Gelber Unimog

Von Kanada bis Feuerland in 365 Tagen

Costa Rica 21. September 2014

Filed under: Allgemein — tichyx @ 14:02

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Wir überqueren die Grenze von Nicaragua nach Costa Rica am Grenzübergang La Cruz. Nach 2 Stunden kreuz und quer, zu den seltsamsten Büros und Verschlägen und einer Handvoll Kopien später, haben wir die Grenze passiert. Die Stimmung der Grenzbeamten war an diesem Tag hervorragend, da Costa Rica direkt vor unserer Ankunft haushoch bei der Fußball-WM gewonnen hat – es wurde also mehr gegrölt und gefeiert, als gestempelt und kontrolliert. Die WM hat für uns einen sehr positiven Nebeneffekt, denn es gibt immer was zu quatschen und zu philosophieren, oft sind wir plötzlich keine Touris mehr, sondern Gegner im Kampf um den begehrten Pokal – das alles natürlich sportlich fair und mit reichlich Humor und Spott. Dass sich kein direkter Gegner in unserer Vorrundengruppe aus Zentral- und Südamerika befindet, ist dabei sicher nicht von Nachteil.

Direkt hinter der Grenze fällt uns sofort auf, dass es kaum noch einfache Hütten und Verschläge an den Straßenrändern gibt. Der deutlich höhere Lebensstandard fällt sofort ins Auge. Costa Rica ist inzwischen ein beliebtes Reiseziel und es gibt sehr viele Amerikaner im Land. Unsere erste Station machen wir im Parque National Santa Rosa und dort begegnen wir auch direkt einer großen Gruppe amerikanischer Biologiestudenten die dort mit ihrem Professor campieren. Erst später erfahren wir, dass der Campingplatz eigentlich nur für Naturkundler und Forscher gedacht ist, aber wir wurden trotzdem freundlich empfangen und durften am Abend auch in der Kantine essen. Der Platz befindet sich mitten im Regenwald und es gibt sehr schöne Wanderwege. Vom Professor bekommen wir die Empfehlung in Richtung Karibik zu fahren. Er selbst lebt auch dort und er erklärt uns, dass dort die schönsten Plätze mit der größten Artenvielfalt und dem größten Pflanzenreichtum Costa Ricas liegen.

Am nächsten Tag denken wir kurz darüber nach die Piste vom Campingplatz quer durch den Regenwald bis zum Strand zu nehmen. Aber da es geregnet hat und am Eingang zur Piste Warnschilder stehen erkundigen wir uns beim Ranger nach dem aktuellen Zustand der Strecke. Er zeigt uns Fotos vom Vortag, auf denen mehrere Geländewagen bis zur Unterkante der Seitenfenster im Schlamm stecken und so entscheiden wir uns – trotz Unimog – die Piste besser mal sein zu lassen… Nichts ist schlimmer, als alleine im Schlamm zu stecken.

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Traumhochzeit und fliegende Spinnen

Über die Teerstrasse führt unser Weg zunächst weiter Richtung Süden nach Playa Hermosa, auf die Halbinsel Nicoya. Am Strand finden wir einen schönen Stellplatz zwischen Bäumen in denen sich eine Horde Brüllaffen über uns lustig macht. Wir lachen zurück und lassen die Panoramaluke zu! Am Strand von Hermosa ist Einiges los und wir besorgen uns ein CruchedIcemitDosenmilchundleckerMangosirup-Getränk und gucken der Realität des Touri-Traumes einer „romantischen Hochzeit am karibischen Strand, so wie das immer im Fernsehen ist“ zu. Die Wahrheit ist etwas ernüchternd, da es a) immer mal wieder kurz regnet, b) der Strandabschnitt grau, etwas verdreckt und felsig ist, c) der DJ auch der Organisator ist und die Abläufe durcheinander bringt, d) die Braut nur 20m neben dem improvisierten Bambusaltar und in Sichtweite der Hochzeitsgesellschaft warten muss und drei mal zu früh los geht, um dann schnell wieder fluchend zurück zu stapfen und e) dieses Drama aber niemand so richtig mitbekommt, da es leider nur eine handvoll Gäste geschafft hat bis ins entlegene Costa Rica zur Feier zu fliegen. Am Ende wird es dann aber doch noch recht romantisch und es gibt schöne Hochzeitsfotos am Strand im Sonnenuntergang und mit ganz vielen Krebsen. Abends essen wir in einem der Restaurants am Strand – Top Pfeffersteak – so lecker, wie seit langem nicht mehr! Aber auch die Preise sind gepfeffert.

Die Nacht ist schwülwarm und wir können nur mit Ventilator schlafen, als Carina plötzlich davon aufwacht, wie sich im Bett etwas fest um ihren kleinen Finger klammert. Aus Reflex schüttelt sie sofort das Objekt ab und ist hellwach. Wir machen das Licht an und gehen auf die Suche. Per Zufall finden wir nach kurzer Zeit am Kopfende des Bettes eine dicke Spinne! Das Wichtigste ist jetzt, das Tier zu erwischen, denn sollte die Spinne in irgend eine Ritzes des Mogs verschwinden, ist es vorbei mit dem Schlaf – denn hier ist so ziemlich alles was krabbelt giftig. Zum Glück können wir den Eindringling fangen, anschließend aber leider mit unserem Insektenbuch nicht eindeutig bestimmen (nach der hektischen Fangaktion ist die Spinne… äh – wie sagt man´s schonend… „ein wenig deformiert“…öhm – sorry Spinne). Wir einigen uns darauf, dass es auf jeden Fall großes Glück war, nicht gebissen worden zu sein und etwas später schlafen wir mit einem mulmigen Gefühl wieder ein.

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Brücken aus Gold

Nach einigen Nächten und Stellplätzen die Küste entlang nach Süden, verlassen wir den Pazifik und biegen ab ins Landesinnere. Wir wollen zur Laguna de Arenal und zum Nationalpark Monteverde. Dort staunen wir nicht schlecht über den Eintritt in den kleinen „Arenal Hanging Bridges Park“. 24$ p.P. nur um einige Hängebrücken im Regenwald bewandern zu dürfen ist deftig. Der Treck ist durchaus nett und die Atmosphäre im Wald ist toll, der Preis ist aber nicht gerechtfertigt. Zumal wir dann nicht mal (aus unserer Sicht völlig grundlos) auf dem Parkplatz übernachten dürfen. Da die Dämmerung kommt und wir nicht so recht wissen, wo wir hin sollen, steuern wir den Ort Castillo an. Auf dem Weg bekommen wir von einem Guide einen Tipp, wo wir die Nacht verbringen können und wie wir am nächsten Tag weiterfahren sollen. Er erklärt uns, dass wir mit der großen Bodenfreiheit des Unimogs und der hohen Wattiefe eine schöne Route über eine Piste, entlang der Berge und den Wald machen können und auf diese Weise „inoffiziell“ von hinten in den Nationalpark Monteverde fahren können. Die Nacht wird ruhig und wir stehen neben dem Fußballplatz im Ort Castillo. In einem kleinen Restaurant gibt’s auch noch was zu essen und wir freuen uns auf die Tour am nächsten Tag.

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Schwimmender Mog

Wir starten sehr früh am Morgen und finden nach kurzer Zeit den Einstieg zur empfohlenen Piste. Es geht durch eine wunderschöne Tropenlandschaft, durch dichten Wald, auf einer felsigen und ausgewaschenen Piste. Nach etwa einer Stunde kreuzt der erste Fluss unseren Weg und wir müssen stoppen. Es gibt zwar eine Brücke, aber die taugt maximal für ein (Alu-) Fahrrad, aber nicht für den Mog. Wir suchen eine geeignete Furt neben der Brücke, um durch den Fluss zu fahren. Aber da es zur Zeit jeden Tag regnet und keine anderen Fahrzeuge auf der Piste unterwegs sind, trauen wir uns nicht einfach durchzufahren, sondern der Fluss muss durch ausgiebiges „begehen“ erst mal auf seine Unimogtauglichkeit getestet werden. Und da man mit nassen und kalten Füßen die Pedale so schlecht bedienen kann, steht auch schnell fest, wer heute durchs Wasser muss J Da die „Testerin“ überlebt hat und nicht ertrunken ist, können wir es wagen. Die ersten Meter ist auch alles ganz wunderbar, aber da Carina ihre „Testbegehung“ mit den Worten, „das sieht doch alles ganz flach aus!“ etwa nach der Hälfte abgebrochen hat, wissen wir nicht, dass es ab der Mitte plötzlich ordentlich tief wird. Mit gesperrten Differenzialen und angespannten Nerven geht es dann auf volle Reifentiefe abwärts – und das sind immerhin 1,25m -und zufällig ist das auch die maximale Wattiefe für den Mog. Passt doch. Dieses Spiel wiederholt sich im Laufe des Tages noch bei diversen anderen Flüssen und es ist jedes mal eine Erleichterung, wenn wir heil auf der anderen Seite ankommen – und einen Riesenpass macht es nebenbei auch noch. In der Ferne können wir bereits den Vulkan Irazu sehen, unser Ziel für den nächsten Tag.

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Attacke der Nasenbären

Der Aufstieg zum Vulkankrater ist ein endloses Geschraube durch Serpentinen, immerhin geht es auf 3450m Meter hoch. Mit jeder Kurve und jedem Höhenmeter, ändert sich die Landschaft und das Wetter. Als wir endlich oben ankommen, sind es eiskalte 6 Grad und außerdem ist der Park bereits geschlossen, so dass wir umkehren müssen. (Arghhhhh…ich muss schnell irgendwas kaputt machen…!!) Wir sehen das ganz gelassen und rollen nur ein paar hundert Meter bergab und verbringen die Nacht beim Restaurant Linda Vista – ein schöner Aussichtspunkt und die Wände des Restaurants sind mit tausenden Visitenkarten und Geldscheinen tapeziert, die von den Besuchern hier zurück gelassen wurden. Unsere hängt da jetzt auch irgendwo. Wer uns ein Foto von unserer Karte an der Wand schickt, bekommt eine Woche Berlinurlaub geschenkt 😉

Am nächsten Morgen versuchen wir es erneut mit dem Krater, dieses mal dürfen wir rein und wir fahren die letzten Meter hoch bis zum Kraterrand. Entgegen des Vulkans in Nicaragua, ist dieser allerdings seit langem erloschen. Höchst aktiv dagegen ist die Nasenbärenfamilie, die am Kraterrand wohnt und unsere Ankunft offensichtlich sehnsüchtig erwartet hat. Immer mal wieder haben wir auf unserer Reise einen kleinen Nasenbären aus der Distanz zu Gesicht bekommen – aber nie sind wir so nah herangekommen, dass sich ein Foto gelohnt hätte. Hier bekommen wir nun die totale Überdosis. Entweder ist diese Nasenbärenfamilie mit ihren Jungtieren total ausgehungert oder einfach maximal frech und verwöhnt. Denn die Kekse, die wir dabei haben sind in unseren Händen alles andere als sicher! Die kleinen Bären klettern einfach an unseren Hosenbeinen hoch und versuchen an die Kekspackung zu kommen! Um nicht überrannt zu werden hilft nur Keksweitwurf! Dann springt die gesammelte Mannschaft von den Hosenbeinen und macht sich über den Keks her – danach beginnt das Spiel von vorne. Nasenbären sind wirklich niedliche und sympathische Tiere. Sie waren zwar aufdringlich aber nicht aggressiv. Ein sehr seltenes Erlebnis den Nasenviechern endlich mal so nah zu kommen.

Ach ja: den Krater haben wir uns auch angesehen: schön!

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Lila Pistenheuschrecke

Nach dem Besuch des Irazu kurven wir noch ein wenig in den Bergen herum und folgen dann dem Rat des Biologieprof´s und machen uns auf den Weg zur Karibikküste. Es wird zunehmend grüner – und schwüler. Kaum auszuhalten. Am Playa Cocles machen wir ein letztes mal Station in Costa Rica – können wegen der riesigen Wellen nicht baden, finden seltsam bunte Heuschrecken und etwas zu viele Amerikaner. Nach zwei Nächten geht’s weiter Richtung Panama zum Grenzübergang Sixaola. Die Grenze Costa Ricas präsentiert sich hier, wie der Rest des Landes auch: fast schon zu aufgeräumt, modern nach westlichen Standards und streng organisiert. Nach der zügigen Ausreise geht´s über eine kleine Brücke rüber zum Grenzübergang nach Panama. Und hier gibt es bereits einen deftigen Vorgeschmack auf das, was wir in Panama erleben werden: Konfusion, Dünkel und Planlosigkeit… na, wenn das mal kein ordentlicher Cliffhanger ist. J

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