Gelber Unimog

Von Kanada bis Feuerland in 365 Tagen

Panama 5. Oktober 2014

Filed under: Allgemein — tichyx @ 01:45

Abhängen am Balboa Yachtclub

Irgendein Janosh hat in unserer Kindheit mal behauptet, in Panama würde es überall nach Bananen riechen. Um das zu erreichen mussten offensichtlich eine Menge Bananen geschält werden, denn auf den nachlässig entsorgten Bananenschalenbergen schlittern wir nun von Grenzbude zu Bretterverschlag und Stempelhäuschen. Hier herrscht das größte Grenzdurcheinander unserer bisherigen Reise. Improvisierte Hütten mit Grenzbeamten drin, verteilt zwischen Müll und Matsch. Willkommen in der Konfusion – das hätten wir in dem kleinen USA „Ableger“ Panama so erst mal nicht erwartet.

Da wir sowieso nach Panama City wollen und uns das extrem schwüle und heiße Klima der Karibikküste nun reicht, durchqueren wir noch am gleichen Tag das Land Richtung Süden um in die Nähe des Pazifik zu kommen. Es geht durch dichten, hügeligen Regenwald, quer durch die Reserva Forestal de Fortuna und wir schaffen es gerade so zum Sonnenuntergang in die Stadt David. Unsere erste Nacht in Panama verbringen wir auf dem wenig spektakulären Parkplatz einer Einkaufsmall, auf dem auch andere Camper stehen. Wir kommen am Abend mit einigen sehr netten Einwohnern Davids ins Gespräch und verbringen eine ruhige Nacht. Am nächsten Tag erreichen wir dann freiere Strandabschnitte am Pazifik, bleiben bei „Nellys Hostel“ am Strand stehen und lernen deutsche Auswanderer kennen.

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Playa bei Nelly´s HostelDeutsche Auswanderer

 

Geölter Schreck 

Nach einigen Tagen erreichen wir Panama City und waschen in einem Vorort unsere Wäsche. Von freundlichen Einwohnern werden wir darauf hingewiesen, dass es besser wäre, hier nicht die Nacht zu verbringen, da es sehr unsicher ist. Das haben wir auch nicht vor, sondern überqueren mit frischer Wäsche im unfreiwilligen Batik-Look dank Chlorbleiche statt Waschmittel den Panamakanal und bleiben am „Balboa Yachtclub“ an der „Calzada Amador“ in Panama City stehen. Hier treffen sich viele internationale Traveller mit eigenen Fahrzeugen, da von hier aus die Verschiffung nach Kolumbien organisiert wird.

Leider endet die Strasse in Panama und der Darien Gap gilt als absolut undurchdringleicher Regenwald mit steilen Bergen und vielen zwielichtigen „Pflanzenzüchtern“. Es gibt keine befahrbare Landverbindung von Zentralamerika nach Südamerika und alle Güter müssen entweder per Schiff oder mit dem Flugzeug zwischen Panama und Kolumbien transportiert werden – so auch unser Mog. Bei der Vorbereitung unserer Reise sind wir auf einige Leute gestoßen, die ein Riesendrama aus dieser Verschiffung gemacht haben, bis hin zu der Aussage, dass es völlig unmöglich sei. Dazu können wir nur sagen, dass das völliger Quatsch ist. Im Prinzip hatten wir das Wesentliche bereits per Mail mit der Agentin Tea Kalmbach von Deutschland aus organisiert und ziemlich genau so wäre es auch abgelaufen….wenn, ja wenn, da nicht eine „Kleinigkeit“ dazwischen gekommen wäre…

Nachdem wir die Polizeikontrolle (1. Schritt für die Verschiffung) unseres Mogs in Panama City hinter uns gebracht haben, kehren wir zurück zum Balboa Yachclub und nutzen die Zeit bis zum Abfahrtstermin nach Kolumbien, um am Unimog die Öle in den Achsen zu wechseln. Die Magnetschraube des Hinterachsdifferentials hat für unser Empfinden etwas zuviel Abrieb und Späne am Magneten. Da wir direkt vor der Abreise beide Differentiale überholt haben und neue Lager verbaut wurden, ist Anfangs etwas stärkerer Abrieb normal – aber die Überholung ist nun schon über 20.000km her und das sollte eigentlich längst vorbei sein. Außerdem stellen wir beim Ölwechsel fest, daß etwa ein Liter Öl im hinteren Differential fehlt und sich stattdessen im linken Vorgelege befindet. Nicht gut. Wir beschließen dieses Problem im Auge zu behalten, so lange wir noch in Panama sind. Denn ein massiver Achsschaden im kolumbianischen Hochland wäre kaum zu bewältigen. Bis zum Ablegen des Schiffes haben wir noch etwa zwei Wochen Zeit und so machen wir uns auf ins Umland von Panama City.

 

DSC02360Fahrt zur Polizeikontrolle Panama City

balboa2Unimog Ölwechsel Achsen

 

Panamax

Unser erstes Ziel ist die Miraflores Schleuse des Panamakanals. Wir haben Glück und zwei Schiffe werden während unseres Besuches durch den Kanal geschleust. Die Schleusen selbst sind gar nicht mal so groß, aber wenn dann ein Containerschiff der Panamax-Klasse in Hochhausgröße vor einem aufragt, dann ist das schon beeindruckend. Besonders gut gefallen uns die Lokomotiven aus Edelstahl, die die Schiffe durch die Schleusen ziehen. Wenn man bedenkt, dass die Schleusenkonstruktion komplett ohne Pumpen funktioniert und rund 100 Jahre alt ist, dann ist das schon sehr weitsichtig geplant. Zu klein ist der Kanal inzwischen trotzdem und deshalb wird bereits intensiv an einer Verbreiterung gearbeitet.

Das unabhängige Land „Panama“ existiert genau genommen überhaupt nur wegen des Kanals. Denn infolge einer amerikanischen Intervention spaltete sich das heutige Panama vom damaligen Groß-Kolumbien ab und „kurz darauf“ wurde der Vertrag zum Bau des Kanals mit den Amerikanern unterschrieben. Inklusive der amerikanischen Hoheitsrechte für den Kanal. Es wäre sicher naiv zu glauben, dass diese Abmachung nicht bereits vor der amerikanischen Intervention ausgemachte Sache war, auch wenn das offiziell nicht zugegeben wird.

PanamakanalPanamakanal

PanamakanalPanamakanal

 

Lebensmüde Surfer und noch müdere Camper

Vom Panamakanal geht es weiter zum Playa Gogona. Da gibt’s tolle Wellen und einige scheinbar lebensmüde Surfer, die sich direkt von den Felsen aus ins Wasser stürzen. Wer dabei auch nur einmal die Kontrolle verliert, und mit den Wellen gegen die Felsen schleudert, ist Geschichte. Die Nacht am Strand beginnt ruhig, aber irgendwann gegen drei Uhr klopft die Polizei an und meint unbedingt um diese Uhrzeit unsere Papiere kontrollieren zu müssen. Da sich bereits unsere Zollpapiere für die Verschiffung zwischen den Pässen befinden, ist die Verwirrung groß, da die Polizisten solche Papiere noch nie gesehen haben, bzw. nicht verstehen, warum wir nicht auf einem Schiff sind, sondern hier am Strand stehen. Alle Erklärungsversuche, dass es noch ein paar Tage dauert bis das Schiff geht, scheitern und nach 30 Minuten Ratlosigkeit sind wir so müde, dass wir uns einfach unsere Papiere greifen und mit den Worten „Vielen Dank, aber bei uns ist alles in Ordnung – gute Nacht“ wieder ins Bett gehen. Da den „Nachtwächtern“ die Argumente fehlen, ziehen sie zum Glück wieder ab und lassen uns weiterschlafen.

Etwas unausgeschlafen geht’s am nächsten Tag hoch nach „El Valle“, eine Ortschaft innerhalb eines erloschenen Vulkankraters, der durch seine Form und Lage ein besonders regenarmes und „kühles“ Klima hat. Wir machen eine Wanderung durch den Regenwald und gucken im Anschluss mit einigen Leuten auf der Strasse das Spiel Holland gegen Costa Rica. Es herrscht eine tolle Stimmung und Deutschland wird von vielen bereits als Favorit gehandelt.

Playa Gogona PanamaMutige Surfer

Playa Gogona PanamaPlaya Gogona Panama

Der Selbstauslöser dauer 10 Sekunden und der Weg war weitHundertfüssler El Valle Panama

 

Schock aus Metall

Nach etwa einer Woche und ca. 500km später sind wir von unserer kleinen Rundreise rund um Panama City wieder zurück am Balboa Yachtclub. Wir checken nun erneut das Öl vom Differential um sicher zu sein, dass es keinen ernsthaften Schaden an der Achse gibt – aber leider fördert dieser Check etwas zu Tage, das man niemalsnie im Öl finden will: einen dicken Metallsplitter.

Die Entscheidung ist hart und voller Konsequenzen, aber es gibt keine Alternative: wir müssen die Hinterachse ausbauen und zur Sicherheit das Differential öffnen. Jetzt sind wir noch in Panama City, hier haben wir Werkstätten und Support. Sind wir erst irgendwo in den kolumbianischen Anden und die Achse macht schlapp, kann das das Ende der Reise bedeuten.

Wir nehmen sofort Kontakt mit unserer Werkstatt in Deutschland auf und bestellen alle Teile, die defekt sein könnten. Innerhalb kürzester Zeit stellen sie uns ein Paket mit allen Ersatzteilen zusammen, die in Frage kommen könnten und suchen mit uns gemeinsam nach einer Werkstatt in Panama City. Das kleine Ersatzteilpaket wiegt nur 10kg und geht mit UPS auf die Reise – für stolze 600 Euro Versandkosten soll es bereits nach einer Woche bei uns sein. Prinzipiell könnten wir die Reparatur auch selbst durchführen, da wir bei der Achsüberholung dabei waren und alle Schritte kennen, aber um die etwa 500kg schwere Achse des Unimogs auszubauen braucht man großes Werkzeug und eine vernünftige Werkstatt – auf einem Parkplatz ist das nicht zu machen.

Nach kurzer Suche, und zu unserer Freude, finden wir die Firma „Autostar“. Das ist eine offizielle Mercedesvertretung für LKW und eine Filiale der Kaufmanngruppe, die sich mit Unimogs auskennen sollte. Zusätzlich haben wir eine CD mit der Reperaturanleitung in Spanisch mitschicken lassen. Von Freunden bekommen wir den Kontakt zu Gerti, einer deutschen Weltenbummlerin die in Panama lebt und die für uns dolmetschen kann – denn für diese Aktion reicht unser Spanisch dann doch nicht ganz aus…

Um kein Risiko einzugehen, verdonnern wir den Mog – und damit auch uns – zu einer Woche Stillstand, bis die Teile aus Deutschland da sind. So vertreiben wir uns die Zeit auf dem Parkplatz und in Panama City. Durch Gerti lernen wir einige Deutsche kennen, die seit vielen Jahren in Panama leben und zusammen mit Gertis Familie gucken wir das legendäre 7:1 Spiel gegen Brasilien. Auch wenn wir tausende Kilometer von zu Hause entfernt sind, es war einfach nur der Hammer! Zum Endspiel sind wir ins Rincon Aleman gegangen. Dort trifft sich die deutsche Community und am Ende war es ein riesiges Fest mit Hupkonzert, deutschem Botschafter, Bier und Bratwurst – so sind wir auch in Panama standesgemäß Weltmeister geworden.

Metallsplitter im Diferentialtitenn

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Falling Autostar

Pünktlich nach 7 Tagen sind die Teile da und wir bringen den Mog in die Werkstatt. Wir werden vom Chef und von Gustavo – dem „Chefmechaniker“ – empfangen und in seinem Autostar-Shirt macht er zunächst einen seriösen Eindruck auf uns. Mit allen Mitteln versuchen wir den Chef davon zu überzeugen, dass es notwendig ist, bei der Reparatur dabei zu sein, da Unimogtechnik nicht vergleichbar ist mit normalen LKW und sie bereits zugegeben haben, dass sie noch nie einen Unimog gesehen haben – in Panama gibt es schlicht keine. Aber alle Diskussion hilft nichts – es sei für Kunden verboten sich in der Werkstatt aufzuhalten und das sei auch gar nicht nötig, schließlich wären sie eine offizielle Mercedesvertretung und deshalb können sie alle Mercedesfahrzeuge reparieren. Punkt. Am Hemdzipfel wird noch ein weiterer Mitarbeiter von seinem Schreibtisch gezerrt und uns vorgestellt. Er sei der „Informationsbeschaffer“, der das Team mit Anleitungen und Daten aus dem Mercedes-Intranet versorgt, falls diese überhaupt benötigt werden sollten.

Zur Sicherheit erklären wir Gustavo die Problemstellen, und weisen auf die Unterschiede zum normalen LKW hin, denn es gibt eine Menge Fallen und Schrauben, die große Probleme machen können, wenn man nicht genau weiß, was sich dahinter verbirgt. Wir erklären ihm, dass wir die selbe Arbeit bereits gemacht haben, und deshalb die schwierigen Stellen kennen. Mit Hilfe von Gerti sind auch komplizierte Sachverhalte in der Übersetzung kein Problem und Gustavo hört sich alles genau an und scheint alles zu verstehen. Zudem verspricht er, sich exakt daran zu halten und die (von uns ausgedruckte) spanische Reparaturanleitung zu nutzen. In zwei Tagen sollen wir wieder kommen, dann hätten sie die Hinterachse ausgebaut und das Differential geöffnet.

Die nächsten zwei Tage schlafen wir nicht besonders gut. Ob das nun daran liegt, dass wir im Hotel wohnen oder daran, das wir daran denken müssen, was gerade mit unserem Mog passiert, lässt sich schlecht sagen. Aber als wir am zweiten Tag früh morgens aufbrechen, um die Arbeit zu begutachten haben wir böse Vorahnungen. Und es kommt, wie es kommen muss: als wir die Werkstatt betreten ist der Mog hinten nicht mal aufgebockt. Nichts ist so gemacht worden, wie es sollte, und alles ist schlimmer als vorher. Gustavo hat genau genommen das exakte Gegenteil von dem gemacht, was wir gesagt haben und die Schrauben geöffnet, die er nicht öffnen durfte. Er hat einfach überhaupt kein bisschen zugehört oder verstanden, was wir versucht haben zu vermitteln und sich wahrscheinlich gedacht, dass diese Touristen in zivil ihm nicht erklären sollen, wie man einen LKW repariert. Er hat versucht das Schubrohr an beiden Seiten abzuschrauben, weil er glaubte, dass er dann einfach die Kardanwelle zur Hinterachse herausnehmen könnte und somit die Achse frei wäre. Jeder hätte mit einem Blick auf die Zeichnung in der Anleitung verstanden, dass das nicht funktionieren kann. Das hat er irgendwann auch gemerkt und nun waren sie seit einem Tag dabei, das Verbockte wieder rückgängig zu machen, was aber nicht so einfach geht, wenn man bestimmte Schrauben erst mal geöffnet hat. Sprich: sie haben es auseinander genommen und nun kriegen sie´s nicht mehr zusammen.

Uns wird klar, dass wir sofort etwas unternehmen müssen um Schlimmeres zu verhindern. Dem Chef ist die Situation sichtlich peinlich und er verspricht, dass sie das Problem morgen irgendwie lösen werden. Zum Glück haben wir ein Handyfoto dabei, auf dem unsere Hinterachse ausgebaut zu sehen ist und nachdem wir mit dem Foto klar gemacht haben, dass wir wissen, wie das geht, dürfen wir die Sache plötzlich doch selbst in die Hand nehmen. Zuerst setzen wir die Schubkugelhalbschalen wieder ein und ziehen anschließend mit Hilfe von Spanngurten die Hinterachse in Position und schrauben das Schubrohr am Getriebe fest. Alleine waren sie nicht in der Lage dieses Problem zu lösen, obwohl sie es selbst auseinander geschraubt hatten. Jetzt erklären wir nochmals, dass der Unimog am Rahmen aufgebockt werden muss, damit die Hinterachse „nach hinten“ ausgebaut werden kann, da sie über eine verzahnte Steckwelle verfügt. Doch leider entwickelt sich die simple Aufgabe des Aufbockens zu einem unlösbaren Problem. Nachdem der „Chefmechaniker“ Gustavo bei dem Versuch den Unimog auf zwei „Kniegelenke“ aufzubocken beinahe ums Leben gekommen wäre und unser Mog den Absturz nur deshalb unversehrt überstanden hat, weil die Räder noch dran waren, brechen wir die Aktion bei Mercedes ab. Wenn man zwei Felgen mit runden Felgenschüsseln nimmt und darauf zwei runde Bremstrommeln stellt (s. Foto) dann kann wahrscheinlich auch ein Dreijähriger vorhersehen, dass ein solches „Gelenk“ nicht geeignet ist, ein tonnenschweres Fahrzeug sicher abzustützen.

Unimog aufgebockt auf "Selbstmördergelenk"Unimog aufgebockt auf Selbstmördergelenk bei Mercedes Panama

 

20$ oder Tod

Der Chef ist regelrecht erleichtert, als wir ihnen den Auftrag entziehen, denn auch er hat inzwischen gemerkt, dass seine Leute mit der Aufgabe völlig überfordert sind. Natürlich fragen wir uns, wie diese Werkstatt überhaupt existieren kann, aber nach den Tagen, die wir dort verbracht haben, wissen wir, dass sie maximal Ölwechsel durchführen, aber keinerlei Reparaturen an LKW. Es fehlt nicht nur an Ausrüstung und Kompetenz, sondern einfach an Allem – nicht mal ein 6er Schräubchen für eine Manschette hatten sie da – genau genommen haben sie gar keine Schrauben da und auch sonst keinerlei Material. Und selbst ein Ölwechsel in dieser Werkstatt kann das endgültige „aus“ für ein Fahrzeug bedeuten. Denn als der Mog (von uns) wieder in den Urzustand versetzt war, konnten wir gerade noch verhindern, dass das alte Differentialöl aus einer rostigen Tonne voller Bohrspäne und Metallresten zurück ins Differential gekippt wurde. Die absoltute Krönung war es dann, als wir vor der Abfahrt das neue Differentialöl bezahlen sollten, da es ja ausdrücklich auf unseren Wunsch eingefüllt wurde. Wir haben damit geantwortet, dass sie dann ja unsere Hotelrechnung für inzwischen vier verlorene Tage + unsere Arbeitszeit bezahlen könnten. Als Antwort bekamen wir, dass die Security auf uns schießen (!) würde, sollten wir die Werkstatt verlassen ohne die 20$ zu bezahlen.

Nachdem wir gezwungenermaßen die 20$ bezahlt haben, als letzter Akt sozusagen, um seine verloren Ehre „zurück zu erobern“, hat uns Gustavo dann verboten den Unimog selbst aus der Werkstatt zu fahren – das sei als Chefmechaniker sein Job. Nachdem er daraufhin mehrere Minuten versucht den Mog zum Rückwärtsfahren zu bewegen, erfolglos alle Hebelchen durchprobiert hat, der Mog aber nicht macht, was Gustavo will, überlässt er uns letztendlich zerknirscht das Steuer. Am Ende war in diesem Laden nichts wie es sein sollte, aber alles wie es sein muss.

Aus diesen Gründen und tausend anderen, hier nicht aufgezählten und unglaublichen Verfehlungen dieser „Firma“, sehen wir es als unsere Pflicht, hier eine eindringliche Warnung für andere Reisende auszusprechen! Selbst banale Kleinigkeiten wie ein normaler Ölwechsel können dort zur Zerstörung des Fahrzeugs führen. Es gibt nicht nur keine ausgebildeten Mechaniker, sondern nicht mal Menschen mit technischem Sachverstand, dafür aber reichlich Selbstüberschätzung.

Also hier noch mal zum Mitschreiben:

 

Autostar Mercedes Benz Kaufmann

VehiculosComerciales

Vía Tocumen, detrás de plaza el faro

Panama City // Panama

 

Scania rockt

Insgesamt haben wir nun eine Woche verloren, unser Schiff nach Kolumbien verpasst, Hotelkosten an der Backe und sind keinen Schritt weiter. Wir setzen uns an den Computer und googeln alle großen LKW Werkstätten in Panama City. Zusammen mit Gerti machen wir uns auf den Weg und statten allen Kandidaten einen Besuch ab. Als erstes wollen wir einen Blick in die Werkstatt werfen, um zu sehen, ob und an was sie dort arbeiten und welche Ausstattung sie haben. Als zweites fragen wir, ob wir die Reparatur begleiten und mitarbeiten dürfen. Ein „Nein“ zu einem dieser beiden Punkte führt zum sofortigen Ausschluss der Werkstatt. Bei Scania haben wir einen guten Eindruck und dürfen mitarbeiten.

Nach einem Tag bei Scania ist die Achse ausgebaut, am zweiten Tag ist das Differential zerlegt und wird von uns begutachtet. Die achsseitigen Lager haben zwar erhöhten Verschleiß, aber ansonsten können wir keinen größeren Defekt feststellen. Der Metallsplitter muss also schon älter sein – das ist Glück und Pech gleichzeitig.

Wir tauschen die achsseitigen Lager und bauen alles wieder zusammen. Am dritten Tag ist die Achse wieder drin und der Mog fahrbereit. Warum die Lager nach dieser kurzen Zeit bereits Verschleiß zeigen, bedarf noch weiterer Nachforschung. Entweder ist der Verschleiß das Resultat des Ölmangels, der durch einen defekten Simmerring zustande kam und die Lager deshalb Mangelschmierung und vor allem zu wenig Kühlung hatten oder es gibt andere Gründe. Sollte es andere Gründe geben, die wir nicht kennen, dann wird uns dieses Problem wohl leider weiterhin verfolgen.

Wir wissen jetzt, wie wichtig es ist in Deutschland einen guten Kontakt und eine zuverlässige Werkstatt zu haben, die uns nicht nur mit Rat und Ersatzteilen versorgt hat, sondern jederzeit per Telefon und Mail erreichbar war – machmal auch um einfach etwas moralische Unterstützung in dieser schlimmen Situation zu bekommen. Am Tiefpunkt dieser ganzen Aktion haben Sie sogar ernsthaft überlegt, einen Mechaniker nach Panama zu entsenden! Danke an die Firma Schüssler!

Ach ja: Scania in Panama können wir empfehlen, Kompetent, außerordentlich freundlich und verhältnismäßig günstig (nur 1/3 des Preises den Mercedes aufrufen wollte, wären sie denn in der Lage gewesen, usw….):

Scania DIDASA S.A.

Vía Simón Bolivar con Avenida 12 de Octobre

Transistmica Diagonal a la Kienner
Apartado 0843-00174

Panamá City // Panama

Eine Angelegenheit wollen wir in diesem Zusammenhang aber nicht unerwähnt lassen: uns wurden einige Sachen, vor allem technische Geräte aber auch Bargeld, Kleidung usw. aus der Wohnkabine gestohlen. Da wir das erst in Kolumbien gemerkt haben, können wir nicht mit Sicherheit sagen, ob das bei Scania oder schon bei Mercedes passiert ist. Da wir während der Reparaturen nicht im Mog gewohnt haben, waren alle wichtigen Geräte zum Glück bei uns im Hotel. Der entstandene Schaden ist aber trotzdem nicht unerheblich.

Unimog Hinterachse ausgebaut bei ScaniaVerzahnte Steckwelle Unimog Hinterachse

Unimog ohne Hinterachse bei Scania Panama CityUnimog Reparaturanleitung

Unimog Hinterachse zerlegt bei ScaniaUnimog Differential zerlegt bei Scania

Unimog Ausbau Hinterachse DSC02538

 

Mysterium Agata M 

Kaum ist der Mog wieder fahrbereit, heißt es Gas geben, um nicht den nächsten Verschiffungstermin auch noch zu verpassen. Der Termin zur Ablieferung im Hafen von Colon wäre bereits vor zwei Tagen gewesen! Wir bekommen vom Hafen eine Sondergenehmigung und dürfen auf den letzten Drücker unser Fahrzeug abgeben. Eigentlich haben wir für diesen relativ komplizierten Vorgang eine Agentin, aber da wir den eigentlichen Termin verpasst haben, müssen wir alleine durch den bürokratischen Akt. Da wir nach Abgabe des Mogs ja sowieso ein Taxi bräuchten, dass uns die 100km zurück nach Panama City fährt, mieten wir uns bereits in der City einen Taxifahrer für den ganzen Tag und fragen ihn, ob er uns bei den Behördengängen im Hafen behilflich ist. Mit ihm gemeinsam ist die Ablieferung dann kein großes Problem.

Und dann heißt es schon wieder Abschied nehmen vom Mog. Alle ( verbliebenen) Wertgegestände haben wir im Koffer, der Durchstieg ist verschraubt und verschlossen, im Führerhaus ist alles was Wert hat ausgebaut und alle Fenster vom Aufbau sind verdunkelt. Und das ist auch nötig, denn die kurze Überfahrt ist wahrscheinlich der riskanteste Teil der gesamten Reise. Wir müssen unser fahrbares Zuhause in fremde Hände geben, es steht offen und mit steckendem Zündschlüssel unbeaufsichtigt im Hafen und später dann auf dem Schiff. Wir haben von zahlreichen Einbrüchen auf den Schiffen gehört, und so können wir nur hoffen, dass alles heil in Kolumbien ankommt.

Zurück im Hotel beobachten wir mit Hilfe von „Vesselfinder.com“, wie unser Schiff „Agata M“ erst anlegt und dann einige Stunden später pünktlich den Hafen verlässt. Offensicht hat die Verladung des Mogs und der anderen Waren problemlos geklappt. Es war uns wichtig, diesen Moment noch in Panama zu erleben, denn es ist öfter vorgekommen, dass es beim Verladen plötzlich Probleme mit dem Fahrzeug gab und die Besitzer schon außer Reichweite in Kolumbien waren. Etwas seltsam kommt uns allerdings vor, dass die „Agata M“ nach nur wenigen Minuten Fahrt direkt vor dem Hafen von Colon wieder stoppt und in der Karibik vor Anker geht. Aber wir nehmen an, dass das schon seine Richtigkeit haben wird und steigen am nächsten Morgen unbekümmert in den Flieger nach Kolumbien…. ein großer Trugschluss, wie sich schon bald herausstellen wird. Aber davon mehr im nächsten Blogeintrag, wenn es wieder heißt: Ahhhhhh – ich muss etwas kaputt machen, ich muss jemanden erwürgen, ich brauche eine Handgranate – JETZT!! Ganz ruhig bleiben und Tee trinken, wir sind gesund, das ist das Wichtigste… Ohmmmmmmm.

Unimog Abgabe im Hafen von Colon/PanamaBildschirmfoto 2014-08-12 um 15.34.36

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Ratschekasten-Renate und Fulltime-Frisieren

Abschließend möchten wir noch sagen, dass wir neben -oder auch gerade DURCH die ganzen Probleme in Panama, eine ganze Reihe toller Erlebnisse hatten und viele beeindruckende und liebenswerte Menschen kennengelernt haben. Gerti, unsere Dolmetscherin ist alleine ein ganzes Buch wert. Sie und ihr Mann Alli haben mit 3 Kindern ihr Leben auf einem kleinen Segelboot verbracht. Sie haben die ganze Welt gesehen und noch nie haben wir jemanden wie sie getroffen, die sich mit so viel Energie unter einen Mog wirft, um technische Probleme auf Spanisch zu erläutern. Danke Gerti!

Wir haben in den Wochen in Panamacity unzählige Taxifahrten gemacht und wissen nun, dass man mit der richtigen Verhandlungstechnik für 3$ anstatt für 30$ quer durch die ganze Stadt kommen kann.

Das Schrauben bei Scania mit Ariell und Renato hat ehrlich Spaß gemacht und wir waren ein gutes Team. Leider wird Renato seit diesem Tag von seinen Kollegen nur noch „Renate“ genannt, nachdem wir ihnen gesteckt haben, dass das in Deutschland ein Frauenname ist.

Und auch das Abhängen auf dem Parkplatz vor dem Yachtclub hat uns einige interessante Begegnungen geschenkt. So kam täglich ein Busfahrer vorbei, der dort zwischen seinen Touren die Zeit verbracht hat und wir haben uns mit Händen und Füßen über Gott und die Welt unterhalten. Z.B. über den Typen, der jeden Tag pünktlich um 8:00 Uhr morgens in seinem alten Geländewagen auf den Parkplatz gefahren kam, dort dann bis um 18:00 Uhr in seinem Auto unter einem Baum gesessen hat, um sich den ganzen Tag die Haare zu kämmen. Abends hat er sich dann umgezogen und ist im frisch gebügelten Hemd davongefahren – am nächsten Morgen war er pünktlich um 8:00 Uhr wieder da, zum Haare kämmen und herumsitzen bis 18:00 Uhr – jeden Tag die gleiche Prozedur. Wir wissen bis heute nicht, was sein Auftrag war.

Also: es riecht nicht nach Bananen in Panama, so viel können wir mit Sicherheit sagen. Und am Ende war nichts wie es sein soll, aber alles wie es sein muss…

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One Response to “Panama”

  1. Holger Horstmann Says:

    Hallo Carina, hallo Olli,
    habe eure Reiseberichte neulich durch Zufall gesehen und jetzt etwas Zeit gehabt alles mal in Ruhe zu lesen.
    Ich bin echt neidisch 🙂 und euer Schreibstill und Humor gefällt mir echt gut.
    Vielleicht treffen wir uns ja mal irgendwo in Europa wieder.
    Weiterhin eine gute Reise und ich bin schon auf eure nächsten Reiseberichte gespannt.

    LG Holger


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