Gelber Unimog

Von Kanada bis Feuerland in 365 Tagen

Bolivien 24. Februar 2015

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Die Grenzpassage von Peru nach Bolivien bricht alle Rekorde: maximal schnell (ca. 30 Min. komplett) und maximal unfreundlich. Die drei „netten“ bolivianischen Grenzer am Schlagbaum (s. Foto) sind die Gleichen, die uns die Stempel in die Pässe geknallt haben, d.h sie wissen, dass wir jetzt mit dem Mog die Schranke passieren müssen. Obwohl wir direkt hinter ihnen und mit laufendem Motor warten, irgnorieren sie uns. Erst nach einer Aufforderung bewegen sie den Schlagbaum in Zeitlupe 3cm zur Seite ohne sich umzusehen. Nachdem wir uns mit dem Mog durch den eigentlich viel zu engen Durchlass gequetscht haben, geht das Spiel 10 Meter weiter wieder von vorne los: Es stehen Hütchen auf der Strasse und versperren die Durchfahrt. Alle Drei auf der Stange sehen absichtlich weg. Auch hier schleppt sich ein Beamter erst nach einer freundlichen Aufforderung zur Strassensperre und kickt ein Hütchen zur Seite. Na, da fühlt man sich ja gleich richtig wilkommen in Bolivien.

Ganz anders begegnen uns die Menschen hinter der Schranke: herzlich und sehr gastfreundlich. Unsere Verhandlungen beim Geldwechseln enden jedenfalls in viel Gelächter und fröhlichen Bemerkungen. Auf den ersten Metern ist unser Eindruck, dass die Menschen interessierter und einladender sind, als noch in Peru (mal von den Grenzern abgesehen). Unser erster Stop kurz hinter der Grenze ist der Ort Copacabana. Wir übernachten im Hof des Hotels „Gloria“, direkt am Ufer des Titicacasees. Ein charmantes Haus mit viel Patina und dem 60er Jahre Charme des Gardasees.

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Auf der Holztitanic zum Käsefondue

Durch die dünne Luft auf 4000m Höhe machen wir uns auf den Weg Richtung La Paz. Hier auf den Hochebenen der Anden ist die Luft unglaublich klar und die Fernsicht scheinbar unendlich. Auf wunderschönen Serpentinen schlängeln wir uns durch bis zum Ort Desaguadero. Hier müssen wir an einer schmalen Stelle den Tititicacasee überqueren. Mit dem Verschiffen des Mogs haben wir in der Vergangenheit ja recht unterschiedliche Erfahrungen gemacht und sind deshalb erst mal skeptisch. Die uralten Holzkähne sehen auf den ersten Blick nicht so aus, als könnten sie einen LKW tragen. Die Fährboote werden mit ein paar winzigen Metallwinkeln zusammengehalten, der Rest der Planken ist nur gesteckt. Und als wir den Mog über dicke Holzbohlen auf den Kahn manövrieren, geben die Planken unter uns gewaltig nach. Der Kahn verwindet sich über die gesamte Länge und wird krumm. Vor uns steht bereits ein Reisebus auf der kleinen Holztitanic und es knarzt gewaltig im Gebälk. Jetzt heisst es vertrauen und nicht zuviel nachdenken. Mit Hilfe eines winzigen Außenbordmotors wird der Tonnenschwere Kahn über den See gesteuert. Im Minutentakt kommen uns andere Transportkähne entgegen und deren Wellen bringen unsere Fähre gewaltig zum Verwinden. Die Spalten der einzelnen Holzverstrebungen öffnen und schließen sich fingerbreit! Nach etwa 20 Minuten ist der Spuk vorbei und heil überstanden – wir haben wieder festen Boden unter den Füßen.

Nach La Paz ist es nicht mehr weit. Dort angekommen unternehmen wir unsere übliche Stadtrundfahrt, indem wir uns total verfahren und so unfreiwillig die komplette Innenstadt von La Paz durchqueren bis wir das Hotel Oberland erreichen. Das Oberland ist unter schweizer Führung und ein beliebter Treffpunkt für Reisende mit dem eigenen Fahrzeug. In dem kleinen Innenhof treffen wir alte Bekannte wieder, mit denen wir bereits in Cusco gemeinsam auf dem Campingplatz gestanden haben. Von hier starten wir verschiedene Touren in die Stadt und in das Valle da Luna, eine vom Regen geformte Canyonlandschaft mit surrealen Formen und Auswaschungen. Im Restaurant des Hotels nutzen wir die seltene Gelegenheit und gönnen uns zum Abschied ein Käsefondue.

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Geiersturzflug

Wir möchten abseits der großen Routen das versteckte Bolivien in den Bergen kennenlernen. Deshalb machen wir uns auf den Weg zur Thermalquelle Urmiri, die in versteckten Tälern der Anden liegt. Es geht viele Stunden über extreme Bergpisten und spektakuläre Pässe. Hinter jeder Kurve wartet eine völlig neue Landschaft, mit neuen Farben und anderen Formationen auf uns. Und es ist richtig Arbeit, den großen Mog durch die winzigen Serpentinen zu kurbeln. Am Rand der Piste sehen wir ab und zu Bauern, die an den Hängen winzige Felder bewirtschaften und es kommt mehrmals vor, dass wir freundlich herangewunken werden, um bei ihnen zu Gast zu sein. Nachdem wir fast den ganzen Tag gefahren sind, endet unser Ausflug leider vor einem Tunnel, der an einer Stelle ein paar Zentimeter zu niedrig für unser Fahrzeug ist. Alles rangieren nützt nichts und wir müssen eine andere Abzweigung nehmen. Wir weichen nach links aus und nehmen eine andere Piste. Im riesigen Tal des Sapahaqui bleiben wir auf einer grauen und surreal wirkenden Lehmlandschaft stehen. Weit und breit sind wir die einzigen Menschen und wir genießen es, endlich wieder frei übernachten zu können. Ein älteres Bauernpaar kommt nach einiger Zeit vorbeigeschlendert und begrüßt uns freundlich. Sie möchten wissen, ob es uns gut gefällt und wünschen uns eine ruhige Nacht, der Platz sei sehr „tranquilo“. Sie waren wahrscheinlich neugierig, welches Ufo da in ihrem Vorgarten gelandet ist. Im Sonnenuntergang machen wir noch einen kleinen Spaziergang durch diese fremdartige Landschaft und haben dann tatsächlich eine sehr ruhige Nacht. Am nächsten Morgen kämpfen wir weiter mit den extrem steilen und engen Serpentinen. Die Wege sind nur grob in den Fels gehauen und bei den engen Kehren geht es mit den Hinterrädern oft quer über die Felsen und gefährlich nah an den Abgrund. Es ist eine mühselige Kletterarbeit, die aber eine Menge Spaß macht.

Ein Raubvogel segelt ins Blickfeld des Beifahrerfensters und dreht dann scharf, ganz knapp vor der Windschutzscheibe, ab. Er landet, setzt sich etwa 50 Meter vor uns auf den Seitenstreifen und wartet bis wir vorbei gefahren sind. Wir bewundern den schönen Vogel am Strassenrand und denken uns nichts weiter dabei. Eine Minute später ist der Vogel wieder da. Zuerst fliegt er wieder einige Sekunden dicht neben uns, um dann wieder direkt vor dem Mog zu kreuzen und sich einige Meter weiter an den Strassenrand zu setzen. Als wir vorbeifahren sieht er uns direkt an. Seltsam. Es wirkt fast so, als wollte er uns zum Anhalten auffordern. Eine Minute später wieder das gleiche Spiel. Der Vogel will uns eindeutig etwas mitteilen. Vielleicht sind wir in der Nähe seines Nestes und er will uns ablenken..? Als er das Manöver zum vierten Mal ausführt und vor uns am Strassenrand sitzt, halten wir an. Er kommt unter das Fahrerfenster gehüpft und sieht uns auffordernd an. Hm. Vielleicht einen Kräcker? Wir werfen ihm einen Kräcker hin und als er sich sofort auf ihn stürzt, ist klar, was er von uns will. Nach drei Kräckern denken wir, dass er genug von dem salzigen Zeug hat und wir im Gegenzug genug Fotos von ihm. Aber eine große Frage bleibt: wie hat er das gelernt? Wir sind seit Tagen das einzige Fahrzeug in dieser Gegend, auf diesen Wegen gibt es praktische keinen Verkehr und nur sehr selten Menschen… Schlauer Piepmatz. Am Abend suchen wir uns ein schönes Plätzchen am Lago Uru-Uru und geniessen diese anmutige und weite Landschaft. Wir kochen draußen und bestaunen den spektakulären Himmel über uns.

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Salzseesymbiose

Unser nächstes Ziel ist der Salar de Uyuni, der größten Salzsee der Welt auf 3650m Höhe. Der Weg dorthin führt uns wieder durch eine sensationelle Landschaft, Dünen und farbige Felsen, am Himmel seltsame Regenbogenformationen und keine anderen Fahrzeuge weit und breit. Als wir den kleinen Ort Uyuni erreichen treffen wir auf Rosita und Manfred, die bereits seit 4 Jahren mit ihrem Magirus unterwegs sind. Wir verabreden uns, um gemeinsam auf den Salzsee hinaus zu fahren, denn es kommt immer wieder vor, dass Fahrzeuge durch die Salzkruste brechen. Auf unserer ersten Unimogtour im Jahr 2000 sind wir in Tunesien mitten auf einem Salzsee stecken geblieben und da wir alleine waren, konnte der Mog nur mit Hilfe eines Baggers befreit werden. Das war ziemlich peinlich und auch teuer und solche Fehler macht man nur ein Mal.

Am Stadtrand von Uyuni gibt es einen alten Eisenbahnfriedhof und dort treffen wir zufällig die ganze Truppe vom Campingplatz in Cusco und La Paz wieder. Wir beschließen den Salzsee und die anschließende Lagunenroute bis nach Chile gemeinsam zu fahren. Die Lagounenroute ist eine Offroadstrecke durch das Hochland und es gibt unzählige Pisten, Abzweigungen und Möglichkeiten sich zu verfahren oder stecken zu bleiben. Insgesamt sind wir 5 Fahrzeuge: ein Landrover mit Conny & Lutz aus Jena (+ Dongo, der etwa Pferdgroße Riesenschnauzer), ein MAN mit Susanne und Ernest aus der Schweiz, ein Fiat Ducato ohne Allrad mit Jonathan aus der Schweiz (angeblich ist die Lagunenroute nur mit Geländefahrzeugen zu bewältigen, das wird also spannend), der Magirus mit Rosita & Manfred und wir mit dem Unimog. Unsere kleine Wagenburg bietet etwas Schutz gegen den kalten Wind und so machen wir es uns im Sonnenuntergang noch gemütlich und besprechen die Route für die nächsten Tage.

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Warmes Eis

Am nächsten Morgen geht es früh los. Wir haben zum Glück die Tanks voll, denn im gesamten Ort gibt es keinen Diesel. Susanne und Ernest haben das beste Kartenmaterial und fahren mit dem MAN voraus. Der MAN ist auch das schwerste Fahrzeug und wo der drüberkommt, brechen auch die anderen nicht ein. Wir bilden mit dem Mog die Nachhut, da der Mog die besten Möglichkeiten bietet ein „versenktes“ oder feststeckendes Fahrzeug zu bergen. In der Mitte fahren Conny und Lutz mit dem Landi und Jonthan mit dem Fiat. Der Salzsee ist strahlend weiß bis zum Horizont und ohne starke Sonnenbrille können wir kaum etwas sehen. Durch die dünne Luft in der Höhe überstrahlt die Landschaft regelrecht und die Farben treten extrem hervor. Das Gefühl hier einfach querfeldein zu fahren ist überwältigend. Ständig achten wir auf unsere Geschwindigkeit, denn unbewusst assoziieren wir den weißen Untergrund mit Eis. In der Mitte des Salzsees treffen wir auf eine kleine Insel mit ein paar Kakteen. Im Windschatten bauen wir unser Lager für die Nacht auf und werfen den Grill an. Am Mog wird nach dem Bremsbelagwechsel in Peru hinten eine Bremse heiss. Wir nutzen die Gelegenheit und stellen das Lüftspiel neu ein. Nach und nach richten sich alle an diesem traumhaften Ort ein und wir geniessen gemeinsam den Abend in dieser einmaligen Umgebung.

Rosita und Manfred mit dem Magirus verlassen unsere Gruppe leider bereits am nächsten Tag, kurz hinter dem Salzsee. Sie biegen nach Argentinien ab. Insgesamt rechnen wir mit den verbleibenden vier Fahrzeugen gut eine Woche für die nun kommende Lagunenroute. In den nächsten 500km offroad geht es bis über 5000m hoch und hinter jeder Kurve wartet ein neues Naturwunder. Die unglaubliche Schönheit der Landschaft ist unbeschreiblich. Wie ein anderer Planet erscheint uns die Erde hier oben, die Farben, die Luft – es ist ohne Zweifel die schönste Region, die wir je bereist haben. Diese Eindrücke werden ein Leben lang bleiben. Aber Fotos sagen tausendmal mehr, als wir hier beschreiben könnten (und auch die geben leider nur einen Bruchteil der fantastischen Atmosphäre wieder) deshalb gibt’s zur Abwechslung mal eine längere Bilderstecke und weniger Worte. Es war einfach ein fantastisches, kleines Abenteuer mit sehr lieben Menschen in einer atemberaubenden Umgebung. 

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Fliegender Fiat

Nach etwa einer Woche erreichen wir den höchsten Grenzposten der Erde. Auf 5023m Höhe lassen wir unsere Pässe ausstempeln und fahren dann gemeinsam durch das Niemandsland Richtung Chile. Es hat uns sehr großen Spaß gemacht in dem kleinen Konvoi zu Reisen und wir beschließen auch die nächsten Tage noch zusammen weiter zu fahren. Jonathan hat sich als Meister hinter dem Lenkrad des Fiat erwiesen und ist kein einziges Mal stecken geblieben. Dank guter Spurwahl und vorausschauendem Fahren ging alles ohne Allradantrieb, auch wenn es eigentlich ständig grenzwertig war und immer wieder Streckenabschnitte kamen, die wir zuvor als unöglich für das Fahrzeug eingestuft hatten. Die Nächte waren eisig kalt, bis auf -7 Grad ist das Thermometer gefallen und unsere Standheizung musste ständig eingeschaltet bleiben, da sie bei kaltem Motor nicht mehr angesprungen ist. Aber wir sind ehrlich erstaunt, dass sie auf 5000 Meter überhaupt noch funktioniert hat. Nach dem Grenzposten beginnt der langsame Abstieg. San Pedro de Atacama in der Atacamawüste ist unser nächstes Ziel und unser Konvoi setzt sich wieder in Bewegung. Aber da dieser Ort bereits in Chile liegt, gehört das in den nächsten Blogeintrag…🙂

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Peru 17. Februar 2015

Filed under: Allgemein — tichyx @ 15:19

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Willkommen bei Monty Python. Am Grenzübergang nach Peru werden wir nach Erledigung der üblichen Formalitäten zu einem barrakenähnlichen Imbissrestaurant geschickt. Dort soll es angeblich die obligatorische Haftpflichtversicherung für unseren Unimog geben. Wir steigen über einen Hund und eine Horde Hühner in den Verschlag mit Lehmboden. Drinnen ist es düster, und zwischen Türmen aus Pappkartons, Holz und halblebendigen Lebensmitteln köcheln auf kleinen Feuern undefinierbare Suppen. Aus einem Schatten springt uns eine Omi an und scheucht uns in einer unverständlichen Sprache zurück zum Ausgang. Wir sind unsicher, ob wir hier überhaupt richtig sind und rufen: „Seguro, Seguro!“ (Versicherung). Da lächelt sie uns plötzlich zahnlos an und verschwindet in einem Hinterzimmer voll mit Sofas und Katzen. Sie poppt hinter einem deplatziert wirkenden Verkaufsstand aus buntem Plastik irgendeiner Versicherung hoch, der mitten im Katzenzimmer steht, und wedelt mit Formularen, als wären wir nun in einer offiziellen Behörde. Eigentlich hat unsere Verständigung auf Spanisch bisher in allen Ländern gut funktioniert, aber mit jedem Satz den wir sagen, wird sie immer aufgeregter und redet auf uns ein – wir sind sicher, es ist Spanisch, aber wir verstehen trotzdem kaum ein Wort. Die Konversation endet, als sie uns irgendwann nur noch anschreit und wir es mit der Angst zu tun bekommen. Fluchtartig verlassen wir den Imbiss und beschließen, dass es auch ohne Versicherung gehen muss. Man kann nicht behaupten, dass wir es nicht versucht hätten.

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Störrische Soldaten in der Müllwüste

Noch irritiert von dieser Begegnung, kehren wir zum Mog zurück. Dort werden wir von zwei Soldaten erwartet, die eine Fotokamera zücken und ein Foto von uns vor unserem Mog machen wollen. Aus pawlowschem Reflex schnappen wir uns nach geglücktem Foto seinen Fotoapparat und schieben den Soldaten vor den Unimog, um ein Foto von ihm zu machen, denn so lief das bisher immer ab. Aber irgendwie sträubt er sich und ist nur schwer vor den Mog zu bekommen, außerdem lässt er die Kamera nur widerwillig los. Nach erzwungenem Foto kommt uns später der Gedanke, dass das Foto von uns und dem Auto wohl offizielle Gründe hatte und nicht für sein privates Fotoalbum gedacht war…deshalb war der Kerl auch so störrisch. Wie peinlich, schnell weg hier….

In vielen europäischen Köpfen lebt der Mythos vom aufgeräumten, spirituellen Peru voll indigenen Ureinwohnern, die in bunten Ponchos panflötespielend die Götter anrufen und in einer Bilderbuchlandschaft mit Alpakazucht und Käseherstellung leben. Und durch ihren direkten Draht zu den Urahnen und das Wissen um Schicksal und Vorsehung uns allen in weltlichen Belangen irgendwie überlegen sind und einige Zentimeter über dem Boden schweben. Das mag vielleicht das Bild sein, das sich dem Berlintouristen vermitteln soll, wenn er einen Panflöte spielenden CD-Verkäufer auf dem Ku Damm betrachtet – die Realität unserer ersten Tage in Peru ist leider das totale Gegenteil. Der Norden Perus gehört zu den verunstaltetsten Orten, an denen wir in 15 Jahren Reisen gewesen sind. Die Landschaft ist eine beispiellose Müllwüste, aus der sich traurige Häuser ohne Fenster, erbaut aus Sand und Abfall erheben. Es stinkt erbärmlich und es gibt kein Entkommen. Ganze Landstriche sind für die Ewigkeit verwüstet, bestehen aus Resten nicht verrotteter Plastikabfälle und der Anblick könnte kaum trauriger sein. Die Aktion einiger Frauen, die den Wüstensand vor ihren Hütten „fegen“, wirkt im Angesicht des Ausmaßes, fast wie eine irrationale Übersprungshandlung ohne Hoffnung. Die Straßen sind überfüllt mit Tuk Tuk´s, es herrscht geschäftiges Treiben, überall. Aber für uns ist der Gestank des verwesenden Abfalls nicht auszuhalten. Wir fliehen an die Küste, aber dort wird es eher schlimmer als besser, denn dort häufen sich zusätzlich in der Landschaft entsorgte Fischabfälle der Fischerei-Industrie zwischen dem Plastik. Es ist einfach nur deprimierend. Am Strand von Colan, hinter einigen nur halbfertig errichteten und inzwischen längst wieder verfallenen Betonmauern, finden wir ein brauchbares Plätzchen für die Nacht und müssen erst mal mit den ersten Eindrücken Perus und dem extremen Kontrast zu Ecuador fertig werden…

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Schildkrötenfutter mit top Optik 

Wir fahren weiter Richtung Süden, in die „Desierto de Sechula“, 200km Sand und Dünen, versuchen dem Dreck zu entfliehen. Aber als wir den Ort Santa Rosa erreichen, finden wir auch hier Abfall bis zum Horizont. Wir ziehen weiter bis zum Ort Reque. In einem kleinen Hinterhof mit Pool verbringen wir die Nacht. Am Unimog müssen die Bremsbeläge gewechselt werden und hier ist ein guter Ort dafür. Wie verbringen den Tag mit Schrauben und zwischendurch gibt es eine kleine Abkühlung im Pool. Beim Einsammeln des Werkszeugs zahlt es sich aus, dass wir es uns seit unserer Afrikareisen angewöhnt haben, Steine oder Dinge, die am Boden liegen, niemals einfach aufzuheben, sondern vorher immer erst mit dem Fuß umzudrehen. Beim Aufheben von einigen Holzklötzen sitzt unter einen Klotz ein Skorpion. Er ist winzig und bei Skorpionen gilt: je kleiner, desto giftiger! Das hätte böse enden können. Genauso sollte man niemals seine Schuhe über Nacht draußen stehen lassen, denn Skorpione sind nachtaktiv und mögen dieses Versteck.

Mit Huanchaco erreichen wir den ersten Ort in Peru, in dem wir uns wohl fühlen. Hier gibt es etwas Tourismus, was offensichtlich dafür sorgt, dass Landschaft und Straßen verschont bleiben. Wir campieren im Garten eines Hostels und haben wieder einen kleinen Pool neben dem Mog und zwei riesige Schildkröten kommen zu Besuch. Beim Einkaufen haben wir ein unbekanntes Gemüse entdeckt: Es sieht aus wie eine Minikartoffeln, ist innen rot und riecht nach Rübe. Abends braten wir die Knollen wie Bratkartoffeln: Optik 100 Punkte – Geschmack… äh… Schildkrötenfutter. In der Pfanne braten ist ganz offensichtlich nicht der Weg zum Erfolg. Aber den Tieren scheint unsere Zubereitungsart zu gefallen, da sie gar nicht genug von dem Zeug bekommen können, obwohl sie es in rohem Zustand nicht angerührt haben.

Da wir hier seit Langem mal wieder Internet haben, checken wir unser Bankkonto und müssen leider feststellen, dass unsere Visacard gehackt wurde. 4000 Euro fehlen. Eigentlich haben wir schon viel früher mit solchen Problemen gerechnet und ein Anruf bei unserer Bank genügt um das Problem zu lösen. Da alle Abhebungen in den USA getätigt wurden, obwohl wir nachweislich nicht dort sind, bekommen wir anstandslos unser Geld zurück. Wir vermuten, dass der Hack irgendwo in Ecuador stattgefunden hat, da wir dort nur schwer Bargeld am Automaten bekommen haben und immer mehrere Automaten aufsuchen mussten. Das ist ärgerlich, denn nun ist unsere Visacard gesperrt und eine neue zuschicken lassen geht schlecht mit unserer der aktuellen Adresse: Gelber Unimog.

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Kann man essen: Ratte ohne Schwanz

Wir folgen der Piste am Rio Santa, der sich tief in den Fels gegraben hat. Eine abenteuerliche Fahrt entlang von völlig ungesicherten Felsüberhängen, durch winzige Tunnel und tiefe Schluchten. Immer wieder müssen wir Felsbrocken auf der Straße ausweichen oder aussteigen, um die Höhe der Tunnel zu kontrollieren. Die Landschaft um uns ist atemberaubend schön, Felsen in den verschiedensten Farben und Formationen und wir begegnen den ganzen Tag keinem anderen Fahrzeug. Unser Ziel ist der Nationalpark Huascaran auf 4000m Höhe. Langsam aber stetig geht es bergauf und wir wollen uns in den nächsten Tagen wieder an die Höhe gewöhnen. Auf dem Weg dorthin campieren wir auf dem Gelände eines Ausflugsrestaurants und hier ist es endlich soweit: Es gibt zum Abendessen das peruanische Traditionsgericht: Meerschweinchen! Leider ist es trocken und ziemlich mickrig, das haben wir anderenorts schon besser gesehen. Schade, war aber trotzdem eine interessante Erfahrung.

Auf 3800m Höhe erreichen wir die Laguna Chinancocha im Nationalpark. Die Farbe des Wassers ist einfach unglaublich. Umringt von schneebedeckten Gipfeln liegt die türkisblaue Lagune vor uns. Wir lassen uns mit einem Paddelboot über das Wasser fahren und halten immer wieder die Hände in den See und überprüfen das Wasser, da die Farbe so unnatürlich intensiv ist.  Wir kommen uns vor wie in einer Märchenwelt. Die anschließende Wanderung führt uns über unberührte Bachläufe, durch mystische Farnwälder und vorbei an düsteren Felshöhlen. An der Lagune kommen zwischenzeitlich im Minutentakt Busladungen mit Schulkindern an, und es herrscht Trubel am Wasser– offensichtlich ist die Lagune ein äußerst beliebtes Ausflugsziel oder sie steht sogar auf dem Lehrplan.

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Klingonen-Tango im Dauernebel

Zurück zum Meer, zurück zum Müll. Leider. An der Küste geht es weiter Richtung Süden. Nach einem ewigen Fahrtag ohne vernünftige Möglichkeit zum Stehenbleiben landen wir in dem seltsamen Ort Baccaran. Völlig „lost“ und unheimlich. Die Strassen sind menschenleer, Hunderudel ziehen um die leeren Häuser und wir können nicht mit Sicherheit feststellen, ob ein Großteil der Restaurants und Wohnungen verlassen ist oder ob einfach nur gerade keine Saison ist. Im letzten Restaurant des Ortes tanzt ein einsames Pärchen auf der verfallenen Terrasse Tango, er in Klingonenlederjacke, sie im roten Jogginganzug. Die beiden sind die einzigen Gäste, die wir im ganzen Ort sehen und nach unserer Ankunft verschwinden sie sofort auf einem winzigen Mofa. Auf dem Parkplatz vor dem Restaurant richten wir uns für die Nacht ein. Es zieht Nebel auf und am Strand neben uns liegt ein toter Hund. Nach einiger Zeit schleicht der scheinbar letzte Einwohner des Ortes schielend um unser Auto und beginnt den Unimog mit einem Taschentuch zu putzen. Kurz darauf reißt ein älterer Mann im Nachbarhaus seine Haustür auf und fängt an, den Kerl mit Steinen zu bewerfen. Im ersten Moment denken wir, dass er uns meint, aber offensichtlich hat er was gegen den Mogputzer. Wenigstens lassen uns die zwei Dobermänner des Restaurantbesitzers in Ruhe essen. Skurriler Abend.

Wir fahren stundenlang vorbei an unzähligen Hühnchenzuchtanlagen die aus schwarzer Plastikfolie in die Wüste gebaut sind, immer an der Küste entlang. Kein Grün, keine Pflanze, nur Sand und Staub und Hühnerhaltung, so weit das Auge reicht. Über uns der ewige Hochnebel, der die Landschaft in diffuses, trübes Licht hüllt, eine Auswirkung des kühlen Humboldtstromes. Einige Kilometer weiter sorgt dieser Dauernebel für ein kleines Naturwunder: Die Hügel des Reserva National de Lachay. Die Hügel sind nur wenige hundert Meter hoch, aber es reicht, um sie in den ewigen Nebel zu heben, der vom Meer aus über das Land zieht. Der kondensierende Nebel hat aus dem unfruchtbaren Sand eine kleine farbenfrohe und fruchtbare Welt, ohne direktes Sonnenlicht geschaffen, die wie ein surrealistischer Traum inmitten der Ödnis wirkt. Wir machen eine ausgiebige Wanderung durch diese fremdartige Welt aus saftigem Gras, knorrigen, alten Baumstümpfen und Vogelgezwitscher, das irgendwo aus den tiefen des Nebels zu uns getragen wird. Gegen Abend wird der Nebel so dicht, dass wir nur noch wenige Meter weit sehen können und wir machen es uns für die Nacht im Mog gemütlich.

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Dünensurfen mit dem Wohnklo

Wir kämpfen uns durch Perus Hauptstadt Lima, eine Stadt ohne besonderen Charakter, umgeben von Ödland. Endlich erreichen wir die Oase Huachchina, die, wie eine kleine Perle aus dem Orient, zwischen riesigen Dünen in der Wüste liegt. In der Mitte der Oase gibt es eine kleine Thermalquelle, die die Oase mit Wasser versorgt. Der Ort ist ein beliebtes Touristenziel und alle Häuser sind entweder Hostels oder Restaurants. Auf den Parkplätzen stehen Sandbuggys mit 8-10 Sitzplätzen, um die Touristen durch die Dünen zu schippern. Von den hohen Dünenkämmen hat man einen fantastischen Ausblick über das Sandmeer und da wir unseren eigenen „Sandbuggy“ mit nur zwei Sitzplätzen, dafür aber mit Bett und Dusche dabei haben, machen wie eine Tour durch den Sand. Die Dünen reichen bis an die Küste und wir fahren den ganzen Tag querfeldein bis ans Wasser. Dünensurfen mit dem Mog ist immer noch einer der schönsten Beschäftigungen die es gibt. Nach einer kurzen Pause am Meer zieht es uns zurück in den Mog und wir surfen zurück in die Oase, wo wir am Abend gut essen gehen können.

Touristisch erschlossene Orte die für Urlauber hergerichtet und aufgehübscht sind, sind nicht unbedingt das, was wir suchen. Aber es scheint, dass die Anwesenheit von Touristen der einzige Grund ist, einen akzeptablen Umgang mit der Müllentsorgung zu finden. Am Geld, bzw. der Not der Gemeinden und Menschen außerhalb solcher Regionen kann es alleine jedenfalls nicht liegen, denn wir waren in weitaus ärmeren Regionen ohne jegliche touristische Infrastruktur unterwegs, die einen anderen Umgang mit diesem Thema gefunden haben.

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Kaligraphie und Klischeekäse

Vorbei an den berühmten Nascalinien führt die endlose Strecke durch die Wüste Richtung Cusco. Direkt am Straßenrand gibt es einen kleinen Aussichtsturm, von dem aus man einige der berühmten Linien sehen kann. Will man mehr als das, bietet sich ein Rundflug mit einer kleinen Chartermaschine an oder das Besteigen eines der umliegenden Hügel. Uns reicht der Blick vom Turm. Bemerkenswert ist, dass das Freilegen und Erforschen dieser geheimnisvollen und fast verschwundenen Linien das Lebenswerk der deutschen  Mathematikerin Maria Reiche ist, die dafür mit der höchsten Auszeichnung Perus, dem „Sonnenorden“ ausgezeichnet wurde.

Wir schaffen einen neuen Höhenrekord und der Mog hustet sich hoch bis auf 4600m Höhe. Hier oben wird selbst das schälen einer Mandarine zur Anstrengung. Um uns herum liegt eine wunderschöne Graslandschaft mit großen Vikunjaherden. Wir passieren viele kleine Ortschaften, in denen die Menschen tatsächlich von Viehzucht und Käseverkauf leben und in bunte Ponchos gekleidet sind. Das Bild, das sich uns hier bietet, entspricht nun so stark dem Klischee, das wir es fast nicht für wahr halten. Die Bewohner bleiben auf Distanz und was in den Köpfen der Menschen vorgeht ist für uns nur schwer zu erahnen. Zu groß ist die Kluft zwischen reisenden Europäern und der indigen Landbevölkerung hier oben in den Anden. Der Kontakt ist mühsam, viele sprechen kein spanisch und zu stark wiegt die Vergangenheit der Kolonialisierung und Vertreibung der Ureinwohner aus dem eigenen Land. Die Region um Cusco ist das Gebiet, in dem das am stärksten zu spüren ist. Und vom Übernachten auf freier Strecke wird hier abgeraten. Uns gegenüber sind die Menschen zurückhaltend, aber nicht unfreundlich. Neugierig werden wir beobachtet, ab und zu auch mal gegrüßt, aber die meisten bleiben auf Abstand. Am einfachsten gelingt uns der Kontakt mit Kindern, die ihr Schulenglisch testen wollen, aber auch das bleibt eine sehr seltene Ausnahme. Wir versorgen uns bei einem Bauern mit einem großen Käse und bleiben an einem der Quellflüsse des Amazonas stehen, der hier als kleine Thermalquelle entspringt und ein beliebtes Ausflugsziel ist.

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 Polizeieskorte für trottelige Europäer

Da wir lieber selbst mit Landkarten navigieren, als stupide einer Stimme aus einem Navi zu folgen, haben wir keine Straßennavigation an Board, die in der Lage ist, uns durch die Großstädte auf unserer Reise zu lotsen. Und das ist wohl der Grund, weshalb wir uns praktisch in jeder größeren Stadt verfahren und diese so mehr oder weniger unfreiwillig, dafür aber besonders intensiv, kennenlernen. So auch in Cusco. Wer schon mal in Cusco war, weiß, dass es da eng zugeht. Und wenn auch noch umfangreiche Straßensperrungen wegen einer Veranstaltung dazu kommen, wird’s haarig. Vor allem, wenn man zwar die Koordinaten eines Campingplatzes hat – ihn praktisch schon am Hang sehen kann – aber keinen Plan hat, wie man durch die Stadt da hinkommen soll. Ja, dann wird’s unter Umständen auch mal richtig lustig – zumindest für die Zuschauer. Es dauert jedenfalls nicht sehr lange, bis wir in irgendeiner Cuscoer Kopfsteinpflaster-Minisupereng-und-Uraltstrasse feststecken, da Einbahnstrasse und Sackgasse in einem. Ja, so was gibt’s in Cusco! Und es dauert auch nicht lange, bis ein Polizist vorbei kommt, uns ansieht – kurz nachdenkt – und dann einen Lachanfall bekommt. Hähä….huhu…. Herr Polizist… Los, einfach freundlich winken…und dann….äh…am besten verstecken. Oder so.

Nach einem kurzen Gespräch mit uns und über unser Ziel, brabbelt der Polizist etwas in sein Funkgerät, setzt sich auf sein Motorrad, schmeißt das Blaulicht an und gibt uns zu verstehen, dass er uns nun eskortieren wird. Und so geht es durch sämtliche Einbahnstrassen der Cuscoer Innenstadt in verkehrter Richtung (!), mit dem Mog quer über den Kirchplatz (!) und durch die Fußgängerzone (!), vorbei an anderen salutierenden Polizisten (!), immer dem Blaulicht hinterher, bis wir irgendwann am Campingplatz ausgespuckt werden. Diesen Weg hätte kein Navi der Welt finden können… Dankedankedanke! Der Campingplatz in Cusco ist ein bekannter Treffpunkt für Reisende, die mit dem eigenen Fahrzeug unterwegs durch Südamerika sind, und so verbringen wir einige Tage in netter Gesellschaft, tauschen Informationen aus und schließen Freundschaften.

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Geheimnis gelüftet: Richard Clyderman ist Peruaner!

Der Besuch von Machu Picchu ist ein Muss für einen Perureisenden. Das wissen auch die Peruaner und so ist der Preis für die Zugfahrt und den Eintritt auch eine echte Hausnummer: Etwa 200€ pro Person muss man für Bahnfahrt, Bus und Eintritt rechnen, da man nicht direkt mit dem Auto vor die Tür fahren kann. Zu viele Einzelheiten sparen wir uns jetzt hier, da es unzählige Möglichkeiten gibt, auf den berühmten Berg zu gelangen, billig ist aber keine davon. Am günstigsten wird es, wenn man mit dem eigenen Auto bis Hydro Elektrika fährt, dort übernachtet und die Tour von dort aus mit der Bahn startet.

Als wir den kleinen Bahnhof erreichen, steht in der Ecke der Bahnhofshalle tatsächlich ein Panflötenspieler im bunten Poncho, der mit Elektrohall verschönerte peruanische Traditionsmelodien von Richard Clayderman zum Besten gibt. Wir wussten ja gar nicht, dass Richard Clyderman Peruaner ist! Die selbstgebrannten CDs gibts für 10U$ direkt aus dem Panflötenkoffer. Nach der Bahnfahrt steigen wir in Aquas Calientes noch mal in den Bus um (alternativ wären es ca. 2 Stunden Fußmarsch steil bergauf) und nach 15 Minuten Fahrt sind wir auf dem wahrscheinlich berühmtesten Hügel der Welt. Ohne Zweifel: es lohnt sich! Der Besuch dieser alten Mauern ist schon umwerfend. Dabei sind es weniger die einzelnen Bauwerke die so spektakulär sind, sondern es ist vor allem die unglaubliche Lage und Atmosphäre dieses Ortes! Wir finden es an diesem Tag auch nicht zu voll und schaffen es sogar einige Fotos zu schießen, auf denen keine anderen Touris zu sehen sind. Besonders erwähnenswert sind auch die wahren Herrscher des Machu Picchu: Die Lamas. Völlig unbeeindruckt von dem ganzen Trubel wandern sie durch die Touristenströme, zupfen sich irgendwo ein frisches Grasbüschel und schieben sich dann kauend in die Portraitaufnahmen ahnungsloser Touristen.

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Auf nach Bolivien!

Wir kehren zurück zum Campingplatz nach Cusco (diesmal schaffen wir es ohne Polizeieskorte) und bleiben noch einige Tage hier. Die Stimmung auf dem Platz ist gut, die meisten Reisenden kommen nach dem Besuch des Machu Picchu noch mal hier her zurück, so dass es eine Menge zum diskutieren gibt. Abends wird ein schönes Lagerfeuer angezündet und etwas Fleisch auf den Grill geworfen, und dann summen wir gemeinsam bis zum schlafengehen andächtig die „Ballade pour Adeline“…

Auf nach Bolivien! Wir machen uns auf den Weg zum Titicacasee Richtung bolivianischer Grenze. Unsere letzte Station in Peru ist der Ort Puno und hinter einem kleinen Hotel stehen wir am Wasser des Titicacasees. Angeln ist hier zwecklos, denn es gibt wegen der starken Wasserverschmutzung keine Fische mehr!  Wir treffen einen Kölner Vespafahrer, der bereits seit 18 Monaten unterwegs ist. Seine kleine gelbe Vespa passt ausgezeichnet zu unserem Mog.

Danach heißt es Abschied nehmen von Peru, diesem Land, das so abwechslungsreich und gegensätzlich ist. Kein Land auf unserer Tour war bisher so vielseitig. Und in keinem Land schwankten wir so extrem zwischen Ablehnung und Begeisterung. Peru ist eine Reise Wert – unbedingt! Wir haben vorher eine Menge über Peru gelesen und Vieles von anderen Reisenden gehört. In unseren Köpfen herrschten sicher nicht die üblichen Klischees. Aber trotzdem begegnete uns Peru völlig anders, als wir es erwartet hatten.

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Ecuador 13. Januar 2015

Filed under: Allgemein — tichyx @ 12:48

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Fortschritt bedeutet in Ecuador nicht „einfacher“, sondern „teurer und in bunt“. Wir prusten los, als man uns am Grenzschalterchen unsere s/w Kopien kopfschüttelnd zurück durch den Schlitz schiebt und uns erklärt, dass man das alles in Farbe von uns erwartet. Das ist zum Glück schnell erledigt, denn wie üblich gibt es direkt neben den Grenzschaltern diverse Copyshops, die ihren Service nun in Form eines Farbkopierers anbieten. Interessant daran ist, dass man uns vor der Abreise in Deutschland in diversen Copyshops abgewiesen hat, als wir Farbkopien unserer Pässe anfertigen wollten. Angeblich ist das Farbkopieren von offiziellen Dokumenten in Deutschland verboten.

Ist es nun voreilig daraus zu schließen, dass noch mehr „Fortschrittlichkeit“ schlussendlich in „Verboten“ mündet? Spannend, vielleicht brauchen wir irgendwann gar keine Kopien mehr…

Ecuador ist eine völlig andere Welt als Mittelamerika. Das merken wir nicht nur an der farbenfrohen Bürokratie, sondern sofort am Gesamtbild, das sich direkt hinter dem Grenzübergang vermittelt. Alles ist ruhiger und weniger chaotisch. Die Menschen sind sehr traditionell gekleidet und fast ausschließlich Indigene beherrschen das Straßenbild. Wir finden im Ort Otavalo einen schönen Stellplatz am See und machen uns sofort auf den Weg, um die neue Umgebung zu erkunden. Seit langem sehen wir wieder einige Hotels, die auf internationalen Tourismus ausgerichtet sind. Die Menschen sind zwar nicht mehr so überschwänglich wie in Kolumbien, aber trotzdem sehr gastfreundlich.

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Nach 210 Tagen: getrenntes Bett

Am nächsten Tag hat unser Weg vor allem eine Richtung: bergauf. Auf fast 3000m Höhe erreichen wir die Stadt Quito. Und wie es sich für große Städte auf unserer Reise gehört, verfahren wir uns natürlich in dem Gewühl und bekommen so einen schönen Einblick in die höchste Hauptstadt der Welt.

Irgendwo hier in der Nähe muss doch der Äquator sein..? Wir sind gespannt und wollen den Moment natürlich nicht verpassen, wenn wir nach 28.000km und 10 Ländern endlich die Südhalbkugel erreichen. Gespannt warten wir, ob denn plötzlich alles auf dem Kopf steht – aber nichts passiert. Und nach einiger Zeit wird uns klar, dass wir schon längst „Down Under“ sind und völlig unbemerkt und ganz unspektakulär über die „Linie“ gefahren sind. Einige Kilometer weiter erreichen wir das „offizielle“ Äquatormonument. Ein großer Monolith, der nach den Himmelrichtungen ausgerichtet ist und exakt auf dem Äquator steht. Wir fragen, ob wir auf dem Parkplatz die Nacht verbringen dürfen, aber es kommt noch besser: die Security ist so extrem nett und überschwänglich, dass wir uns gar nicht dagegen wehren können und so „müssen“ wir die Nacht AUF dem Gelände und genau genommen sogar AUF dem Äquator verbringen. Den Versuch, unseren Mog so auszurichten, dass die eine Betthälfte auf der Nordhalbkugel – und die andere auf der Südhalbkugel steht, haben wir aber nach kurzer Zeit aufgegeben. Die ganze Mühe hätten wir uns auch sparen können, denn am nächsten Tag erfahren wir, dass das Monument gar nicht auf dem tatsächlichen Äqutor steht. Da hat sich der messende Franzose 1736 leider um 240m vertan. Wir ignorieren diese Kleinkrämerei selbstverständlich – wir haben auf dem Äquator übernachtet. Punkt.

Nebenbei sei bemerkt, dass vor kurzem rein zufällig ein Gleitschirmflieger in der Nähe der „Mitad del Mundo“ auf dem Berg Catequilla die Überreste eines Bauwerks aus der Präinkazeit entdeckt hat, das tatsächlich den Äquator markiert und bereits vor über 1000 Jahren errichtet wurde. Wer hat eigentlich den Farbkopierer erfunden? Ach, das war auch ein Franzose und gar nicht die INKa? Na gut.

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Antarktis am Äquator

Vulkane! Vulkane! Vulkane! So, oder so ähnlich könnte man einen Reiseführer von Ecuador an einem Marktstand anpreisen. Es gibt so viele, dass man ihnen gar nicht aus dem Weg gehen kann. Also müssen wir uns natürlich auch auf den Pululahua Vulkan schleppen. Der ist erloschen und auch gar nicht so hoch, aber es ist sauwarm und deshalb kommt es uns hoch vor. Vom Kraterrand aus können wir die riesige Ebene am Boden des Kraters überblicken, die seit vielen Jahren von Bauern beackert wird und äußerst fruchtbar ist. Es hat sich eine kleine Siedlung im 3km breiten Krater gebildet und beim Anblick wird uns ein wenig unwohl. Hoffentlich ist der Vulkan tatsächlich vollständig erloschen. Dass das so ist, hat 1852 ein französischer Geologe festgestellt.

In Los Frailes genießen wir das letzte Mal das warme Meer und die sommerlichen Temperaturen. Je weiter wir Richtung Süden kommen, desto größer wird der Einfluss des Humboldtstromes, der arktisch kaltes Wasser an der Küste entlangspült, und einen wesentlichen Einfluss auf das Klima hat. Das ist so wie bei uns in Europa mit dem Golfstrom, nur ganz anders. Ob die niedliche Vogelpinne im kalten Wasser erfroren oder ertrunken ist können wir leider nicht mit Sicherheit feststellen.

Wir steuern Puerto Lopez an, einer der besten Walbeobachtungsspots der Welt. Inzwischen hat der Humboldtstrom das Klima fest im Griff und die Temperatur steigt nicht mehr über 20°C – und das auf Höhe des Äquators! In den Klippen finden wir den Campingplatz „Islamar“, der ganz wunderbar in die Landschaft integriert ist und der bereits von Land aus einen perfekten Ausblick auf die Gewässer bietet. Nach ein paar Minuten entdecken wir schon die ersten Walflossen im Meer und bewaffnet mit Feierabendbier und Fernglas bekommen wir einen Vorgeschmack auf das, was uns am nächsten Tag erwartet.

Um 10 Uhr morgens geht es los. Wir werden am Strand direkt vor dem Campingplatz von zwei Fischern mit ihrem Boot abgeholt. Organisiert haben wir die Tour am Abend zuvor. Eine kurze Anfrage bei den Campingplatzbetreibern reicht und schon geht es für ein paar Dollar raus zu den Walen. Eine ganze Weile schippern wir durch die Wellen und halten alle gespannt Ausschau. Zwischendurch werden wir von den Fischern mit Mandarinen gefüttert, das soll wohl gegen Seekrankheit helfen, aber uns geht’s gut. Nach 30 Minuten erfolgloser Suche werden selbst die Fischer langsam nervös, da sie Sorge haben, ihren Auftrag nicht erfüllen zu können.

Kurz darauf entdecken wir etwa 400m entfernt den ersten »Blas« eines Buckelwales. Der Fischer am Steuer gibt Vollgas und wir preschen über die Wellen hin zum Tier. In sicherem Abstand von ca. 50m geht er vom Gas und wir können eine Buckelwalmutter mit ihrem Jungtier beobachten. Zuerst springt die Mutter aus dem Wasser und klatscht mit einer riesigen Wasserfontäne wieder ins Meer, kurz darauf folgt das Kalb. Was im ersten Moment wie reine Lebensfreude und Spaß wirkt, ist in Wahrheit eine deutlich Botschaft an uns: nicht näher kommen, sonst gibt’s Ärger. Wir umkreisen die beiden Wale noch ca. 20 Minuten und können dabei ein paar schöne Fotos machen, dann geht es zurück an Land. Eine wirkliche beeindruckende Begegnung, der Ausflug hat sich gelohnt!

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Kopfweh am Cotopaxi

Hochnebel den ganzen Tag. Auch der ist eine Auswirkung des Humboldtstromes. Wir steuern den höchsten aktiven Vulkan der Erde an und ziehen die 4200 Höhenmeter zum Cotopaxi in einem Stück durch. Als Faustregel gilt: Die Luft enthält ca. 10% weniger Sauerstoff pro 1000 Höhenmeter. Das ist nicht nur für den Menschen anstrengend, sondern auch für den Mog. Der Motor klingt wie ein Sack Muscheln, er qualmt ohne Ende und beschert uns einen schwarzen Aufbau hinter dem Auspuffrohr. Da die Einspritzpumpe des Motors nach wie vor 100% Diesel einspritzt, aber nur noch etwa 60% Sauerstoff zur Verfügung stehen, wird ein Großteil des Diesels unverbrannt ausgestoßen. Besonders bei Bergabfahrten führt das zu amtlichen Fehlzündungen: Wenn sich der unverbrannte Diesel im Auspufftopf sammeln kann und dann beim Gasgeben mit einer kleinen Explosion verdampft. Bei Bergauffahrten gleicht der Turbolader einen Teil des Luftdruckunterschiedes wieder aus, aber das Turboloch wird in diesen Höhen endlos groß, und wenn die Leistung dann abrupt einsetzt, müssen wir aufpassen, dass der hochdrehende Turbo in der dünnen Luft nicht überdreht.

Obwohl wir eigentlich schon zu spät dran sind, dürfen wir ausnahmsweise noch in den Nationalpark rund um den Kraterrand, und wir erreichen dann auf 3800m unseren Stellplatz am Fuße des Kraters. Es ist eisig kalt, fast 0 °C und hier oben macht unsere Webasto Standheizung das erste Mal schlapp. Ohne Höhenkit springt sie nicht mehr an. Eigentlich hatten wir schon viel früher mit diesem Problem gerechnet, aber bis 3400m Höhe hat sie bisher klaglos ihren Dienst getan. Wir schalten um, auf die für große Höhen modifizierte Pumpe und schon läuft die Heizung wieder. Gut so – denn diese mickrige Pumpe war unverhältnismäßig teuer.

Die Nacht wird alles andere als erholsam. Jetzt rächt es sich, dass wir den Aufstieg von Meereshöhe bis zum Krater ohne erneute Eingewöhnung an die Höhe vorgenommen haben. Uns erwischt die Höhenkrankheit und mit tierischen Kopfschmerzen müssen wir am nächsten Morgen die Flucht nach unten antreten. Sehr schade, denn eigentlich wollten wir Richtung Kraterrand wandern und diese wunderschöne Landschaft genießen. Nur wenige hundert Meter Abstieg reichen und die Kopfschmerzen sind verschwunden.

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Betrunkene Liebesdamen am Abgrund

Vulkane! Vulkane! Vulkane! Haben wir ja schon gesagt, aber da lassen wir uns nun vom Cotopaxi herunterrollen und landen praktisch direkt in den Armen des nächsten Vulkans. Asche, Rauch und tapfere Einwohner am Kraterfuß: der Vulkan Tungurahua mit dem kleinen Wallfahrtsort „Banos“. Die Lage dieses kleinen Ortes ist einfach spektakulär! Der Ort liegt am Rand einer gigantischen Abbruchkante, gerade so, als könnte der nächste Ausbruch des Tungurahua den Ort von der Ebene schubsen. Und das so etwas passieren könnte, hat der Tungurahua (je öfter man es liest, um so leichter wird es!) erst 1999 bewiesen und Banos unter eine dicke Ascheschicht gelegt. Das Militär hat daraufhin den Ort evakuiert und komplett geschlossen. Als die evakuierte Bevölkerung irgendwann mitbekam, dass das Militär Prostituierte und Alkohol in größeren Mengen in das besetzte Banos schaffte, haben sie sich ihren Ort zurückerobert – ganz ohne Blutvergießen. Anschließend wurden leichte Mädchen, leere Flaschen, Asche und Soldaten ordentlich über die Kante gefegt und der Ort fein geputzt. Seit diesem Tag verlassen sich die Banoer…. Banonesen… die Einwohner darauf, dass Banos auch beim nächsten Ausbruch wieder so glimpflich davon kommt.

Der Ort hat eine Menge zu bieten. Neben der tollen Landschaft gibt es hier heiße schwefelhaltige Quellen und dementsprechend viele Thermalbäder, Hotels, Hostels, Restaurants und Touristen. Wir bleiben einige Tage und stehen auf dem Parkplatz eines Thermalbades. Wir unternehmen Wanderungen in die Umgebung und klettern in den Bergen herum . Der Ort Banos mit dem bedrohlichen Tungurahua (na, jetzt gehts schon viel besser, oder?) gehört eindeutig zu den schönsten Orten unserer bisherigen Reise – ein Besuch, egal, ob als Overlander mit dem eigenen Fahrzeug oder als Backpacker, lohnt sich sehr!

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Schrödingers Katze Einsteins Hund

Einen Abend haben wir in Banos, bei einem Schweizer Gastronom, ausgezeichnet gegessen und dort einen Aushang entdeckt, dass es einen Campingplatz außerhalb Banos unter gleicher Leitung gibt. Etwa zwei Stunden Fahrzeit von Banos entfernt, direkt an einem großen Fluss gelegen. Wir machen uns auf den Weg und finden einen tollen Stellplatz direkt am Wasser, noch bevor wir den Campingplatz erreicht haben. Es ist seit langer Zeit das erste Mal, dass wir wieder frei stehen können. Die Gelegenheit lassen wir uns natürlich nicht entgehen und packen die Angelausrüstung aus. Nach zwei Stunden angeln steht fest: Zum Abendessen gibt es Fleisch aus dem Kühlschrank. Aber den Versuch war es Wert.

Bei einem kleinen Verdauungsspaziergang entdecken wir im Sand des Ufers, direkt vor dem Mog, riesige Spuren von einem Wolf…. oder Hund, so ganz sicher sind wir uns da nicht. Um unseren Jägerstolz nach misslungener Angelaktion wieder etwas aufzupolieren, bauen wir aus unserer Mülltüte voll Essensresten, Angelschnur und einem Glöckchen eine Alarmanlage direkt vor dem Mogfenster auf. Wir verbinden den Müll über die Angelschnur mit der Bimmel am Bett. Das Steak war lecker, also werden uns die Reste bestimmt ein hübsches Foto auf das Flussmonster ermöglichen. Wir können es kaum erwarten ins Bett zu kommen und legen uns mit Taschenlampe und Kamera auf die Lauer.

Wir haben ausgezeichnet geschlafen in dieser Nacht und sind durch rein gar nichts gestört worden. Und so packen wir am nächsten Morgen beleidigt unseren unangetasteten Müll wieder ein und beschließen, dass es sich eindeutig um ein hochintelligentes – wahrscheinlich mutiertes – Urwaldtier handeln muss, das unsere Falle durchschaut hat und außerdem auch sehr gut schwimmen und tauchen kann und so den gesamten Fischbestand im Fluss leergefressen hat. Eine andere Erklärung kann es für unser Jagdpech an diesem Ort eigentlich nicht geben. Weg hier.

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Deutschland vs. Holland 1:0

Es geht zurück in die Berge. Wir wollen in den Nationalpark Cajas auf 4000m Höhe. In den Bergen hängt der Nebel und die Sichtweite ist beängstigend gering. Zeitweise geht es nur im Schritttempo durch die Suppe und wir beten, dass uns kein Wahnsinniger entgegenkommt, der trotz fehlender Sicht überholt. Wir kurven ewig durch die Gegend um einen Stellplatz für die Nacht zu finden. Es gibt zwar die Möglichkeit am Parkeingang auf 4000m Höhe zu übernachten, aber das trauen wir uns nicht, da wir noch nicht ausreichend an die Höhe gewöhnt sind. Eine Albtraumnacht wie am Cotopaxi reicht. Am wohl hässlichsten Imbiss der Anden streichen wir die Segel und bleiben einfach stehen. Inzwischen ist uns alles egal, haupsache nicht mehr weiter durch den Nebel fahren. Um das hübsche Übernachtungsplätzchen nutzen zu dürfen, müssen wir natürlich auch in dem Laden essen. Das Essen war dann doch nicht so schlimm, wie es das Ambiente versprochen hat und so gehen wir mit der Hoffnung auf Sonne am nächsten Tag in die Heia. Da wir alles brav aufgegessen haben, wurde unsere Bitte erhört und am nächsten Morgen werden wir mit strahlend blauem Himmel von der Sonne geweckt. Ruckzuck sind wir wieder auf 4000m und im Cajas Nationapark. Der Park bietet eine atemberaubende Landschaft mit tollen Farben, vielen Lamas und Seen. Die rund 10km lange Wanderung geht in dieser Höhe ganz schön auf die Puste und so leisten wir uns einen verbissenen Wettkampf mit einer holländischen Rentnergruppe, wer zuerst wieder am Eingang ist. Obwohl die Flachländer versuchen zu mogeln und heimlich Abkürzungen nehmen, geht der Sieg eindeutig an Deutschland. Ha! Haha! Das ist die Rache für die Spucke 1990! Ziemlich ausser Atem und reichlich stolz eine Gruppe Rentner, die im Schnitt rund 25 bis 30 Jahre älter sind als wir, plattgemacht zu haben, geht es wieder runter auf 3000m. Dort treffen wir auf die Schweizer Motorradfahrer Karin und Michael, die bereits seit 16 Monaten unterwegs sind. Sie sind in der Schweiz gestartet, bis in die Mongolei gefahren und haben erst dann nach Kanada verschifft. Wir teilen unsere Vorräte und werfen zusammen was wir haben –als dann der Regen einsetzt, machen wir es uns zum Essen gemeinsam im Mog gemütlich.

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Der Zaubertrank

Fährt man nach Ecuador, muss man nach Vilcabamba. Denn in diesem winzigen Ort, mitten in der tiefsten Provinz Ecuadors, gibt es ein Phänomen, das die Einwohner dieses Ortes zu Weltmeistern macht: im Lügen!

Vilcabamba ist landesweit bekannt durch seine überdurchschnittlich hohe Lebenserwartung. Deshalb nennt man es auch das Tal der Hundertjährigen. Einige Einwohner Vilcabambas wurden trotz hohem Alkoholkonsums 120 Jahre alt und starben dann ohne schwere Erkrankungen eines natürlichen Todes. Unter anderem deshalb trägt die Hauptstrasse des Ortes den Namen Avenida de la Eterna Juventud. (Allee der ewigen Jugend).

Dieses Altersphänomen wird von einigen Wissenschaftlern auf eine negative Ionenladung der Luft zurückgeführt, andere behaupten, es läge am Wasser, am Klima, an der Ernährung oder der ständigen Bewegung der Einwohner.

Tatsächlich hat man mit Hilfe einer Studie 1979 herausgefunden, dass das überduchschnittliche Alter der Einwohner auf eine systematische Übertreibung bei der Angabe ihres Alters zurückzuführen ist. Durch einen Abgleich verschiedener Dokumente und einer selbst durchgeführten Datenerhebung hat sich gezeigt, dass z.B. der Bewohner Miguel Carpio im Alter von 61 Jahren angegeben hat, er sei 70. Fünf Jahre später sagte er, er sei 80, im Alter von 87 behauptete er 121 zu sein. Am Ende kommt die Studie zu dem Ergebnis, dass die Lebenserwarteung im Ort Vilcabamba genau dem Durchschnitt entspricht. Nebenbei sei bemerkt, dass der Handel mit dem „besonderen“ Wasser aus dem „Tal der Hundertjährigen“ein ziemlich gutes Geschäft ist.

Wir campen am Ortsrand bei der Hosteria Izhcayluma, die sich inzwischen zu einem kleinen Treffpunkt für Overlander entwickelt hat. Zu Recht, wie wir finden, denn die Lage der Hosteria ist grandios. Es ist gemütlich, es gibt gutes und günstiges Essen und man kann sich die Wassertanks mit „Zaubertrank“ aus der Leitung auffüllen.

Hier bleiben wir ein paar Tage, unternehmen Wanderungen in die Umgebung, machen einen größeren Service am Unimog und tauschen uns mit anderen Reisenden aus. Denn die nächste Etappe führt uns schon wieder an die nächste Grenze und ins nächste Land: Peru. Hätten wir doch nur auf den Ratschlag unserer Stellplatznachbarn Margot und Günther gehört, die uns davor gewarnt haben hinter der Grenze direkt an die peruanische Küste zu fahren. Aber davon mehr in unserem nächsten Blogeintrag…

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Kolumbien 26. Dezember 2014

Filed under: Allgemein — tichyx @ 19:31

Der Flug von Panama City nach Cartagena/Kolumbien verläuft völlig entspannt und die Einreise – diesmal ohne Unimog und der damit verbundenen Aduana-Fotokopienpanik – innerhalb von 3 Minuten. Stempel in den Pass – fertig. Auch mal schön. Wir sind guter Dinge, dass wir in drei Tagen wieder mit dem Mog starten können und wollen die kurze Unterbrechung nutzen, um uns Cartagena anzusehen. Der eigentliche Transport des Mogs auf dem Frachtschiff dauert zwar nur etwa 24 Stunden, aber zwei Tage für den Zoll und die Abholprozedur müssen wir zusätzlich einrechnen.

Wir beziehen in der Altstadt von Cartagena ein kleines, aber feines Hotel, mit Pool und Dachterrasse – dafür hat das Zimmer leider kein Fenster. Man kann eben nicht alles haben.

Die Sonne brennt, doch die Luftfeuchtigkeit ist nicht mehr so extrem hoch und deshalb ist das Klima hier viel angenehmer. Cartagenas Altstadt ist sehr lebendig, touristisch, wunderschön erhalten und mit viel Patina. Die Stadt wird zu Recht „Die Perle der Karibik“ genannt. Es gibt unzählige Restaurants, kleine Parks und rund um die Altstadt eine dicke, alte Stadtmauer. Oben drauf ein Café, das mit seinem fantastischen Ausblick zurecht den Namen „Café Del Mar“ trägt.

Im Netz kontrollieren den Vesselstatus des Frachtschiffes, auf dem der Mog steht und staunen nicht schlecht, als wir sehen, dass die „Agata M“ noch immer unbewegt vor Colon in Panama liegt. Damit hat sie schon mal mindestens einen Tag Verspätung.

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Tukan-Terror

Am nächsten Tag bekommen wir eine Email von SC Line – die Reederei, mit der unser Mog verschifft wird – und erfahren, dass das Schiff einen technischen Defekt hat. Aha. Es heisst, das Schiff wird leider erst „mañana“, also morgen losfahren können. Zu diesem Zeitpunkt ahnen wir noch nicht, was die wahre Bedeutung des Wortes „mañana“ in Panama besagt (denn da sitzt SC Line). Aber nach unseren bisherigen Erfahrungen mit den Panamesen, hätten wir es zumindest ahnen können…

Nach drei Tagen in der Altstadt von Cartagena müssen wir das Hotel wechseln – länger haben wir nicht gebucht. Da wir es uns wenigstens gut gehen lassen wollen, wenn wir schon in einem Hotel wohnen, ziehen wir in das beste Hotel am Platz, das „Caribe“ auf Boca Grande. Da es in der aktuellen Mail von SC Line nun schon zum dritten mal hintereinander „mañana“ heisst, kann es ja nicht mehr lange dauern…

Und das „Caribe“ ist ist wirklich ein tolles Hotel – ein altehrwürdiger Koloninalbau in bester Lage. Mit einem schönen Pool und einem botanischen Garten, von dem sich so mancher Zoo eine Scheibe abschneiden könnte. Wir staunen nicht schecht, als am Pool zuerst ein Reh zwischen den Badegästen herumläuft. Kurz darauf kreuzt ein Faultier den Weg zur Bar und anschließend kommen sie: die Tukane.

Das Vögel freche Tiere sein können und ziemlich intelligent sind, weiß man spätestens seit Alfred Hitchcocks „Die Vögel“. Und wenn man einen Nachmittag am Pool des „Caribe“ verbracht hat, dann ahnt man, dass der Alfred die Idee zum Film wahrscheinlich hier gehabt haben muss. Zuerst nähern sich die Vögel mit den eindrucksvollen Schnäbeln hüpfend und in großen Kreisen um das Objekt der Begierde: den Badegast oder genauer: dessen Badeliege. Die Kreise werden enger gehüpft und es dauert nicht lange, bis man, nichtsahnend auf seiner Badeliege, den ersten Schnabel im Blickfeld wahrnimmt. Aus ca. einem Meter Abstand wird man nun erst mal ausgiebig beäugt. Zu diesem Zeitpunkt ist in den Augen des Vogels bereits die aufmüpfige Entschlossenheit zu erkennen, die dann folgt: der scheinbar harmlose Piepmatz springt einem auf den Bauch oder den Arm, zumindest aber auf die Liege und fängt an, einen zu zwicken. Kräcker oder Melonenstückchen nimmt er gerne und frisst sie, aber ganz offensichtlich ist das nicht das Ziel des Anfriffs, denn die Pisackerei geht weiter. Erst wenn man die Liege fluchtartig verlassen hat und sich der Vogel breit machen kann, gibt er Ruhe. Wer jetzt glaubt, dass das nicht sein kann – is doch nur ein oller Vogel – der soll doch bitte mal seinen Finger in einen Tukanschnabel stecken und seine Behauptung anschliessend noch einmal schreien.

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Käpt´n Blaubär jetzt bei SC Line?

Inzwischen haben wir Kontakt zu anderen Reisenden, deren Fahrzeug auch auf dem Schrottkahn von SC Line gefangen gehalten wird. Wir verabreden uns mit Vivian und Holger in der Stadt. Die Beiden sind mit einem MAN im gleichen Gelb wie unser Mog unterwegs und wir verstehen uns auf Anhieb gut.

Von ihnen erfahren wir, dass auch Catalina und Johann (aus Argentinien) hier in Cartagena festhängen, da deren Fahrzeug auch auf dem Schiff ist. Wir organisieren einen gemeinsamen Besuch im Büro von SC Line am nächsten Tag, um Druck zu machen und endlich die wahre Bedetung des Wortes „mañana“ zu erfahren. Denn inzwischen finden wir das alles nicht mehr wirklich lustig. In den Emails werden wir nur hingehalten, es gibt keinerlei verlässliche Informationen, wir haben alle nur Klamotten für 2-3 Tage dabei und die Hotelkosten steigen – vor allem, wenn man nicht abschätzen kann, wie lange das alles dauern soll und sich nicht demenstprechend einrichten kann.

Der Besuch verläuft, wie zu erwarten: man sei hier in Kolumbien nicht zuständig und huch, ganz überraschend: mañana solls tatsächlich losgehen.

Wir sind alle stinksauer und schießen nun aus allen Rohren und in alle Richtungen: Emails an die Agenten, an die Reederei, wir fordern die AGB´s um unsere Rechte zu prüfen, Kontaktieren einen Fachanwalt aus dem Bekanntenkreis, etc. Nach diesem Donnerwetter gibt es endlich eine ernstzunehmende Reaktion der Reederei: wir erfahren, dass das Schiff einen Motorschaden hat und Ersatzteile auf dem Weg sind. Inzwischen ist etwa eine Woche vergangen und wir sollen uns auf eine weitere Woche Wartezeit einstellen. Hurra.

Nach vier weiteren Hotelwechseln mit zunehmend sinkender Sternezahl, diversen Ausflügen ins Umland, einigen Tobsuchtanfällen und ca. 1000 Emails, Telefonaten und „mañanas“ später, legt die Agata M endlich und tatsächlich in Cartagena an. Am Ende sind es 4 Wochen geworden, die wir in Cartagena warten mussten. Aber das Beste kommt bekanntlich zum Schluß: als wir im Hafen unsere Fahrzeuge abholen und kontrollieren, stellen wir fest, dass der MAN von Vivian und Holger und der Camper von Catalina und Johann aufgebrochen und ausgeraubt wurden – fein säuberlich und mit aller Zeit der Welt, denn die hatten die Damen und Herren von SC Line auf dem Schiff ja zur genüge. Am Mog finden wir auch einige Spuren, aber hier zahlt es sich aus, dass wir unsere Fenster selbst konstruiert und gebaut haben und somit die Einbruchversuche ohne Erfolg blieben.

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Fazit Verschiffung Panama/Kolumbien

Im Prinzip ist die Verschiffung tatsächlich nervig und unverhältnismäßig teuer, aber wenn alles nach Plan verläuft, keine Hexerei – dass das Schiff in unserem Fall einen Motorschaden hatte, ist hoffentlich eine seltene Ausnahme.

Die Agentin Tea Kalmbach können wir empfehlen, von Ihrer Tochte Amy (sie regelt alles vor Ort, während Tea in Wirklichkeit in Argentinien lebt und alles per Mail steuert) sollte man allderings nicht zuviel erwarten. Für uns war sie zu keinem Zeitpunkt erreichbar – auch nicht in Notfällen. Also auch hier gilt: alles gut und problemlos, solange es keine Abweichungen vom ursprünglichen Plan gibt.

Von der Reederei SC Line können wir nur abraten – in jeder Hinsicht.

Von Wallenius haben wir auch nur Negatives gehört: praktisch jedes Fahrzeug wird aufgebrochen.

Während unseres Aufenthaltes in Cartagena haben Inge und Franz ihren Unimog mit Seaboard LoLo verschifft. Da ist alles heil und unangetastet geblieben. Das ist somit die einzige, vorsichtige Empfehlung, die wir ausprechen können – Preise sind bei allen etwa gleich. Wer sein Fahrzeug auf eines dieser Schiffe schickt, sollte am besten einfach davon ausgehen, dass es aufgebrochen wird und entsprechend keinerlei Wertgegenstände (vor allem keinen Technikkram) im Fahrzeug lassen! Die Häfen sind nach unserer Ansicht sicher – das Problem besteht auf den Schiffen!

Inzwischen soll es auch eine Fähre zwischen Panama und Kolumbien geben, bei der man mitfahren kann. Aber Fähren gab es in den letzten Jahren schon viele und alle sind wieder verschwunden – da gibt es offensichtlich eine starke Lobby, die den Fährbetrieb nicht gerne sieht. Deshalb wird es wahrscheinlich früher oder später wieder nur per Frachtschiff gehen.

Und eine weitere, nachdrückliche Warung wollen wir noch aussprechen: In Cartagena treibt ein deutscher Agent namens Manfred sein Unwesen. Dieser Mensch ist, nach unserer persönlichen Erfahrung, bis auf die Knochen Rassist und nicht ganz bei Verstand. Der Emailverkehr, den wir mit ihm hatten, ist so krass beleidigend und gegen alle möglichen Gruppierungen rechtsradikal, dass wir ihn hier nicht zitieren können. Auch von anderen Reisenden wurden uns Emails aus seiner Feder zugespielt, die einfach unglaublichen Inhalts sind. Diesem Menschen sollte man am besten aus dem Weg gehen und keinesfalls sollte man durch ein Engagement sein Treiben weiter finanzieren. Alternativ haben wir Gutes von einheimischen Agenten gehört. Wir haben schlussendlich in Cartagena ganz auf einen Agenten verzichtet und unser Fahrzeug trotzdem aus dem Hafen bekommen. Es geht also auch ohne.

Am 22.8.14 ist es endlich soweit: nach fast 7 Wochen im Hotel (zuvor in Panama, wegen des Werkstattaufenthaltes) verbringen wir endlich wieder die erste Nacht im Mog – endlich sind wir wieder frei, endlich kann es weiter gehen. Am Abend treffen wir ein letztes Mal Vivian und Holger. Wir kochen gemeinsam, essen vor unseren Fahrzeugen und nehmen Abschied voneinander und gemeinsam nehmen wir Abschied von Cartagena – der Perle der Karibik, die uns viel Geduld abverlangt hat und deren Strassen, Restaurants und Hotels wir inzwischen besser kennen, als uns lieb ist. Aber es gibt weissgott schlimmere Ecken auf der Welt, als diese wunderschöne Kolonialstadt mitten in der Karibik! Und mit Vivian, Catalina, Holger und Johann hatten wir eine gute Zeit, die es sonst in dieser Form auch nicht gegeben hätte – so gesehen hatten wir doch eigentlich Glück.

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Schildbürger am Seil

Kolumbien ist das Land der Mopeds. Unzählig und von allen Seiten fallen sie über die Strassen und Wege her, wenn es irgendwie passt und wir müssen zusehen, keins unter die Räder zu bekommen. Wie steuern direkt auf die Panamericana Richtung Süden und geben Gas – etwas von der verlorenen Zeit wieder einholen.

Hier fällt uns auch sofort der starke Kontrast zum touristisch geprägten Cartagena auf: die Behausungen am Strassenrand bestehen größtenteils nur aus notdürftig zusammengeflickten Plastikplanen und alten Holzresten. Private PKW gibt es kaum, es sind hauptsächlich Busse und LKW unterwegs und deren Fahrstil ist so halsbrecherisch, wie in keinem anderen Land bisher. Entsprechend viele Unfälle bekommen wir zu Gesicht: umgekippte Laster, in die Böschung verkeilte Busse und überall kleine Kreuze am Strassenrand – kein schöner Anblick. Zum großen Teil ist die Panamericana in desolatem Zustand und überall wird ausgebessert oder erneuert. Entsprechend langsam geht es voran.

Nach einiger Zeit taucht ein ganz besonderer, großer Stein in unserem Blickfeld auf: der Piedra del Penol. Da dieser Stein in der Tat eine echte Sehenswürdigkeit ist und dazu die Einzige weit und breit, gibt es seit jeher einen heftigen Streit zwischen den Ortschaften Penol und Guatapé, den die Schildbürger nicht besser hätten ausfechten können. Jede der beiden Ortschaften behauptet, der Stein gehöre eindeutig zu ihrem Gebiet. Es konnte keine Einigung darüber getroffen werden, wer nun der rechtmäßige Steineigentümer sei und somit herrschte eine Fede zwischen den Bewohnern der beiden Ortschaften. Eines Nachts schmiedeten die Bewohner des Ortes Guatapé einen Plan, der endgültige Klarheit über die Besitzverhältnisse schaffen sollte. So machte sich eine Truppe Ortsansässiger mit Bergsteigerausrüstung und Farbe auf den Weg zum Stein und seilte sich an den steilen Hängen ab, um in großen, weißen Buchstaben den Ortsnamen „Guatapé“ auf die Felswand zu malen und so das Dilemma ein für alle mal klarzustellen. Dummerweise war diese Aktion kilometerweit zu beobachten, und so dauerte es genau die malzeit des Buchstaben „G“ und einen Strich des Buchstaben „U“, bis die Polizei aus dem Ort Penol die Schmierfinken an ihren Seilen hochzog und verhaftete. Seit diesem Tag ist das unvollendete Werk in Form der Lettern „GI“ auf dem riesigen Felsen zu bewundern. Ein Auftstieg über die 740 Stufen lohnt sich, denn die wunderschöne Seenlandschaft, zu Füßen des großen Steines, sieht von dort oben aus, wie aus dem Modellbaukasten.

Am Abend fragen wir bei einem kleinen Restaurant am See, unterhalb des bemalten Steines, ob wir auf ihrem Gelände übernachten dürfen. Dürfen wir, und ein paar Minuten später stehen wir auf der kleinen Wiese neben dem Restaurant. Oft kommen hier keine ausländischen Touristen vorbei, das merken wir schnell. Denn etwa so dürften sich Außerirdische fühlen, wenn sie ausversehen in der Hochsaison auf dem Markusplatz in Venedig landen würden. Innerhalb von 5 Minuten sind wir umringt von Menschen, alle wollen gucken und fragen, Fotos machen und alles anfassen. In kürzester Zeit wird unser Badezimmer im Mog das wahrscheinlich meistfotografierte, fahrbare Klo der Welt… Dabei sind die Menschen so unglaublich offen, positiv und ehrlich interessiert, wie wir es bisher noch nicht erlebt haben. Wir werden überall hin eingeladen, werden X-mal gefragt, ob es uns denn in Kolumbien auch wirklich gefällt, wir knüpfen Kontakte (natürlich über Facebook) und das Ganze artet in ein stundenlanges Palaver aus. Wir berichten über Deutschland und erfahren im Gegenzug viel über Kolumbien…

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 Heute Bohnen oder lieber Bohnen?

Langsam aber stetig führt die Panam in die Anden. Die Höhenmeter nehmen zu und das Klima wird zunehmend kühler. Je weiter wir Richtung Süden kommen, desto kritischer wird auch die Sicherheitslage. Guerillakämpfe zwischen Aufständigen, Drogenbossen und dem Militär sind noch immer Teil der Tagespolitik in Kolumbien. Bevorzugtes Ziel für Überfälle war in der Vergangenheit immer wieder die Panamericana mit ihrem endlosen Strom von Trucks und Bussen. In regelmäßigen Abständen gibt es Militärposten am Strassenrand, die uns und allen anderen vorbeikommenden Fahrzeugen mit „Daumen hoch“ signalisieren, dass die Strecke zum aktuellen Zeitpunkt sicher und unter Kontrolle ist.  Plötzlich ist die Bedrohung, von der wir immer nur gehört oder gelesen haben, ganz real und uns wird schon ein bisschen mulmig beim Anblick der Soldaten. Nachts kommt der Verkehr auf der Panam aus Sicherheitsgründen fast völlig zum Erliegen und wir müssen unbedingt vor Einbruch der Nacht einen sicheren Platz zum Schlafen gefunden haben. In diesen Tagen übernachten wir oft an Tankstellen und Raststätten. Deshalb gibt es zum Essen in der Regel Bohnen oder Bohnen und manchmal auch Bohnen. Eines Abends finden wir in einer engen Kehre, direkt an der Strasse ein kleines Idyll, mit Hotel und Restaurant. Wir übernachten vor dem Hotel und im Restaurant bruzelt eine kleine Oma leckere Sachen über dem offenen Feuer. Es gibt Bohnen Suppe, Forelle, Hühnchen, Nachtisch und Bier – alles zusammen für 6 € p.P. und der Hund ist auch freundlich.

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Next Level Fotokopienwahnsinn

Die Grenze zu Ecuador erreichen wir auf ca. 3000m Höhe. Und nach den vielen Monaten in den Tropen erleben wir plötzlich ein ganz ungewohntes Gefühl: wir frieren! Wer hätte gedacht, das das so schön sein kann. Die Formalitäten bei der Ausreise aus Kolumbien sind nach kurzer Zeit und ohne Probleme erledigt. Bei der Einreise nach Ecuador bekommen wir auch schon einen kleinen Vorgschmack, was uns nun erwarten wird: gab es bisher an jeder Grenze in Mittelamerika den ewig gleichen und nervigen Fotokopiensalat, den wir inzwischen geschickt auszuhebeln wissen, indem wir immer einen Stapel s/w Kopien unserer Dokumente mitführen, weiß Ecuador uns doch tatsächlich zu überraschen und zündet den nächsten Level: s/w Kopien? Das war gestern! Ab heute heisst es Farbkopien! Und die haben wir natürlich nicht. Willkommen in der „Zivilisation“…

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Panama 5. Oktober 2014

Filed under: Allgemein — tichyx @ 01:45

Abhängen am Balboa Yachtclub

Irgendein Janosh hat in unserer Kindheit mal behauptet, in Panama würde es überall nach Bananen riechen. Um das zu erreichen mussten offensichtlich eine Menge Bananen geschält werden, denn auf den nachlässig entsorgten Bananenschalenbergen schlittern wir nun von Grenzbude zu Bretterverschlag und Stempelhäuschen. Hier herrscht das größte Grenzdurcheinander unserer bisherigen Reise. Improvisierte Hütten mit Grenzbeamten drin, verteilt zwischen Müll und Matsch. Willkommen in der Konfusion – das hätten wir in dem kleinen USA „Ableger“ Panama so erst mal nicht erwartet.

Da wir sowieso nach Panama City wollen und uns das extrem schwüle und heiße Klima der Karibikküste nun reicht, durchqueren wir noch am gleichen Tag das Land Richtung Süden um in die Nähe des Pazifik zu kommen. Es geht durch dichten, hügeligen Regenwald, quer durch die Reserva Forestal de Fortuna und wir schaffen es gerade so zum Sonnenuntergang in die Stadt David. Unsere erste Nacht in Panama verbringen wir auf dem wenig spektakulären Parkplatz einer Einkaufsmall, auf dem auch andere Camper stehen. Wir kommen am Abend mit einigen sehr netten Einwohnern Davids ins Gespräch und verbringen eine ruhige Nacht. Am nächsten Tag erreichen wir dann freiere Strandabschnitte am Pazifik, bleiben bei „Nellys Hostel“ am Strand stehen und lernen deutsche Auswanderer kennen.

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Playa bei Nelly´s HostelDeutsche Auswanderer

 

Geölter Schreck 

Nach einigen Tagen erreichen wir Panama City und waschen in einem Vorort unsere Wäsche. Von freundlichen Einwohnern werden wir darauf hingewiesen, dass es besser wäre, hier nicht die Nacht zu verbringen, da es sehr unsicher ist. Das haben wir auch nicht vor, sondern überqueren mit frischer Wäsche im unfreiwilligen Batik-Look dank Chlorbleiche statt Waschmittel den Panamakanal und bleiben am „Balboa Yachtclub“ an der „Calzada Amador“ in Panama City stehen. Hier treffen sich viele internationale Traveller mit eigenen Fahrzeugen, da von hier aus die Verschiffung nach Kolumbien organisiert wird.

Leider endet die Strasse in Panama und der Darien Gap gilt als absolut undurchdringleicher Regenwald mit steilen Bergen und vielen zwielichtigen „Pflanzenzüchtern“. Es gibt keine befahrbare Landverbindung von Zentralamerika nach Südamerika und alle Güter müssen entweder per Schiff oder mit dem Flugzeug zwischen Panama und Kolumbien transportiert werden – so auch unser Mog. Bei der Vorbereitung unserer Reise sind wir auf einige Leute gestoßen, die ein Riesendrama aus dieser Verschiffung gemacht haben, bis hin zu der Aussage, dass es völlig unmöglich sei. Dazu können wir nur sagen, dass das völliger Quatsch ist. Im Prinzip hatten wir das Wesentliche bereits per Mail mit der Agentin Tea Kalmbach von Deutschland aus organisiert und ziemlich genau so wäre es auch abgelaufen….wenn, ja wenn, da nicht eine „Kleinigkeit“ dazwischen gekommen wäre…

Nachdem wir die Polizeikontrolle (1. Schritt für die Verschiffung) unseres Mogs in Panama City hinter uns gebracht haben, kehren wir zurück zum Balboa Yachclub und nutzen die Zeit bis zum Abfahrtstermin nach Kolumbien, um am Unimog die Öle in den Achsen zu wechseln. Die Magnetschraube des Hinterachsdifferentials hat für unser Empfinden etwas zuviel Abrieb und Späne am Magneten. Da wir direkt vor der Abreise beide Differentiale überholt haben und neue Lager verbaut wurden, ist Anfangs etwas stärkerer Abrieb normal – aber die Überholung ist nun schon über 20.000km her und das sollte eigentlich längst vorbei sein. Außerdem stellen wir beim Ölwechsel fest, daß etwa ein Liter Öl im hinteren Differential fehlt und sich stattdessen im linken Vorgelege befindet. Nicht gut. Wir beschließen dieses Problem im Auge zu behalten, so lange wir noch in Panama sind. Denn ein massiver Achsschaden im kolumbianischen Hochland wäre kaum zu bewältigen. Bis zum Ablegen des Schiffes haben wir noch etwa zwei Wochen Zeit und so machen wir uns auf ins Umland von Panama City.

 

DSC02360Fahrt zur Polizeikontrolle Panama City

balboa2Unimog Ölwechsel Achsen

 

Panamax

Unser erstes Ziel ist die Miraflores Schleuse des Panamakanals. Wir haben Glück und zwei Schiffe werden während unseres Besuches durch den Kanal geschleust. Die Schleusen selbst sind gar nicht mal so groß, aber wenn dann ein Containerschiff der Panamax-Klasse in Hochhausgröße vor einem aufragt, dann ist das schon beeindruckend. Besonders gut gefallen uns die Lokomotiven aus Edelstahl, die die Schiffe durch die Schleusen ziehen. Wenn man bedenkt, dass die Schleusenkonstruktion komplett ohne Pumpen funktioniert und rund 100 Jahre alt ist, dann ist das schon sehr weitsichtig geplant. Zu klein ist der Kanal inzwischen trotzdem und deshalb wird bereits intensiv an einer Verbreiterung gearbeitet.

Das unabhängige Land „Panama“ existiert genau genommen überhaupt nur wegen des Kanals. Denn infolge einer amerikanischen Intervention spaltete sich das heutige Panama vom damaligen Groß-Kolumbien ab und „kurz darauf“ wurde der Vertrag zum Bau des Kanals mit den Amerikanern unterschrieben. Inklusive der amerikanischen Hoheitsrechte für den Kanal. Es wäre sicher naiv zu glauben, dass diese Abmachung nicht bereits vor der amerikanischen Intervention ausgemachte Sache war, auch wenn das offiziell nicht zugegeben wird.

PanamakanalPanamakanal

PanamakanalPanamakanal

 

Lebensmüde Surfer und noch müdere Camper

Vom Panamakanal geht es weiter zum Playa Gogona. Da gibt’s tolle Wellen und einige scheinbar lebensmüde Surfer, die sich direkt von den Felsen aus ins Wasser stürzen. Wer dabei auch nur einmal die Kontrolle verliert, und mit den Wellen gegen die Felsen schleudert, ist Geschichte. Die Nacht am Strand beginnt ruhig, aber irgendwann gegen drei Uhr klopft die Polizei an und meint unbedingt um diese Uhrzeit unsere Papiere kontrollieren zu müssen. Da sich bereits unsere Zollpapiere für die Verschiffung zwischen den Pässen befinden, ist die Verwirrung groß, da die Polizisten solche Papiere noch nie gesehen haben, bzw. nicht verstehen, warum wir nicht auf einem Schiff sind, sondern hier am Strand stehen. Alle Erklärungsversuche, dass es noch ein paar Tage dauert bis das Schiff geht, scheitern und nach 30 Minuten Ratlosigkeit sind wir so müde, dass wir uns einfach unsere Papiere greifen und mit den Worten „Vielen Dank, aber bei uns ist alles in Ordnung – gute Nacht“ wieder ins Bett gehen. Da den „Nachtwächtern“ die Argumente fehlen, ziehen sie zum Glück wieder ab und lassen uns weiterschlafen.

Etwas unausgeschlafen geht’s am nächsten Tag hoch nach „El Valle“, eine Ortschaft innerhalb eines erloschenen Vulkankraters, der durch seine Form und Lage ein besonders regenarmes und „kühles“ Klima hat. Wir machen eine Wanderung durch den Regenwald und gucken im Anschluss mit einigen Leuten auf der Strasse das Spiel Holland gegen Costa Rica. Es herrscht eine tolle Stimmung und Deutschland wird von vielen bereits als Favorit gehandelt.

Playa Gogona PanamaMutige Surfer

Playa Gogona PanamaPlaya Gogona Panama

Der Selbstauslöser dauer 10 Sekunden und der Weg war weitHundertfüssler El Valle Panama

 

Schock aus Metall

Nach etwa einer Woche und ca. 500km später sind wir von unserer kleinen Rundreise rund um Panama City wieder zurück am Balboa Yachtclub. Wir checken nun erneut das Öl vom Differential um sicher zu sein, dass es keinen ernsthaften Schaden an der Achse gibt – aber leider fördert dieser Check etwas zu Tage, das man niemalsnie im Öl finden will: einen dicken Metallsplitter.

Die Entscheidung ist hart und voller Konsequenzen, aber es gibt keine Alternative: wir müssen die Hinterachse ausbauen und zur Sicherheit das Differential öffnen. Jetzt sind wir noch in Panama City, hier haben wir Werkstätten und Support. Sind wir erst irgendwo in den kolumbianischen Anden und die Achse macht schlapp, kann das das Ende der Reise bedeuten.

Wir nehmen sofort Kontakt mit unserer Werkstatt in Deutschland auf und bestellen alle Teile, die defekt sein könnten. Innerhalb kürzester Zeit stellen sie uns ein Paket mit allen Ersatzteilen zusammen, die in Frage kommen könnten und suchen mit uns gemeinsam nach einer Werkstatt in Panama City. Das kleine Ersatzteilpaket wiegt nur 10kg und geht mit UPS auf die Reise – für stolze 600 Euro Versandkosten soll es bereits nach einer Woche bei uns sein. Prinzipiell könnten wir die Reparatur auch selbst durchführen, da wir bei der Achsüberholung dabei waren und alle Schritte kennen, aber um die etwa 500kg schwere Achse des Unimogs auszubauen braucht man großes Werkzeug und eine vernünftige Werkstatt – auf einem Parkplatz ist das nicht zu machen.

Nach kurzer Suche, und zu unserer Freude, finden wir die Firma „Autostar“. Das ist eine offizielle Mercedesvertretung für LKW und eine Filiale der Kaufmanngruppe, die sich mit Unimogs auskennen sollte. Zusätzlich haben wir eine CD mit der Reperaturanleitung in Spanisch mitschicken lassen. Von Freunden bekommen wir den Kontakt zu Gerti, einer deutschen Weltenbummlerin die in Panama lebt und die für uns dolmetschen kann – denn für diese Aktion reicht unser Spanisch dann doch nicht ganz aus…

Um kein Risiko einzugehen, verdonnern wir den Mog – und damit auch uns – zu einer Woche Stillstand, bis die Teile aus Deutschland da sind. So vertreiben wir uns die Zeit auf dem Parkplatz und in Panama City. Durch Gerti lernen wir einige Deutsche kennen, die seit vielen Jahren in Panama leben und zusammen mit Gertis Familie gucken wir das legendäre 7:1 Spiel gegen Brasilien. Auch wenn wir tausende Kilometer von zu Hause entfernt sind, es war einfach nur der Hammer! Zum Endspiel sind wir ins Rincon Aleman gegangen. Dort trifft sich die deutsche Community und am Ende war es ein riesiges Fest mit Hupkonzert, deutschem Botschafter, Bier und Bratwurst – so sind wir auch in Panama standesgemäß Weltmeister geworden.

Metallsplitter im Diferentialtitenn

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Falling Autostar

Pünktlich nach 7 Tagen sind die Teile da und wir bringen den Mog in die Werkstatt. Wir werden vom Chef und von Gustavo – dem „Chefmechaniker“ – empfangen und in seinem Autostar-Shirt macht er zunächst einen seriösen Eindruck auf uns. Mit allen Mitteln versuchen wir den Chef davon zu überzeugen, dass es notwendig ist, bei der Reparatur dabei zu sein, da Unimogtechnik nicht vergleichbar ist mit normalen LKW und sie bereits zugegeben haben, dass sie noch nie einen Unimog gesehen haben – in Panama gibt es schlicht keine. Aber alle Diskussion hilft nichts – es sei für Kunden verboten sich in der Werkstatt aufzuhalten und das sei auch gar nicht nötig, schließlich wären sie eine offizielle Mercedesvertretung und deshalb können sie alle Mercedesfahrzeuge reparieren. Punkt. Am Hemdzipfel wird noch ein weiterer Mitarbeiter von seinem Schreibtisch gezerrt und uns vorgestellt. Er sei der „Informationsbeschaffer“, der das Team mit Anleitungen und Daten aus dem Mercedes-Intranet versorgt, falls diese überhaupt benötigt werden sollten.

Zur Sicherheit erklären wir Gustavo die Problemstellen, und weisen auf die Unterschiede zum normalen LKW hin, denn es gibt eine Menge Fallen und Schrauben, die große Probleme machen können, wenn man nicht genau weiß, was sich dahinter verbirgt. Wir erklären ihm, dass wir die selbe Arbeit bereits gemacht haben, und deshalb die schwierigen Stellen kennen. Mit Hilfe von Gerti sind auch komplizierte Sachverhalte in der Übersetzung kein Problem und Gustavo hört sich alles genau an und scheint alles zu verstehen. Zudem verspricht er, sich exakt daran zu halten und die (von uns ausgedruckte) spanische Reparaturanleitung zu nutzen. In zwei Tagen sollen wir wieder kommen, dann hätten sie die Hinterachse ausgebaut und das Differential geöffnet.

Die nächsten zwei Tage schlafen wir nicht besonders gut. Ob das nun daran liegt, dass wir im Hotel wohnen oder daran, das wir daran denken müssen, was gerade mit unserem Mog passiert, lässt sich schlecht sagen. Aber als wir am zweiten Tag früh morgens aufbrechen, um die Arbeit zu begutachten haben wir böse Vorahnungen. Und es kommt, wie es kommen muss: als wir die Werkstatt betreten ist der Mog hinten nicht mal aufgebockt. Nichts ist so gemacht worden, wie es sollte, und alles ist schlimmer als vorher. Gustavo hat genau genommen das exakte Gegenteil von dem gemacht, was wir gesagt haben und die Schrauben geöffnet, die er nicht öffnen durfte. Er hat einfach überhaupt kein bisschen zugehört oder verstanden, was wir versucht haben zu vermitteln und sich wahrscheinlich gedacht, dass diese Touristen in zivil ihm nicht erklären sollen, wie man einen LKW repariert. Er hat versucht das Schubrohr an beiden Seiten abzuschrauben, weil er glaubte, dass er dann einfach die Kardanwelle zur Hinterachse herausnehmen könnte und somit die Achse frei wäre. Jeder hätte mit einem Blick auf die Zeichnung in der Anleitung verstanden, dass das nicht funktionieren kann. Das hat er irgendwann auch gemerkt und nun waren sie seit einem Tag dabei, das Verbockte wieder rückgängig zu machen, was aber nicht so einfach geht, wenn man bestimmte Schrauben erst mal geöffnet hat. Sprich: sie haben es auseinander genommen und nun kriegen sie´s nicht mehr zusammen.

Uns wird klar, dass wir sofort etwas unternehmen müssen um Schlimmeres zu verhindern. Dem Chef ist die Situation sichtlich peinlich und er verspricht, dass sie das Problem morgen irgendwie lösen werden. Zum Glück haben wir ein Handyfoto dabei, auf dem unsere Hinterachse ausgebaut zu sehen ist und nachdem wir mit dem Foto klar gemacht haben, dass wir wissen, wie das geht, dürfen wir die Sache plötzlich doch selbst in die Hand nehmen. Zuerst setzen wir die Schubkugelhalbschalen wieder ein und ziehen anschließend mit Hilfe von Spanngurten die Hinterachse in Position und schrauben das Schubrohr am Getriebe fest. Alleine waren sie nicht in der Lage dieses Problem zu lösen, obwohl sie es selbst auseinander geschraubt hatten. Jetzt erklären wir nochmals, dass der Unimog am Rahmen aufgebockt werden muss, damit die Hinterachse „nach hinten“ ausgebaut werden kann, da sie über eine verzahnte Steckwelle verfügt. Doch leider entwickelt sich die simple Aufgabe des Aufbockens zu einem unlösbaren Problem. Nachdem der „Chefmechaniker“ Gustavo bei dem Versuch den Unimog auf zwei „Kniegelenke“ aufzubocken beinahe ums Leben gekommen wäre und unser Mog den Absturz nur deshalb unversehrt überstanden hat, weil die Räder noch dran waren, brechen wir die Aktion bei Mercedes ab. Wenn man zwei Felgen mit runden Felgenschüsseln nimmt und darauf zwei runde Bremstrommeln stellt (s. Foto) dann kann wahrscheinlich auch ein Dreijähriger vorhersehen, dass ein solches „Gelenk“ nicht geeignet ist, ein tonnenschweres Fahrzeug sicher abzustützen.

Unimog aufgebockt auf "Selbstmördergelenk"Unimog aufgebockt auf Selbstmördergelenk bei Mercedes Panama

 

20$ oder Tod

Der Chef ist regelrecht erleichtert, als wir ihnen den Auftrag entziehen, denn auch er hat inzwischen gemerkt, dass seine Leute mit der Aufgabe völlig überfordert sind. Natürlich fragen wir uns, wie diese Werkstatt überhaupt existieren kann, aber nach den Tagen, die wir dort verbracht haben, wissen wir, dass sie maximal Ölwechsel durchführen, aber keinerlei Reparaturen an LKW. Es fehlt nicht nur an Ausrüstung und Kompetenz, sondern einfach an Allem – nicht mal ein 6er Schräubchen für eine Manschette hatten sie da – genau genommen haben sie gar keine Schrauben da und auch sonst keinerlei Material. Und selbst ein Ölwechsel in dieser Werkstatt kann das endgültige „aus“ für ein Fahrzeug bedeuten. Denn als der Mog (von uns) wieder in den Urzustand versetzt war, konnten wir gerade noch verhindern, dass das alte Differentialöl aus einer rostigen Tonne voller Bohrspäne und Metallresten zurück ins Differential gekippt wurde. Die absoltute Krönung war es dann, als wir vor der Abfahrt das neue Differentialöl bezahlen sollten, da es ja ausdrücklich auf unseren Wunsch eingefüllt wurde. Wir haben damit geantwortet, dass sie dann ja unsere Hotelrechnung für inzwischen vier verlorene Tage + unsere Arbeitszeit bezahlen könnten. Als Antwort bekamen wir, dass die Security auf uns schießen (!) würde, sollten wir die Werkstatt verlassen ohne die 20$ zu bezahlen.

Nachdem wir gezwungenermaßen die 20$ bezahlt haben, als letzter Akt sozusagen, um seine verloren Ehre „zurück zu erobern“, hat uns Gustavo dann verboten den Unimog selbst aus der Werkstatt zu fahren – das sei als Chefmechaniker sein Job. Nachdem er daraufhin mehrere Minuten versucht den Mog zum Rückwärtsfahren zu bewegen, erfolglos alle Hebelchen durchprobiert hat, der Mog aber nicht macht, was Gustavo will, überlässt er uns letztendlich zerknirscht das Steuer. Am Ende war in diesem Laden nichts wie es sein sollte, aber alles wie es sein muss.

Aus diesen Gründen und tausend anderen, hier nicht aufgezählten und unglaublichen Verfehlungen dieser „Firma“, sehen wir es als unsere Pflicht, hier eine eindringliche Warnung für andere Reisende auszusprechen! Selbst banale Kleinigkeiten wie ein normaler Ölwechsel können dort zur Zerstörung des Fahrzeugs führen. Es gibt nicht nur keine ausgebildeten Mechaniker, sondern nicht mal Menschen mit technischem Sachverstand, dafür aber reichlich Selbstüberschätzung.

Also hier noch mal zum Mitschreiben:

 

Autostar Mercedes Benz Kaufmann

VehiculosComerciales

Vía Tocumen, detrás de plaza el faro

Panama City // Panama

 

Scania rockt

Insgesamt haben wir nun eine Woche verloren, unser Schiff nach Kolumbien verpasst, Hotelkosten an der Backe und sind keinen Schritt weiter. Wir setzen uns an den Computer und googeln alle großen LKW Werkstätten in Panama City. Zusammen mit Gerti machen wir uns auf den Weg und statten allen Kandidaten einen Besuch ab. Als erstes wollen wir einen Blick in die Werkstatt werfen, um zu sehen, ob und an was sie dort arbeiten und welche Ausstattung sie haben. Als zweites fragen wir, ob wir die Reparatur begleiten und mitarbeiten dürfen. Ein „Nein“ zu einem dieser beiden Punkte führt zum sofortigen Ausschluss der Werkstatt. Bei Scania haben wir einen guten Eindruck und dürfen mitarbeiten.

Nach einem Tag bei Scania ist die Achse ausgebaut, am zweiten Tag ist das Differential zerlegt und wird von uns begutachtet. Die achsseitigen Lager haben zwar erhöhten Verschleiß, aber ansonsten können wir keinen größeren Defekt feststellen. Der Metallsplitter muss also schon älter sein – das ist Glück und Pech gleichzeitig.

Wir tauschen die achsseitigen Lager und bauen alles wieder zusammen. Am dritten Tag ist die Achse wieder drin und der Mog fahrbereit. Warum die Lager nach dieser kurzen Zeit bereits Verschleiß zeigen, bedarf noch weiterer Nachforschung. Entweder ist der Verschleiß das Resultat des Ölmangels, der durch einen defekten Simmerring zustande kam und die Lager deshalb Mangelschmierung und vor allem zu wenig Kühlung hatten oder es gibt andere Gründe. Sollte es andere Gründe geben, die wir nicht kennen, dann wird uns dieses Problem wohl leider weiterhin verfolgen.

Wir wissen jetzt, wie wichtig es ist in Deutschland einen guten Kontakt und eine zuverlässige Werkstatt zu haben, die uns nicht nur mit Rat und Ersatzteilen versorgt hat, sondern jederzeit per Telefon und Mail erreichbar war – machmal auch um einfach etwas moralische Unterstützung in dieser schlimmen Situation zu bekommen. Am Tiefpunkt dieser ganzen Aktion haben Sie sogar ernsthaft überlegt, einen Mechaniker nach Panama zu entsenden! Danke an die Firma Schüssler!

Ach ja: Scania in Panama können wir empfehlen, Kompetent, außerordentlich freundlich und verhältnismäßig günstig (nur 1/3 des Preises den Mercedes aufrufen wollte, wären sie denn in der Lage gewesen, usw….):

Scania DIDASA S.A.

Vía Simón Bolivar con Avenida 12 de Octobre

Transistmica Diagonal a la Kienner
Apartado 0843-00174

Panamá City // Panama

Eine Angelegenheit wollen wir in diesem Zusammenhang aber nicht unerwähnt lassen: uns wurden einige Sachen, vor allem technische Geräte aber auch Bargeld, Kleidung usw. aus der Wohnkabine gestohlen. Da wir das erst in Kolumbien gemerkt haben, können wir nicht mit Sicherheit sagen, ob das bei Scania oder schon bei Mercedes passiert ist. Da wir während der Reparaturen nicht im Mog gewohnt haben, waren alle wichtigen Geräte zum Glück bei uns im Hotel. Der entstandene Schaden ist aber trotzdem nicht unerheblich.

Unimog Hinterachse ausgebaut bei ScaniaVerzahnte Steckwelle Unimog Hinterachse

Unimog ohne Hinterachse bei Scania Panama CityUnimog Reparaturanleitung

Unimog Hinterachse zerlegt bei ScaniaUnimog Differential zerlegt bei Scania

Unimog Ausbau Hinterachse DSC02538

 

Mysterium Agata M 

Kaum ist der Mog wieder fahrbereit, heißt es Gas geben, um nicht den nächsten Verschiffungstermin auch noch zu verpassen. Der Termin zur Ablieferung im Hafen von Colon wäre bereits vor zwei Tagen gewesen! Wir bekommen vom Hafen eine Sondergenehmigung und dürfen auf den letzten Drücker unser Fahrzeug abgeben. Eigentlich haben wir für diesen relativ komplizierten Vorgang eine Agentin, aber da wir den eigentlichen Termin verpasst haben, müssen wir alleine durch den bürokratischen Akt. Da wir nach Abgabe des Mogs ja sowieso ein Taxi bräuchten, dass uns die 100km zurück nach Panama City fährt, mieten wir uns bereits in der City einen Taxifahrer für den ganzen Tag und fragen ihn, ob er uns bei den Behördengängen im Hafen behilflich ist. Mit ihm gemeinsam ist die Ablieferung dann kein großes Problem.

Und dann heißt es schon wieder Abschied nehmen vom Mog. Alle ( verbliebenen) Wertgegestände haben wir im Koffer, der Durchstieg ist verschraubt und verschlossen, im Führerhaus ist alles was Wert hat ausgebaut und alle Fenster vom Aufbau sind verdunkelt. Und das ist auch nötig, denn die kurze Überfahrt ist wahrscheinlich der riskanteste Teil der gesamten Reise. Wir müssen unser fahrbares Zuhause in fremde Hände geben, es steht offen und mit steckendem Zündschlüssel unbeaufsichtigt im Hafen und später dann auf dem Schiff. Wir haben von zahlreichen Einbrüchen auf den Schiffen gehört, und so können wir nur hoffen, dass alles heil in Kolumbien ankommt.

Zurück im Hotel beobachten wir mit Hilfe von „Vesselfinder.com“, wie unser Schiff „Agata M“ erst anlegt und dann einige Stunden später pünktlich den Hafen verlässt. Offensicht hat die Verladung des Mogs und der anderen Waren problemlos geklappt. Es war uns wichtig, diesen Moment noch in Panama zu erleben, denn es ist öfter vorgekommen, dass es beim Verladen plötzlich Probleme mit dem Fahrzeug gab und die Besitzer schon außer Reichweite in Kolumbien waren. Etwas seltsam kommt uns allerdings vor, dass die „Agata M“ nach nur wenigen Minuten Fahrt direkt vor dem Hafen von Colon wieder stoppt und in der Karibik vor Anker geht. Aber wir nehmen an, dass das schon seine Richtigkeit haben wird und steigen am nächsten Morgen unbekümmert in den Flieger nach Kolumbien…. ein großer Trugschluss, wie sich schon bald herausstellen wird. Aber davon mehr im nächsten Blogeintrag, wenn es wieder heißt: Ahhhhhh – ich muss etwas kaputt machen, ich muss jemanden erwürgen, ich brauche eine Handgranate – JETZT!! Ganz ruhig bleiben und Tee trinken, wir sind gesund, das ist das Wichtigste… Ohmmmmmmm.

Unimog Abgabe im Hafen von Colon/PanamaBildschirmfoto 2014-08-12 um 15.34.36

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Ratschekasten-Renate und Fulltime-Frisieren

Abschließend möchten wir noch sagen, dass wir neben -oder auch gerade DURCH die ganzen Probleme in Panama, eine ganze Reihe toller Erlebnisse hatten und viele beeindruckende und liebenswerte Menschen kennengelernt haben. Gerti, unsere Dolmetscherin ist alleine ein ganzes Buch wert. Sie und ihr Mann Alli haben mit 3 Kindern ihr Leben auf einem kleinen Segelboot verbracht. Sie haben die ganze Welt gesehen und noch nie haben wir jemanden wie sie getroffen, die sich mit so viel Energie unter einen Mog wirft, um technische Probleme auf Spanisch zu erläutern. Danke Gerti!

Wir haben in den Wochen in Panamacity unzählige Taxifahrten gemacht und wissen nun, dass man mit der richtigen Verhandlungstechnik für 3$ anstatt für 30$ quer durch die ganze Stadt kommen kann.

Das Schrauben bei Scania mit Ariell und Renato hat ehrlich Spaß gemacht und wir waren ein gutes Team. Leider wird Renato seit diesem Tag von seinen Kollegen nur noch „Renate“ genannt, nachdem wir ihnen gesteckt haben, dass das in Deutschland ein Frauenname ist.

Und auch das Abhängen auf dem Parkplatz vor dem Yachtclub hat uns einige interessante Begegnungen geschenkt. So kam täglich ein Busfahrer vorbei, der dort zwischen seinen Touren die Zeit verbracht hat und wir haben uns mit Händen und Füßen über Gott und die Welt unterhalten. Z.B. über den Typen, der jeden Tag pünktlich um 8:00 Uhr morgens in seinem alten Geländewagen auf den Parkplatz gefahren kam, dort dann bis um 18:00 Uhr in seinem Auto unter einem Baum gesessen hat, um sich den ganzen Tag die Haare zu kämmen. Abends hat er sich dann umgezogen und ist im frisch gebügelten Hemd davongefahren – am nächsten Morgen war er pünktlich um 8:00 Uhr wieder da, zum Haare kämmen und herumsitzen bis 18:00 Uhr – jeden Tag die gleiche Prozedur. Wir wissen bis heute nicht, was sein Auftrag war.

Also: es riecht nicht nach Bananen in Panama, so viel können wir mit Sicherheit sagen. Und am Ende war nichts wie es sein soll, aber alles wie es sein muss…

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Costa Rica 21. September 2014

Filed under: Allgemein — tichyx @ 14:02

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Wir überqueren die Grenze von Nicaragua nach Costa Rica am Grenzübergang La Cruz. Nach 2 Stunden kreuz und quer, zu den seltsamsten Büros und Verschlägen und einer Handvoll Kopien später, haben wir die Grenze passiert. Die Stimmung der Grenzbeamten war an diesem Tag hervorragend, da Costa Rica direkt vor unserer Ankunft haushoch bei der Fußball-WM gewonnen hat – es wurde also mehr gegrölt und gefeiert, als gestempelt und kontrolliert. Die WM hat für uns einen sehr positiven Nebeneffekt, denn es gibt immer was zu quatschen und zu philosophieren, oft sind wir plötzlich keine Touris mehr, sondern Gegner im Kampf um den begehrten Pokal – das alles natürlich sportlich fair und mit reichlich Humor und Spott. Dass sich kein direkter Gegner in unserer Vorrundengruppe aus Zentral- und Südamerika befindet, ist dabei sicher nicht von Nachteil.

Direkt hinter der Grenze fällt uns sofort auf, dass es kaum noch einfache Hütten und Verschläge an den Straßenrändern gibt. Der deutlich höhere Lebensstandard fällt sofort ins Auge. Costa Rica ist inzwischen ein beliebtes Reiseziel und es gibt sehr viele Amerikaner im Land. Unsere erste Station machen wir im Parque National Santa Rosa und dort begegnen wir auch direkt einer großen Gruppe amerikanischer Biologiestudenten die dort mit ihrem Professor campieren. Erst später erfahren wir, dass der Campingplatz eigentlich nur für Naturkundler und Forscher gedacht ist, aber wir wurden trotzdem freundlich empfangen und durften am Abend auch in der Kantine essen. Der Platz befindet sich mitten im Regenwald und es gibt sehr schöne Wanderwege. Vom Professor bekommen wir die Empfehlung in Richtung Karibik zu fahren. Er selbst lebt auch dort und er erklärt uns, dass dort die schönsten Plätze mit der größten Artenvielfalt und dem größten Pflanzenreichtum Costa Ricas liegen.

Am nächsten Tag denken wir kurz darüber nach die Piste vom Campingplatz quer durch den Regenwald bis zum Strand zu nehmen. Aber da es geregnet hat und am Eingang zur Piste Warnschilder stehen erkundigen wir uns beim Ranger nach dem aktuellen Zustand der Strecke. Er zeigt uns Fotos vom Vortag, auf denen mehrere Geländewagen bis zur Unterkante der Seitenfenster im Schlamm stecken und so entscheiden wir uns – trotz Unimog – die Piste besser mal sein zu lassen… Nichts ist schlimmer, als alleine im Schlamm zu stecken.

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Traumhochzeit und fliegende Spinnen

Über die Teerstrasse führt unser Weg zunächst weiter Richtung Süden nach Playa Hermosa, auf die Halbinsel Nicoya. Am Strand finden wir einen schönen Stellplatz zwischen Bäumen in denen sich eine Horde Brüllaffen über uns lustig macht. Wir lachen zurück und lassen die Panoramaluke zu! Am Strand von Hermosa ist Einiges los und wir besorgen uns ein CruchedIcemitDosenmilchundleckerMangosirup-Getränk und gucken der Realität des Touri-Traumes einer „romantischen Hochzeit am karibischen Strand, so wie das immer im Fernsehen ist“ zu. Die Wahrheit ist etwas ernüchternd, da es a) immer mal wieder kurz regnet, b) der Strandabschnitt grau, etwas verdreckt und felsig ist, c) der DJ auch der Organisator ist und die Abläufe durcheinander bringt, d) die Braut nur 20m neben dem improvisierten Bambusaltar und in Sichtweite der Hochzeitsgesellschaft warten muss und drei mal zu früh los geht, um dann schnell wieder fluchend zurück zu stapfen und e) dieses Drama aber niemand so richtig mitbekommt, da es leider nur eine handvoll Gäste geschafft hat bis ins entlegene Costa Rica zur Feier zu fliegen. Am Ende wird es dann aber doch noch recht romantisch und es gibt schöne Hochzeitsfotos am Strand im Sonnenuntergang und mit ganz vielen Krebsen. Abends essen wir in einem der Restaurants am Strand – Top Pfeffersteak – so lecker, wie seit langem nicht mehr! Aber auch die Preise sind gepfeffert.

Die Nacht ist schwülwarm und wir können nur mit Ventilator schlafen, als Carina plötzlich davon aufwacht, wie sich im Bett etwas fest um ihren kleinen Finger klammert. Aus Reflex schüttelt sie sofort das Objekt ab und ist hellwach. Wir machen das Licht an und gehen auf die Suche. Per Zufall finden wir nach kurzer Zeit am Kopfende des Bettes eine dicke Spinne! Das Wichtigste ist jetzt, das Tier zu erwischen, denn sollte die Spinne in irgend eine Ritzes des Mogs verschwinden, ist es vorbei mit dem Schlaf – denn hier ist so ziemlich alles was krabbelt giftig. Zum Glück können wir den Eindringling fangen, anschließend aber leider mit unserem Insektenbuch nicht eindeutig bestimmen (nach der hektischen Fangaktion ist die Spinne… äh – wie sagt man´s schonend… „ein wenig deformiert“…öhm – sorry Spinne). Wir einigen uns darauf, dass es auf jeden Fall großes Glück war, nicht gebissen worden zu sein und etwas später schlafen wir mit einem mulmigen Gefühl wieder ein.

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Brücken aus Gold

Nach einigen Nächten und Stellplätzen die Küste entlang nach Süden, verlassen wir den Pazifik und biegen ab ins Landesinnere. Wir wollen zur Laguna de Arenal und zum Nationalpark Monteverde. Dort staunen wir nicht schlecht über den Eintritt in den kleinen „Arenal Hanging Bridges Park“. 24$ p.P. nur um einige Hängebrücken im Regenwald bewandern zu dürfen ist deftig. Der Treck ist durchaus nett und die Atmosphäre im Wald ist toll, der Preis ist aber nicht gerechtfertigt. Zumal wir dann nicht mal (aus unserer Sicht völlig grundlos) auf dem Parkplatz übernachten dürfen. Da die Dämmerung kommt und wir nicht so recht wissen, wo wir hin sollen, steuern wir den Ort Castillo an. Auf dem Weg bekommen wir von einem Guide einen Tipp, wo wir die Nacht verbringen können und wie wir am nächsten Tag weiterfahren sollen. Er erklärt uns, dass wir mit der großen Bodenfreiheit des Unimogs und der hohen Wattiefe eine schöne Route über eine Piste, entlang der Berge und den Wald machen können und auf diese Weise „inoffiziell“ von hinten in den Nationalpark Monteverde fahren können. Die Nacht wird ruhig und wir stehen neben dem Fußballplatz im Ort Castillo. In einem kleinen Restaurant gibt’s auch noch was zu essen und wir freuen uns auf die Tour am nächsten Tag.

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Schwimmender Mog

Wir starten sehr früh am Morgen und finden nach kurzer Zeit den Einstieg zur empfohlenen Piste. Es geht durch eine wunderschöne Tropenlandschaft, durch dichten Wald, auf einer felsigen und ausgewaschenen Piste. Nach etwa einer Stunde kreuzt der erste Fluss unseren Weg und wir müssen stoppen. Es gibt zwar eine Brücke, aber die taugt maximal für ein (Alu-) Fahrrad, aber nicht für den Mog. Wir suchen eine geeignete Furt neben der Brücke, um durch den Fluss zu fahren. Aber da es zur Zeit jeden Tag regnet und keine anderen Fahrzeuge auf der Piste unterwegs sind, trauen wir uns nicht einfach durchzufahren, sondern der Fluss muss durch ausgiebiges „begehen“ erst mal auf seine Unimogtauglichkeit getestet werden. Und da man mit nassen und kalten Füßen die Pedale so schlecht bedienen kann, steht auch schnell fest, wer heute durchs Wasser muss J Da die „Testerin“ überlebt hat und nicht ertrunken ist, können wir es wagen. Die ersten Meter ist auch alles ganz wunderbar, aber da Carina ihre „Testbegehung“ mit den Worten, „das sieht doch alles ganz flach aus!“ etwa nach der Hälfte abgebrochen hat, wissen wir nicht, dass es ab der Mitte plötzlich ordentlich tief wird. Mit gesperrten Differenzialen und angespannten Nerven geht es dann auf volle Reifentiefe abwärts – und das sind immerhin 1,25m -und zufällig ist das auch die maximale Wattiefe für den Mog. Passt doch. Dieses Spiel wiederholt sich im Laufe des Tages noch bei diversen anderen Flüssen und es ist jedes mal eine Erleichterung, wenn wir heil auf der anderen Seite ankommen – und einen Riesenpass macht es nebenbei auch noch. In der Ferne können wir bereits den Vulkan Irazu sehen, unser Ziel für den nächsten Tag.

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Attacke der Nasenbären

Der Aufstieg zum Vulkankrater ist ein endloses Geschraube durch Serpentinen, immerhin geht es auf 3450m Meter hoch. Mit jeder Kurve und jedem Höhenmeter, ändert sich die Landschaft und das Wetter. Als wir endlich oben ankommen, sind es eiskalte 6 Grad und außerdem ist der Park bereits geschlossen, so dass wir umkehren müssen. (Arghhhhh…ich muss schnell irgendwas kaputt machen…!!) Wir sehen das ganz gelassen und rollen nur ein paar hundert Meter bergab und verbringen die Nacht beim Restaurant Linda Vista – ein schöner Aussichtspunkt und die Wände des Restaurants sind mit tausenden Visitenkarten und Geldscheinen tapeziert, die von den Besuchern hier zurück gelassen wurden. Unsere hängt da jetzt auch irgendwo. Wer uns ein Foto von unserer Karte an der Wand schickt, bekommt eine Woche Berlinurlaub geschenkt😉

Am nächsten Morgen versuchen wir es erneut mit dem Krater, dieses mal dürfen wir rein und wir fahren die letzten Meter hoch bis zum Kraterrand. Entgegen des Vulkans in Nicaragua, ist dieser allerdings seit langem erloschen. Höchst aktiv dagegen ist die Nasenbärenfamilie, die am Kraterrand wohnt und unsere Ankunft offensichtlich sehnsüchtig erwartet hat. Immer mal wieder haben wir auf unserer Reise einen kleinen Nasenbären aus der Distanz zu Gesicht bekommen – aber nie sind wir so nah herangekommen, dass sich ein Foto gelohnt hätte. Hier bekommen wir nun die totale Überdosis. Entweder ist diese Nasenbärenfamilie mit ihren Jungtieren total ausgehungert oder einfach maximal frech und verwöhnt. Denn die Kekse, die wir dabei haben sind in unseren Händen alles andere als sicher! Die kleinen Bären klettern einfach an unseren Hosenbeinen hoch und versuchen an die Kekspackung zu kommen! Um nicht überrannt zu werden hilft nur Keksweitwurf! Dann springt die gesammelte Mannschaft von den Hosenbeinen und macht sich über den Keks her – danach beginnt das Spiel von vorne. Nasenbären sind wirklich niedliche und sympathische Tiere. Sie waren zwar aufdringlich aber nicht aggressiv. Ein sehr seltenes Erlebnis den Nasenviechern endlich mal so nah zu kommen.

Ach ja: den Krater haben wir uns auch angesehen: schön!

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Lila Pistenheuschrecke

Nach dem Besuch des Irazu kurven wir noch ein wenig in den Bergen herum und folgen dann dem Rat des Biologieprof´s und machen uns auf den Weg zur Karibikküste. Es wird zunehmend grüner – und schwüler. Kaum auszuhalten. Am Playa Cocles machen wir ein letztes mal Station in Costa Rica – können wegen der riesigen Wellen nicht baden, finden seltsam bunte Heuschrecken und etwas zu viele Amerikaner. Nach zwei Nächten geht’s weiter Richtung Panama zum Grenzübergang Sixaola. Die Grenze Costa Ricas präsentiert sich hier, wie der Rest des Landes auch: fast schon zu aufgeräumt, modern nach westlichen Standards und streng organisiert. Nach der zügigen Ausreise geht´s über eine kleine Brücke rüber zum Grenzübergang nach Panama. Und hier gibt es bereits einen deftigen Vorgeschmack auf das, was wir in Panama erleben werden: Konfusion, Dünkel und Planlosigkeit… na, wenn das mal kein ordentlicher Cliffhanger ist. J

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Nicaragua 10. August 2014

Filed under: Allgemein — tichyx @ 19:32

Pazifikstrand bei Matilda´s in Nicaragua

Als wir uns bei der Reiseplanung 2013 Gedanken über unsere Route durch Zentralamerika machten, sind wir im Kopf die verschiedenen Länder durchgegangen, die wir durchfahren wollten. Bei Nicaragua sind wir beide sofort hängengeblieben. Hatten wir doch noch das Echo aus den Nachrichten der 80er und 90er Jahre im Kopf, in denen es um Drogenmafia, Kämpfe zwischen Sandinisten und Contras und die Einmischung der USA ging. Wir fragten uns, ob wir überhaupt durch Nicaragua fahren können. Umso überraschter waren wir, als wir bei unseren Recherchen heraus fanden, dass Nicaragua inzwischen als eines der sichersten Reiseländer in Zentralamerika gilt.

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Kopfsprung in den Canyon

Am Grenzübergang werden wir vom Zöllner äußerst freundlich mit einem Stapel gratis Nicaragua-Postkarten und touristisch ausgearbeiteten Landkarten ausgestattet. So was haben wir das letzte Mal in Texas erlebt. Es gibt seit langem auch mal wieder eine Fahrzeugkontrolle und natürlich den üblichen Fotokopienunsinn.

Nach dem freundlichen Empfang machen wir uns gut ausgestattet auf den Weg zum Somoto Canyon direkt hinter der Grenze. Er gilt als touristisch unerschlossen und wurde 2006 von der UNESCO als Nationaldenkmal Nicaraguas ausgerufen. Am Parkeingang erfahren wir, dass man einen einheimische Guide für eine Tour buchen kann und wir verabreden uns mit ihm für den nächsten Tag. Übernachten können wir direkt am Fluss auf einer kleinen Wiese zwischen Pferden und Kühen.

Am nächsten Morgen macht sich unser Guide „Jesus“ für 10U$ p.P. mit uns auf den Weg. Er ist ein benachbarter Bauer, der sich mit solchen Touren ein Zubrot verdient. So ganz genau haben wir nicht verstanden, was uns bei dem Ausflug erwartet, aber als er unsere Kleidung und die wasserfestigkeit unserer Schuhe überpüft, wird klar, dass es nass wird. Die Schwimmwesten die er dabei hat, nehmen wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht so richtig ernst.

Nach ca. 40 Minuten Fußmarsch erreichen wir den Einstieg in den Canyon. Wir klettern an Felswänden und Vorsprüngen über dem Wasser entlang und sind von der Schönheit und Unberührtheit der Natur begeistert. Hier hat noch niemand Brücken gebaut, es gibt keine Wege, Halteseile, Warnschilder, Helmpflicht oder Bungeeanlagen.

Jesus führt uns über die alten Pfade, die von den Einheimischen seit Urzeiten benutzt werden, bis… ja bis die Wege dann plötzlich zu Ende sind. Unser Fotoapparat wird in eine Plastikbox gepackt, wir legen die Schwimmwesten an und dann geht es mit einem Sprung mehrere Meter tief in den tropischen Fluß! Die wassertauglichen Schuhe sind absolut notwendig, denn teilweise müssen wir durch hüfthohes Wasser über glitschige Steine waten, andere Strecken müssen wir schwimmen oder wir können uns von der Strömung mitnehmen lassen. An engen Stellen, die wir duchschwimmen, zeigt Jesus uns seltsame dunkle Flecken an den Canyonwänden, die sich bei genauerer Betrachtung als Flächen aus tausenden Fledermäusen heraustellen. Wir wechseln mehrmals vom Wasser zurück auf schmale Felswege, dann müssen wir wieder einige Meter tief springen, schwimmen und waten. Es macht einen unglaublichen Spass und wir sind von diesem puren und unverfälschten Naturerlebnis echt beeinduckt! Ein einmaliges Abenteuer, das wir jedem Nicaraguareisenden empfehlen können! Nach über 4 Stunden sind wir zurück am Mog und sind vom kalten Wasser ganz schön durchgefroren.

Über Nacht regnet es heftig und als wir uns am nächsten Morgen mit dem Mog auf den Weg machen wollen, sind Lehmboden und Auffahrt völlig durchweicht. Mit Allrad und gesperrten Differenzialen wühlt sich der Mog Zentimeterweise den Hang hinauf. Das Reifenprofil ist sofort mit Schlamm zugesetzt und alle Räder drehen durch. Die Situation wird kritisch, als der Mog anfängt in der schmalen Auffahrt seitlich zu driften und dem steilen Abhang bedrohlich nahe kommt. Vor uns steckt bereits ein PKW fest, der nur mit vollem Einsatz mehrer Helfer geborgen werden kann. Als er aus dem Weg ist, arbeiten wir uns im Querdrift weiter vorwärts, immer haarscharf an der Abbruchkante entlang, bis wir endlich die etwas festere Lehmstrasse erreichen. Auch hier drehen alle Räder auf der nassen Lehmschicht durch und der Mog arbeitet sich langsam die schmale Strasse hoch, als uns an der engsten Stelle ein Schulbus entgegengeschliddert kommt! Keine Chance aneinander vorbei zu kommen. Der Bus stoppt, sieht den Zustand der Strasse hinter uns und fährt rückwärts wieder zurück. Er schafft es gerade so bergauf, auf ein Stück festeres Gras und wir können vorbei. Die 200m Lehmweg hinter uns sehen nach der Aktion aus, wie frisch gepflügt. Die Einheimischen beeindruckt das alles aber herzlich wenig, da solche Aktionen bei dem Wetter hier an der Tagesordnung sind.

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LOST

Am nächsten Tag kommen wir auf unserem Weg zur Vulkankette am Lago Nicaragua ins Hochland. Da es sich um viele kleine, aber hohe Berge handelt, ist die Fahrt sehr mühsam, da es im ständigen Wechsel Serpentinen bergauf und bergab gibt. Wir kommen viel langsamer voran als geplant und es gibt an der schmalen Bergstrasse keinerlei Möglichkeit stehen zu bleiben. Wir fragen beim Hotel „Schwarzwald“ (kein Witz), ob wir auf dem Parkplatz stehen bleiben dürfen. Das dürfen wir, aber nur, wenn wir den vollen Preis für ein Hotelzimmer bezahlen. Alles Verhandeln nützt nichts und so fahren wir weiter, in der Hoffnung irgendwo anders stehen bleiben zu können. Die Berge sind aber so hoch, dass sie in die Nebelregion hineinreichen und so ist auf großen Streckenabschnitten die Sicht gleich null. Als dann zusätzlich die Dämmerung anbricht, sind wir gezwungen umzudrehen und zurück zum Hotel zu fahren. Es ist weit und breit die einzige Chance überhaupt anhalten zu können. Und so beißen wir in den sauren Apfel und bezahlen. Mit 35U$ ist das zwar nicht sonderlich teuer, aber es ärgert uns natürlich schon ein wenig. Für das Geld bekommen wir aber auch ein bisschen was geboten: es sieht tatsächlich alles exakt aus wie im Schwarzwald, das Hotel, die Nebengebäude, die dunklen Tannen und der Ententeich. Wir sind immer wieder erstaunt, wie stark die Landschaft und die Vegetation bei ein paar Höhenmetern variiert. In der Hotellobby gucken wir dann am nächsten Morgen das erste Deutschlandspiel.

Am späten Nachmittag erreichen wir den Vulkan Masaya. Da es bereits spät ist und das Wetter nicht mitspielt, schlagen wir unser Lager auf halber Höhe bei der kleinen Parkstation auf. Wir schnappen unsere Macheten und unternehmen eine schöne Wanderung am Hang des Vulkans durch den Regenwald. Wir arbeiten uns gerade durchs entlegene und verwachsene Unterholz, als wir plötzlich etwas unheimliches entdecken: in den Fels eingelassene und verwitterte Betonanlagen, mit einer Einstiegsluke in den Boden. Jetzt fehlt nur noch irgendwo ein Schild der „Dharma Initiative“ und ein schwarzer Monsternebel, der Jagd auf uns macht. „Lost“ lässt grüßen. Wir machen schnell ein paar Fotos und dann verdrücken wir uns wieder, bevor es uns zu unheimlich wird…

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Drive in Vulkan

Am nächsten Morgen ist das Wetter top und wir fahren mit dem Mog Richtung Krater. Was bei den Amis der „drive thru Hamburgerladen“ ist, ist in Nicaragua der „drive thru Vulkankrater“ – ein aktiver Krater selbstverständlich, sonst wäre das Ganze ja unspektakulär. Der letzte Ausbruch war 2008! Als warnschild-, verbots- und bevormundungsgeplagte Europäer können wir es kaum glauben: man darf mit dem Auto direkt bis an den Kraterrand fahren – und mit direkt meinen wir DIREKT. Die einzige und wirklich amüsante Sicherheitsvorkehrung: wir sollen mit unserem Auto bitte in „Fluchtrichtung“ parken. Ok, da sind wir jetzt aber beruhigt.

Wir steigen aus und stellen uns direkt an die Abbruchkante des Kraterrrandes. Vor uns steigen riesige Nebelschwaden auf, die darauf hindeuten, dass es da unten alles andere als gemütlich zugeht. Als der Wind dreht wird es auch für uns hier oben plötzlich ungemütlich. Denn der weisse Nebel ist äußerst ätzend und weiteratmen ist schlicht ausgeschlossen. Wir flüchten in den Mog, bis der Wind wieder dreht. Dabei beobachten wir durch die Scheibe einige Park-Ranger, die alle mit Schutzanzügen und Atemmasken ausgerüstet sind… Äh…und wo sind unsere? Tja, hier wird eben noch auf selbstverantwortliches Handeln gesetzt und nicht auf Bevormundung – wir finden das höchst sympathisch und auch ein kleines bisschen amüsant.🙂

Nachdem die Windrichtung wieder gedreht hat, machen wir zum Abschluss noch eine Wanderung um den Kraterrand.

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Vulkan auf der Flucht

Am nächsten Tag legen wir in Granada (nein, nicht in Andalusien) einen Zwischenstopp ein um Wäsche zu waschen. Wir besuchen in der Wartezeit den Markt und fragen uns, wie wir eigentlich aus diesem Ort wieder herauskommen sollen. Die einzige Möglichkeit ist eine winzige Strasse, die durch den Markt führt. Da aber alle LKW hier entlang fahren, quälen auch wir uns durch das Gewühl. Umsicht und Draufgängertum am Steuer sind hier gleichermaßen gefragt. Denn Fussgänger machen erst Platz, wenn sie in den Augen des Fahrers echte Mordlust erkennen können – auf der anderen Seite will man ja keinem wehtun, der nicht bei Drei auf dem nächsten Baum ist und wir müssen höllisch aufpassen, dass uns niemand unter die Räder kommt. Wir wollen wieder ans Meer und so kommt es, dass wir die spektakulären Vulkane im Nicaraguasee diesmal links liegen lassen und weiter zur Küste fahren (unsere Lungen brennen noch vom Masaya). Auch wenns auf dem Foto wegen der Wolken so aussieht: da fährt nicht der Vulkan an uns vorbei, sondern wir am Vulkan.

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Affenpipi

Wir steuern den kleinen Campingplatz „Matilda“ an, von dem wir überall nur das Beste hören. Im Ort San Juan del Sur geht eine kleine Piste ab und führt durch die hügelige Landschaft an der Küste entlang. Es folgen einige Hostels, Hotels Kuhweiden und nach gut 15km, als allerletztes, so dass wir schon dachten, da kommt nix mehr, taucht endlich die Einfahrt zu Matlida auf. Es ist ein traumhafter Platz, direkt am Strand, einsam, aber nicht verlassen. Wunderschön gelegen, aber mit einem großen Problem: wir passen mit dem Mog nicht um die Kurve der kleinen Platzeinfahrt…grrr. Nach einiger Rangiererei ist eindeutig ein Baum im Weg und die Campinplatzbesitzerin gibt uns zu verstehen, dass wir den kleinen Mistbaum einfach umnieten sollen, aber soweit geht unser Campingwille dann doch nicht. Wir steuern die Einfahrt noch mal rückwärts an und dann passt es – der Baum darf natürlich weiterleben.

Der Platz entpuppt sich als eine wahre Oase: das Klima ist mediterran und angenehm, der Strand ist menschenleer, die Wellen sind fantastisch und genau richtig um den ganzen Tag darin zu „kämpfen“. Das Minirestaurant (2 Tische) am Strand macht erstaunlich leckeres Essen (es gibt Hühnchen oder Hühnchen oder Hühnchen und wahlweise dazu irgendwas aus Mais oder Bohnen). Und im Haupthaus von Matilda haben sich ein paar Traveller aus aller Welt einquartiert. Direkt neben unserem Mog zeltet Carol, sie ist 69 Jahre alt und bereits seit 2 Jahren mit ihrem winzigen Zelt unterwegs – so geht es auch!

Am Morgen nach unserer ersten Nacht werden wir von heftigem Gebrüll geweckt. Als wir die Augen aufmachen sehen wir durch unsere Panoramaluke über dem Bett eine Horde Brüllaffen, die es sich direkt über uns in den Bäumen gemütlich gemacht hat. Obwohl das eigentlich total spannend ist, schließen wir lieber die Luke, denn Brüllaffen sind dafür bekannt, dass sie gerne Menschen unter sich gezielt vollpinkeln – einfach aus Spaß, weil sie es können.🙂 Und da soll noch mal einer behaupten, der Mensch stamme nicht vom Affen ab.

Wir entschließen uns einige Tage hier zu bleiben und wir sagen das nicht oft, aber in diesem Fall trifft es mal wieder zu: dieses Fleckchen Erde ist definitv einer der schönsten Orte, an dem wir jemals waren. Jeder der durch Nicaragua reist, sollte unbedingt einen Abstecher zu Matildas machen!

Besonders gut haben uns in Nicaragua auch diverse Stilblüten durch spachliche Doppeldeutigkeiten gefallen. (s. Foto) Bei dem Klo-Stein trifft die Bezeichnung allerdings tatsächlich zu und wir haben ihn direkt wegen nachhaltigem „Nasenterrors“ wieder entsorgt. Beim isotonischen Powerdrink konnten wir dagegen keinen körperlichen Leistungsverlust nach der Einnahme feststellen…

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Nicaragua ist für uns die größte Überraschung auf unserer bisherigen Reise. Das Land hat wirklich viel zu bieten und setzt auf Tourismus. Enstprechend offen und einladend ist die Bevölkerung. Die meisten Bewohner freuen sich über Reisende und auf uns machte Nicaragua einen entsprechend sicheren Eindruck. Dazu muß man sagen, dass wir den nahezu unerschlossenen Norden ausgelassen haben. Das Auswärtige Amt warnt zudem vor Reisen in diese Region, aber die Pazifiküste gilt als sicher. Wer gerne mal nach Zentralamerika möchte, der sollte dieses außergewöhliche Land auf keinen Fall auslassen! Wir kommen jedenfalls sehr gerne wieder.