung keine Fische mehr!  Wir treffen einen Kölner Vespafahrer, der bereits seit 18 Monaten unterwegs ist. Seine kleine gelbe Vespa passt ausgezeichnet zu unserem Mog.

Danach heißt es Abschied nehmen von Peru, diesem Land, das so abwechslungsreich und gegensätzlich ist. Kein Land auf unserer Tour war bisher so vielseitig. Und in keinem Land schwankten wir so extrem zwischen Ablehnung und Begeisterung. Peru ist eine Reise Wert – unbedingt! Wir haben vorher eine Menge über Peru gelesen und Vieles von anderen Reisenden gehört. In unseren Köpfen herrschten sicher nicht die üblichen Klischees. Aber trotzdem begegnete uns Peru völlig anders, als wir es erwartet hatten.

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One Response to “Peru”

  1. Ralf Lill Says:

    Guten Morgen,

    Danke für den super informativen und toll zu
    lesenden Bericht. Weithin gute und pannenfreie
    Fahrt.
    Gruß aus der Saarpfalz Kristina und Ralf


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