Gelber Unimog

Von Kanada bis Feuerland in 365 Tagen

Guatemala 10. Juli 2014

Filed under: Allgemein — tichyx @ 21:11

Nach dem lustigen Beamtenkarussell findet bei der Einreise nach Guatemala keine weitere Fahrzeugkontrolle statt. Ein Blick auf die VIN (Fahrgestellnummer) und das war´s. Wir wechseln direkt an der Grenze noch etwas Geld und machen uns gleich auf den Weg. Da wir nicht, wie ursprünglich geplant, mit der Fähre weit im Süden einreisen konnten, hat sich die Strecke durch Guatemala nun etwa verdreifacht.

Auf dem Weg durch Mexiko und Belize haben wir immer wieder Informationen und Meinungen von Einheimischen über die kommenden Nachbarländer gehört. Der Inhalt war regelmäßig der gleiche: Guatemala und Honduras sind gefährlich. Diese Ansichten über Nachbarstaaten kennen wir ja nun schon ein wenig. Glaubt man z.B. den Aussagen der Amis über Mexiko, ist es lebesgefährlich dort überhaupt einzureisen. Dass solche Warnungen totaler Blödsinn sein können, haben wir selbst gesehen. Und bei weiterer Nachfrage stellt sich i.d.R. heraus, dass dieses „Wissen“ meistens von Leuten kommt, die selbst noch nie dort waren. Aber auch wenn wir den „Panikmachefilter“ auf Anschlag drehen und zu dem was übrig bleibt, die Warnungen vom Auswärtigen Amt und unserer Reiseführer addieren, bleiben deutliche Bedenken zur Sicherheitslage in Guatemala. Unser erster Eindruck bestätigt das. Im Vergleich zu Mexiko und Belize haben wir schnell das Gefühl, hier weniger willkommen zu sein. Skeptische Blicke, die Menschen grüßen selten zurück oder drehen sich sogar weg. Waffen sind hier allgegenwärtig und werden offen getragen. Jeder kleine Minimarkt hat eine Security mit Schrotflinte vor der Tür, selbst der kleinste Getränkelaster fährt nur mit bewaffnetem Beifahrer und auf dem Parkplatz einer kleinen Einkaufsmall, gibt es sogar einen Wachturm mit bewaffneten Wachen – dafür aber leider kaum Kunden, die sich die teuren Waren leisten können. Da dieser immense Sicherheitsaufwand viel Geld kostet, wird er sicher nicht grundlos sein.

Aber vorweg sei gesagt: alle Menschen, mit denen wir direkten Kontakt hatten, waren sehr freundlich und wir haben uns zu keinem Zeitpunkt bedroht gefühlt. Trotzdem verzichten wir in Guatemala auf freies Campen und fahren weitestgehend auf der Hauptroute gen Süden.

DSC01815 DSC01818

 

Zeckenattacke

Unsere erste Nacht verbringen wir auf der Finca Ixobel. Hier ist das Klima sehr angenehm, nachts kühlt es deutlich ab und tagsüber werden es nicht über 28°C. Wir hatten uns eigentlich darauf eingestellt, das extrem feuchte und heisse Tropenklima in den nächsten Monaten durchgehend aushalten zu müssen und höchstens mal auf einem Vulkan über 2000m etwas Abkühlung zu bekommen. Aber es ist erstaunlich, nach nur etwa 600 Höhenmetern verändert sich das Klima merklich! Es wird trockener und angenehm kühl, ab 1500m wird es nachts sogar mal richtig kalt.

Am nächsten Morgen unternehmen wir eine Wanderung. Den Aufstieg auf den benachbarten Hügel in Form eines Zuckerhuts müssen wir aber leider abbrechen, da es nachts geregnet hat und der Wald zu glitschig für den steilen Aufstieg ist. Dafür entdecken wir den größten Ameisenbau, den wir je gesehen haben. Auf einer Lichtung im Regenwald bedeckt dieser Mega-Bau der Blattschneideameisen eine Fläche von gut 20m x 20m. Sternförmig von der Mitte aus, gehen breite Ameisenstrassen in den angrenzenden Wald, zum Teil gut 100m weit. Von dort wird das zerschnittene Blattwerk zur Ameisen-City transportiert und die Ameisenstrassen verschwinden in unzähligen Löchern. Im Inneren des Baus wird mit den Laubschnipseln ein Pilz gezüchtet von dem sich widerum die Ameisen ernähren. Wenn man sich die unendliche Anzahl der Ameisen ansieht und den nicht abreissenden Strom zerschnittener Blätter hochrechnet, den sie unermüdlich in ihren Bau schleppen, dann versteht man schnell, warum der Baukomplex inzwischen von einer Lichtung umgeben ist…

Als wir uns abends ausruhen, entdecke ich eine winzige Zecke auf meinem Fuß (Nein, das auf dem Foto ist keine mutierte Monsterzecke, sondern eine Heuschrecke die Ersatzweise ihr Gesicht hinhalten muss, da wir von den elenden Zecken leider kein Foto gemacht haben). Da wir viel durch kniehohes Gras gelaufen sind, prüfen wir schnell unsere Schuhe und Hosen. Alleine auf einem Hosenbein entdecken wir 5 von den kleinen Mistviechern! Die Gegend muss verseucht sein und im Nachhinein finden wir sogar eine Zeckenwarnung im Reiseführer für die Gegend.

DSC01747DSC01761

DSC01754 DSC01752

 

Endlich am Wannsee

Da wir nicht frei campen wollen, steuern wir Stellplatzempfehlungen von anderen Reisenden oder dem Reiseführer an. Eine davon ist Bruno´s Hotel am Rio Dulce. Das Hotel liegt unter einer Brücke, die über den Rio Dulce und den Lago de Itzabal führt. Aufgrund der kurzen Zufahrt durch den Golf von Honduras und den Rio Dulce ist der See ein Treffpunkt für unzählige Segelyachten und Weltumseglern, die aus der Karibik kommend hier Station machen und den tropischen See wie einen riesigen Hafen nutzen. Das Erstaunliche daran: es sieht aus wie am Wannssee in Berlin (ok, der Wannsee hat keine Palmen). Wir genießen die lockere Atmosphäre, viele amerikanische Weltenbummler sind hier gestrandet und das Hotel ist bei Travellern beliebt. Wir dürfen im Innenhof stehen und den Pool benutzen. Direkt vor der Tür tobt das Leben des Ortes „Rio Dulce“. Nachts wird das Tor geschlossen und das gefählichste sind die Kokosnüsse, die in regelmäßigen Abständen von den Bäumen fallen.

DSC01811 DSC01795

DSC01793DSC01792

 

Gourmet Tankstelle

Unseren letzten Abend in Guatemala verbringen wir kurz vor der Grenze zu Honduras. Wir stehen wieder im Innenhof eines Hotels mit Pool. Die Architektur, der Zustand und die Farben erinnern uns stark an Albanien. Gegen Abend gibt es ein heftiges Gewitter und kurz nach dem der Regen aufhört, ist der Innenhof plötzlich übersät mit riesigen Kröten, die in der Abenddämmerung auf Insektenjagd gehen. Wir schnappen uns die fetteste Kröte für ein kleines Fotoshooting. Der Brocken bringt bestimmt 1 ½ Pfund auf die Waage. Die Tiere sind erstaunlich zutraulich, lassen sich einfach fangen und bleiben auch dann total entspannt.

Da wir im Hotel die einzigen Gäste sind bleibt das Restaurant geschlossen. Zum Kochen haben wir keine Lust und leider liegt das Hotel etwas abseits. So bleibt uns nur die Texaco-Tanke gegenüber, zu der eine Art angedockter Imbiss gehört. Aber als wir durch die unscheinbare Tür nach drinnen kommen, staunen wir nicht schlecht: Bedienungen im Kellneroutfit, große Grillstation, ausgezeichnete Speisekarte und freundlicher Empfang. Das Essen ist absolut top, ein echtes Deluxe-Menü (nein, keine Froschschenkel), wie wir es lange nicht mehr hatten! Wer hätte das gedacht. In Deutschland gibt es ja leider nur lauwarme Würstchen im Pappbrötchen anne Tanke, ne.

Auf dem Rückweg zum Mog entdecken wir noch etwas anderes, das es bei uns nicht gibt: die drive-thru Bank. Man fährt mit dem Auto auf einen Parkplatz neben der Bank, dann schließen sich Rolltore um das Fahrzeug und man befindet sich nun in einer sicheren Box. In der Box sind eine Gegensprechanlage und ein Rohrpostanschluss (!) installiert. So kann man nun seine Bankangelegenheiten und Papierkram mit dem angrenzenden Bankgebäude erledigen ohne aus dem Auto austeigen zu müssen. Was sich bei den Amis aus reiner Bequemlichkeit durchgesetzt hat, ist hier allerdings eine Sicherheitsmaßnahme.

Am nächsten Morgen geht’s auf zur Grenze. Die Grenzangelegenheiten sind zwar unkompliziert, aber umständlich wie immer (nein, das ist kein Widerspruch). Nach etwa zwei Stunden Stempel sammeln und Kopien machen sind wir in Honduras.

Da wir nur eine knappe Woche in Guatemala waren, können wir uns nicht wirklich ein Urteil erlauben, aber so richtig sicher gefühlt haben wir uns nicht. Wunderschön ist es aber trotzdem und wir haben das angenehme Klima genossen, da wir fast durchgehend über 600m geblieben sind. Alle Menschen, mit denen wir direkten Kontakt hatten, waren sehr gastfreundlich und nett, eine konkrete Bedrohung oder kritische Situation gab es nicht. Vom freien Campen oder Fahrten in abgelegene Gebiete würden wir aber trotzdem abraten.

DSC01831 DSC01829

DSC01819DSC01842

Werbeanzeigen
 

2 Responses to “Guatemala”

  1. Jo Says:

    Ich lese mit größtem Vergnügen eure Reiseberichte. Könntet Ihr die Fotos bitte in höherer Auflösung hochladen? Dann hat man auch viel mehr davon.

  2. Marion Says:

    Hallo liebe Carina ! Traumhaft eure Reiseberichte!! … uhaaaaaa ich fliege mit meinem Spotzerl im Dezember für 3 Wochen nach Guatemala. Das liest sich nicht nach einem backpacking Urlaub 😉 … herzliche Grüße aus München


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s