Gelber Unimog

Von Kanada bis Feuerland in 365 Tagen

Honduras 7. August 2014

Filed under: Allgemein — tichyx @ 22:00

Honduras empfängt uns am Grenzübergang mit dem üblichen Kopiensalat. Eine Fahrzeugkontrolle gibt es nicht und nach etwa einer Stunde sind wir schon im Land. Uns fällt sofort auf, dass deutlich weniger Waffen präsent sind. Die Menschen wirken wieder offenener und interessierter. Unser Weg führt uns von der Grenze nach Copan. Wir bleiben an einem „Spassbad“ stehen. Aber so richtig Spass, als einzige Gäste in der dahinbröckelnden Pool-Landschaft, will nicht aufkommen. Außerdem haben wir den Preis schlecht verhandelt und finden es im Nachhinein viel zu teuer.

Am nächsten Tag machen wir einen Zwischenstopp in Gracias Lempira und versuchen unser Defizit in Sachen „Preisaushandeln“ an einem Mangostand wieder rauszuholen – leider ohne jeglichen Erfolg. Die Verkäuferin bleibt stur und geht kein bisschen mit dem Preis herunter. Das bekommt die Händlerin am Nachbarstand mit und steigt auf unser Angebot ein. Das Ganze natürlich mit viel Humor und der halbe Markt lacht sich über uns schlapp, denn durch unsere knallharte Verhandlungsweise haben wir am Ende umgerechnet sage und schreibe 2 Cent gespart! War aber trotzdem billiger!

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Irgendwas aus Mais

Am selben Tag erreichen wir den Nationalpark Celaque. Wir wollen einen Übernachtungsplatz weit oben im Bergnebelwald ansteuern. Dort befindet sich die Parkzentrale und es gehen einige Wanderwege ab. Die Zufahrt ist recht anspruchsvoll, denn eigentlich fahren hier nur kleinere Geländewagen hoch – wenn überhaupt. Auf halber Strecke treffen wir einen Einheimischen und wir fragen ihn, ob wir es mit unserem Mog bis nach oben schaffen können. Er meint ja, seine Frau meint nein, an einer Stelle sei ein Felsvorsprung, an dem wir nicht vorbeikämen. Der steile Waldweg ist so schmal, dass wir unmöglich wenden können und so lassen den Mog bei der letzten Wendemöglichkeit stehen und gehen zu Fuss weiter, um die schwierige Stelle vorher zu inspizieren. Nach 30 Minuten Fußmarsch haben wir den Felsüberhang erreicht – das könnte passen, aber es gibt weit und breit keine weitere Möglichkeit zum Wenden. Deshalb entschließen wir uns vorsichtshalber den restlichen Weg bis zur Station auch noch weiterzugehen. Oben angekommen ist die Enttäuschung groß: ein winziger Platz, düster, schlammig und Hanglage. Hier wollen wir auf keinen Fall die Nacht verbringen. Gewandert sind wir inzwischen auch genug. Also machen wir uns an den Abstieg und kehren mit dem Mog wieder um. War aber trotzdem toll.

Nur ein paar Kilometer weiter finden wir einen schönen Stellplatz neben Thermalquellen, die zu einem Schwimmbad umfunktioniert wurden. Wir freunden uns mit einem Pferd an, das sich den Platz mit uns teilt und abends gehen wir im angrenzenden Restaurant essen. Wie immer in Mittelamerika gibt es Bohnen, Hühnchen, Reis und irgendwas aus Mais.

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Petri-Unheil

Das Klima in Honduras ist angenehm, da wir uns praktisch durchgehend auf 800m bis 1500m Höhe befinden. Die Luft ist relativ trocken und nachts kühlt es schön ab. In den höheren Lagen dominieren Kiefer- und Nadelwälder. Später führt unser Weg durch Kaffeeplantagen und Bananenfelder zum tiefer gelegenem Lago Yojoa. Wir quartieren uns in der weitläufigen Hotelanlage „Las Glorias“ ein und stehen mit dem Mog direkt am Wasser. Für 10$ pro Nacht dürfen wir auch den Pool benutzen und es gibt auf dem Gelände einiges zu entdecken. Der Versuch Fische im See zu angeln wird allerdings wegen totaler Erfolglosigkeit schnell wieder eingestellt. Es liegt natürlich am Köder oder an den Fischen oder am Wetter oder an der Stelle….aber natürlich auf keinen Fall am Angler! War aber trotzdem aufregend.

Uns gefällt es so gut, dass wir drei Tage bleiben. Jeden Abend ziehen über dem See dramatische Gewitter auf und bieten ein beängstigendes Panorama. Die Regengüsse mit Blitzeinschlägen in der unmittelbaren Umgebung sind nicht weniger beeindruckend.

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Italien in Honduras

In Siguatepeke übernachten wir auf dem Hof eines Feinkostitalieners! Kaum zu glauben, aber wahr: es gibt tatsächlich echte italienische Feinkost, alles importiert und kaum teurer als in Deutschland. Abends essen wir im dazugehörigen Restaurant und sind durch die Sitten und Gebräuche im Land etwas verunsichert: es gibt ein italienisches Buffet, allerdings darf man sich die Speisen nicht selbst auftun, sondern man zeigt auf das Gericht, das man haben möchte und dann wird einem aufgetan. Da uns das etwas seltsam vorkommt, lassen wir uns gleich bei der ersten Runde den Teller „satt“ vollpacken, denn wir haben die Beführchtung, dass es unüblich ist, ein zweites Mal zu gehen. Während wir essen, beobachten wir heimlich die anderen Gäste, aber keiner nimmt eine zweite Runde. Und als wir die Bedienung fragen, ob wir noch ein weiteres mal ans Buffet gehen dürfen, antwortet sie zwar mit „Ja“, kann ihre Entrüstung aber kaum verbergen… Zum Glück haben wir den Büffetabend nicht mit einem Salatblatt auf einem Probierteller eröffnet, sonst müssten wir jetzt Hunger schieben. War aber trotzdem lecker.

Auf der Fahrt nach Valle de Angeles machen wir kurz Halt in Comayagua und besuchen den Markt. Handeln verkneifen wir uns. Wir finden in Valle de Angeles einen schönen Stellplatz beim Restaurant „La Florida“. Es gibt einen kleinen Minizoo im Garten mit einem Tapir, einigen Rehen und einem niedlichen Schwein. Das freut sich über unsere Gesellschaft und lässt sich genüsslich mit einem Stock den Rücken kratzen. Am nächsten Tag machen wir einen Abstecher zu einer alten Mienenstadt. Die Ortsdurchfahrten in den Bergen sind teilweise so eng und abenteuerlich, dass wir mehrmals fragen müssen, ob die Strasse hinter der nächsten Biegung überhaupt weiter geht. Aber nach einiger Zeit erreichen wir den kleinen Ort und stellen den Mog ab. Zu den Mienen geht es nur noch zu Fuß weiter, leider haben wir den Auftsieg deutlich unterschätzt und müssen nach gut einer Stunde steil bergauf abbrechen, da uns die Wasservorräte ausgehen. War aber trotzdem schön. (Honduras entwickelt sich eindeutig zum „war aber trotzdem“ -Land)

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In Danli verbringen wir unsere letzte Nacht in Honduras auf dem Gelände eines kleinen Restaurantes. Es ist ein Familienbetrieb,der gerade erst eröffnet hat. Die gesamte Famile inklusive Opa und Enkelkindern ist anwesend und wir sind die einzigen Gäste. So ergibt es sich schnell, dass wir uns gegenseitig über unsere Heimatländer ausfragen und wir erfahren eine Menge über Honduras und die Situation der Menschen aus erster Hand. Später springen wir noch in den kleinen Pool und spielen mit den Kids Basketball. Wir verstehen uns alle so gut, dass wir unsere Facebookkontakte austauschen und so kommt es, dass wir weiterhin Kontakt haben.

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Am nächsten Morgen ist es nur ein kurzes Stück zum Grenzübergang nach Nicaragua. Die Ausreise aus Honduras geht rekordverdächtig schnell: nach 10 Minuten stehen wir schon am Zoll von Nicaragua. Wir verlassen Honduras nach einer sehr kurzen Woche mit durchweg positven Eindrücken. Besonders hat uns das Hochland gefallen, mit seinen Nadelwäldern und dem milden Klima, das so gar nicht tropisch war. Und auch die gastfreundlichen und neugierigen Menschen hinterlassen einen positiven Eindruck bei uns. Aus Sicherheitsgründen haben wir trotzdem (da isses wieder) auf freies Campen verzichtet, obwohl wir uns auch hier zu keinem Zeitpunkt unsicher gefühlt haben. Genauso wie Guatemala ist auch Honduras auf unserer Reise eher ein Transitland, das wir relativ geradlinig durchfahren. Deshalb  können wir uns nicht wirklich ein umfassendes Urteil erlauben und unsere Blogeinträge sind eher knapp und unspektakulär (ab Nicaragua wirds wieder deutlich schräger – versprochen!). Schön war es aber in beiden Ländern – trotzdem.

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One Response to “Honduras”

  1. Andreas Lauk Says:

    Was macht Ihr??? Ihr fahrt die geilste Route der Welt? Wie geil ist das denn? Gratulation für diese Tat und weiterhin alles Gute und viiiiiel Freude auf diesem Trip! Beste Grüße aus Berlin, Andreas Lauk


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